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Mepro Medizintechnik versorgt Dresden mit automatisierten Defibrillatoren

Mepro Medizintechnik versorgt Dresden mit automatisierten Defibrillatoren

Mit elektrischen Stößen können sie den plötzlichen Herztod verhindern: Defibrillatoren sind der Lebensretter für viele Tausend Menschen im Jahr. Das Dresdner Unternehmen "Mepro Dr. Stehr Medizintechnik" betreut die Geräte an der TU Dresden, bei den Unternehmen Globalfoundries und Infineon sowie an vielen weiteren wichtigen Knotenpunkten der Stadt.

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Unscheinbare Technik, die schon zahlreiche Menschenleben gerettet hat: Gunther Stehr und sein Dresdner Unternehmen haben sich auf das Geschäftsfeld mit Defibrillatoren spezialisiert.

Für Ingenieur Gunther Stehr gibt es keinen Zweifel, dass Defibrillatoren überlebenswichtig sind. Als Beispiel zeigt er ein Diagramm. Demnach konnten 86 Prozent aller Menschen mit Herzkammerflimmern in der Münchner U-Bahn gerettet werden. Der Grund: Ihre Schächte und Bahnhöfe sind mit automatisierten externen Defibrillatoren (AED) ausgestattet. Demgegenüber liegt die ernüchternde Zahl von zwei Prozent Überlebenschance, wenn keine der kleinen Kästen in der Nähe hängen. "Mit Hilfe dieser Technologie haben wir wesentlich größere Erfolge als jeder Notarzt der Welt", erklärt der Ingenieur. "Davon können Ärzte nur träumen."

Dies sei keine Kritik an Medizinern, sondern "eine einfache Rechnung nach Adam Riese". Ein Notarzt brauche im Durchschnitt etwa zehn Minuten, um am Einsatzort zu erscheinen. "Wenn das Herz nicht mehr richtig schlägt, baut der Kreislauf pro Minute um etwa zehn Prozent ab", erklärt Stehr. "Sie können sich ausrechnen, dass nach zehn Minuten die Überlebenschance gleich Null ist". Werde das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, breche der gesamte Organismus zusammen. "Gelingt es dann doch, den Menschen zurück zu holen, bleiben oft neurologische Folgeschäden", erklärt Stehr. Der plötzliche Herztod sei mit 160 000 Opfern im Jahr die mit Abstand häufigste Todesursache in Deutschland. "Verkehrstote sind uns jedoch viel präsenter", sagt Stehr. "Obwohl die Zahlen mit 3600 Opfern im Jahr weitaus geringer liegen."

Defibrillatoren sind also der Retter in der Not: Sie hängen nicht weiter als drei Minuten von jedem möglichen Einsatzort - sofern ein Gebäude oder ein Gelände mit diesen Geräten ausgestattet ist. Gesetzliche Pflicht ist die Technik nur auf internationalen Flughäfen und in der Frachtschifffahrt. "Trotzdem ist die Nachfrage riesig", erklärt Stehr. "Die Überlebenszahlen sprechen für sich." Mittlerweile seien auch die Kosten von etwa 4000 Euro auf 1000 bis 2000 Euro pro Gerät gesunken.

Das Dresdner Unternehmen Mepro-Medizintechnik hat sich mit seinem Geschäftsfeld "Heart Save" auf diese lebensrettende Technik spezialisiert. Mittlerweile betreut es die Geräte an über 200 Standorten in der Landeshauptstadt, unter anderem in der Frauenkirche, der TU, der Dresden International School und im Sächsischen Immobilien- und Baumanagement. Doch auch wer im Elbepark flaniert, in den Sparkassen Geld abhebt oder im Ibis-Hotel übernachtet, kann auf die Hilfe der Defibrillatoren von Mepro-Medizintechnik zählen. "Wir vertreiben automatisierte Defibrillatoren für medizinische Laien", erklärt Stehr. Jeder könne das Gerät bedienen und dabei überhaupt nichts falsch machen.

In der Tat: Als der Ingenieur den Kasten öffnet, steigt das Selbstvertrauen, selbst zum Lebensretter aufsteigen zu können. Jeder Schritt wird haarklein beschrieben. Sogar eine mentale Vorbereitung auf den Einsatz liefert das Gerät mit den Worten "Bleiben Sie ruhig". Danach muss der potenzielle Lebensretter eigentlich nur zweierlei schaffen: Die Kleidung am Brustraum entfernen und zwei Elektroden auf den Oberkörper aufkleben. "Den Rest macht der Defi selbst", erklärt Stehr. "Das Gerät misst die Herzfrequenz und entscheidet dann, ob es die lebensrettenden Stromstöße abgibt, die das Herz wieder in den richtigen Rhythmus bringen." Erst neulich konnte so ein Passant in einem Berliner Einkaufszentrum gerettet werden. Stehr zeigt die Zahlen im Behandlungsprotokoll: Nach zwölf Minuten war der Einsatz beendet, der Patient konnte noch am Abend aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Mepro-Medizintechnik zählt zu den drei größten Versorgern im deutschsprachigen Raum. Etwa 300 Defibrillatoren wartet und betreut das Unternehmen jährlich. Tendenz steigend. Selbst der Patientenbeauftragte der Bundesregierung interessiert sich neuerdings für die Dresdner Spezialisten. Denn: Mit einem einfachen Installieren der Geräte ist es nicht getan. Über eine spezielle Software werden Notfall-Routen berechnet und geeignete Standorte genau bestimmt. Der Weg zu einem Gerät sollte in jedem Fall nur drei Minuten betragen. Künftig will Stehr die Software in einem Forschungsprojekt für die Bundesregierung weiter verbessern.

Defibrillatoren sind nicht das einzige Geschäftsfeld des Unternehmens, das in diesem Jahr seinen Standort von Pirna nach Dresden verlegt hat. Die Mepro Medizintechnik betreut auch Tausende Ärzte in Sachsen. "Wir statten Praxen niedergelassener Ärzte aus", erklärt Stehr. Von der Mullbinde über das Mobiliar bis zur Medizintechnik sei bei ihm alles zu haben. Über 6000 Produkte bietet Stehr seinen Kunden an. In Seminaren offeriert er zudem Fortbildungen zur Bedienung von Geräten, Hygiene oder Arbeitsschutz. Krankenhäuser gehören nicht zu seiner Zielgruppe. "An den Kliniken herrscht ein extrem harter Wettbewerb. Dieses Preisdumping ist ruinös."

Genaue Angaben über die Umsätze will der Ingenieur und Geschäftsführer der Mepro Medizintechnik nicht machen. Nur so viel verrät er: Seit 2008 haben sich die Umsätze fast verdoppelt. "Wir erwarten und erhoffen weiter ein gesundes Maß an Wachstum", erklärt Stehr.

Tominski, Katrin

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