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Melanie Feuerbach aus Dresden bekommt den Katharina-von-Bora-Preis

Hilfe für Frauen in Kenia Melanie Feuerbach aus Dresden bekommt den Katharina-von-Bora-Preis

Die Dresdnerin Melanie Feuerbach gehört zu den vier Preisträgerinnen des Katharina-von-Bora-Preises der Stadt Torgau. Sie hat ein Frauenzentrum, einen Kindergarten und eine Grundschule im Süden Kenias aufgebaut. DNN sprachen mit ihr über die Probleme der Frauen in Afrika und das nächste Projekt – eine Berufsfachschule.

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Melanie Feuerbach.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Die Dresdnerin Melanie Feuerbach gehört zu den vier Preisträgerinnen des Katharina-von-Bora-Preises der Stadt Torgau. Mit Hilfe vieler Dresdner – vor allem Hosterwitzer – und dem Verein Akifra e.V. (Aktionsgemeinschaft für Kinder- und Frauenrechte) hat sie ein Frauenzentrum, einen Kindergarten und eine Grundschule im Süden Kenias aufgebaut. DNN sprachen mit der Mutter dreier Kinder über die Probleme der Frauen in Afrika und das nächste Projekt – eine Berufsfachschule.

Wie haben Sie Kontakt zu den Frauen in Afrika bekommen?

Über Umwege. 1993 habe ich in Dresden angefangen, auf Lehramt zu studieren und auch mein Examen gemacht. Damals wurden aber für Gymnasien keine Lehrer mit meiner Fächerkombination benötigt. Deshalb habe ich in Bremen noch Entwicklungspolitik studiert und u.a. meine Diplomarbeit über Alternativen zur weiblichen Genitalverstümmelung in Guinea geschrieben. Bei Feldforschungen bin ich in Kenia, in der Nähe der Stadt Taveta im Süden des Landes, auf die Affenbrotbaum-Frauengruppe – eine Graswurzelorganisation – gestoßen.

Eine Graswurzelorganisation?

Das sind Frauen, die sich in den Dörfern treffen, miteinander reden und für sich selber arbeiten. Sie zahlen beispielsweise jede Woche einen kleinen Betrag in die Gemeinschaftskasse ein, finanzieren damit den Arztbesuch, Nähmaschinen oder auch Fahrräder. Jede Frau nutzt diese Kasse im Karussellsystem.

Wie haben Sie denn die Frauen in Taveta gefunden?

Über 15 Jahre ist es jetzt her, da traf ich eine der Frauen dieser Gruppe, Maria Nareku. Sie nahm mich mit zu einem Affenbrotbaum. Dort saßen die Frauen auf Steinen im Kreis und berieten sich gerade über den Wassermangel – eines der größten Probleme.

Und dann?

Habe ich mit Maria Nareku Anträge zu schreiben begonnen, unter anderem einen Antrag über 2000 Euro für eine Wasserleitung, damit vor allem die Mädchen und Frauen nicht so weit Wasser holen müssen. So hat es angefangen. Mittlerweile gibt es dort ein Frauenzentrum, einen Kindergarten und eine staatlich anerkannte Grundschule fast bis zur 8. Klasse für 200 Kinder. Jetzt wollen die Frauen eine Berufsfachschule für Schreiner, Friseure, Maurer und Schneider an die Grundschule angliedern, damit die Jugendlichen nach der Schule nicht auf der Straße stehen. Dafür brauchen wir wieder dringend Geld. 8000 Euro kostet ein Klassenzimmer. Es werden vier neue Klassenzimmer nötig sein.

Vor welchen Problemen stehen die Menschen in Kenia?

Vor mehreren. Ein Problem ist die Dürre. Wegen des Klimawandels kommen die Regenzeiten nicht mehr regelmäßig. Das hat Auswirkungen auf die Ernten. Jeder zweite Kenianer lebt unter der Armutsgrenze. Mädchen beenden seltener die Schule mit einem Abschluss als Jungen. Sie sind teilweise nicht mal 14, 15 Jahre alt, wenn sie verheiratet werden – manchmal als Zweit- oder Drittfrau. Vielehen sind in Kenia erlaubt. Frühverheiratungen, aber auch häusliche Gewalt und Vergewaltigungen sind im ländlichen Raum oft an der Tagesordnung. Aids breitet sich deshalb auch so schnell dort aus. Zu all diesen Problemen kommen noch Korruption und eine hohe Kriminalität.

Sie haben sich lange mit weiblicher Genitalverstümmelung beschäftigt. Sind Mädchen in Kenia auch heute noch davon bedroht?

In der Region von Taveta gibt es das dank der Aufklärungskampagnen im Moment nicht. Aber immer wieder kommen Flüchtlinge aus anderen Regionen, auch aus Somalia. Es dürfte daher nur eine Frage der Zeit sein, bis wieder Beschneiderinnen in Taveta auftauchen.

Ist die Verstümmelung in Kenia verboten?

Ja. Der Staat Kenia hat sie als Menschenrechtsverletzung anerkannt und verboten.

Wie verbreitet ist sie bei Frauen in Afrika?

Sie wird in 28 afrikanischen Ländern praktiziert, aber nicht nur dort, sondern u.a. auch im Jemen, in den Arabischen Emiraten, in Indonesien, Malaysia und im Irak. Auch hier in Europa sind Mädchen bedroht. Weltweit leben 170 Millionen Mädchen und Frauen damit. Jedes Jahr werden allein in Afrika etwa drei Millionen Mädchen Opfer dieser Praktik. Sie leiden ein Leben lang an den körperlichen und seelischen Verletzungen.

Und was sind das für Frauen, diese Beschneiderinnen?

Sie haben diesen, bislang lukrativen, in der Bevölkerung hoch angesehenen Beruf von ihren Müttern geerbt und werden oft mit Naturalien bezahlt. Die Mädchen werden ohne Narkose und unter katastrophalen hygienischen Bedingungen verstümmelt. Wir wollen die Beschneiderinnen aufklären und mit ins Boot holen. Allerdings sind es auch Hebammen, Krankenschwestern und Ärzte, die Genitalien amputieren.

Womit rechtfertigt man das?

Allein im subsaharischen Afrika gibt es mehr als 250 ethnische Gruppen, die das praktizieren und ganz unterschiedliche Begründungen anführen. Eine Frau gilt oft erst als erwachsen, wenn sie genitalverstümmelt ist. Früher feierten ganze Dörfer traditionelle Zeremonien. Damit wurden die Mädchen in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Heute reduziert sich das Ganze vielfach nur noch auf die Verstümmelung, weil die Leute oft so arm sind, dass sie sich kein opulentes Fest leisten können. Zu den wirkungsvollsten Strategien von Entwicklungsorganisationen gehören alternative Rituale, in denen Mädchen Bildung vermittelt bekommen. Immer ist es die Bildung, die Entwicklung ermöglicht. Deshalb bauen wir Schulen.

Von Katrin Richter

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