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Meissen-Boss Christian Kurtzke wird neuer CEO von Porsche Design

Meissen-Boss Christian Kurtzke wird neuer CEO von Porsche Design

Er hat die 300 Jahre alte Porzellan-Manufaktur Meissen auf den Weg zur europäischen Luxusmarke geführt, hat mit Möbeln, Kleidern und Schmuck die Produktpalette aufgepeppt und neue Märkte erschlossen, er hat den Sächsischen Staatsbetrieb komplett umgekrempelt, fast 200 Leute und etliche Mitgeschäftsführer entlassen, hat sich im Markenstreit mit Meißner Firmen und der Stadtpolitik ordentlich Feinde geschaffen – und trotzdem Jahr für Jahr aufs Neue dem Freistaat frische Zuschüsse abgetrotzt.

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Christian Kurtzke

Quelle: PR
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Das Traditionsunternehmen hatte zwar 2012 mit gut 40 Millionen Euro einen steigenden Umsatz gemeldet, aber seitdem auch schon wieder gut 14 Millionen Euro aus der Staatskasse zugeschossen bekommen.

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Christian Kurtzke, der Mann, der 2008 ins Unternehmen kam und wie kein zweiter polarisierte, nimmt seinen Hut. Oft genug hatte der alerte Manager davon gesprochen, sich über kurz oder lang „überflüssig zum machen" – nun, wo die Marke tatsächlich in Mailand, Paris und Asien Achtungserfolge feiert, hält er den Zeitpunkt offenbar für gekommen. Sein neuer Arbeitgeber ist eine Luxusfirma von Weltrang: Die Porsche Design Group in Ludwigsburg bei Stuttgart macht ihn zum Vorsitzenden der Geschäftsführung. Er folgt dort auf Jürgen Geßler, der bereits aus der Geschäftsleitung ausgeschieden sei. Kurtzke, so hieß es gestern aus dem Stuttgarter Unternehmen, habe „bereits in seinen bisherigen Funktionen seine Weitsicht und Qualitäten zur Markenführung unter Beweis gestellt."

In Sachsen waren sowohl der 45-Jährige wie auch sein Luxus-Kurs bei Meissen äußerst umstritten. Viele kreiden Kurtzke die Entfernung vom Kerngeschäft der Traditionsfirma an und werfen ihm unbezahlbare Höhenflüge vor. 2013 hatte er die Holding „Meissen Couture" gegründet und mit den Sparten „Meissen-Joaillerie", „Meissen-Fine Art" und „Meissen-Home" breit aufgestellt. Sein Ziel: In einer Liga spielen mit Gucci, Escada, Dior und Bulgari. Kurt Biedenkopf, sein treuer Gewährsmann im Aufsichtsrat, sagt in absehbarer Zeit schwarze Zahlen vorher, wollte sich aber gestern zum Personalwechsel nicht äußern.

Die Manufaktur ist ein Unternehmen mit globaler Bedeutung, jedoch höchst regionalem finanziellen Spielraum. Trotz der zuletzt 2012 gemeldeten gut 40 Millionen Euro Umsatz musste der Freistaat insgesamt fast 15 Millionen Euro aus der Steuerkasse zuschießen, um das Wachstum in die Welt zu bezahlen. Da das EU-rechtlich bedenklich ist, rief der Freistaat Sachsen Ende 2014 eine Stiftung ins Leben. Die Meissen Porzellan-Stiftung wird für einen zweistelligen Millionenbetrag die zu Tausenden vorhandenen Formen, Dekore und Museumsstücke der Manufaktur erwerben. Grundlage der Entscheidung, den Staatsbetrieb finanziell auf solide Füße zu stellen, war ein KPMG-Gutachten, das Kurtzkes Kurs im vergangenen Jahr offenbar einige Erfolgsaussichten beschied.

Das Finanzministerium, das für den Freistaat die Gesellschafteraufgaben wahrnimmt, erklärte denn auch in einer dürren Mitteilung, dass der Wachstumskurs „unter Fokussierung aufs Kerngeschäft" fortgesetzt werde. Tillmann Blaschke, den Sachsens Finanzminister Georg Unland Ende 2014 als kaufmännischen Geschäftsführer ins Boot geholt hatte, leite die Manufaktur „zunächst alleine". Es sei jedoch vorgesehen, einen weiteren Geschäftsführer zu berufen, hieß es weiter. Blaschkes Berufung vor ein paar Monaten war für den inzwischen eskalierten Markenstreit in Meißen ein Segen: Ihm war gelungen, was Christian Kurtzke zuvor partout nicht gelingen wollte:  die Kommunalpolitik vor Ort zu befrieden.

Mag sein, dass Christian Kurtzke die Arbeitsbedingungen im Staatsbetrieb  inzwischen als Korsett empfunden hat: der Staat als Aufpasser, die Stiftung als Geldgeber, ein zweiter Chef, ein Experten-Beirat – nicht einfach für einen Firmenchef, der trotz kreativer Ideen und perfekter Umgangsformen nicht eben als Teamplayer verschrien ist. Christian Kurtzke, der immer als exzellent vernetzt galt, der Meissen wie eine Lebensaufgabe verkaufen konnte und die Marke in die Welt getragen hat, er sucht sich nun eine neue Spielwiese. Porsche Design immerhin scheint ihn mit offenen Armen zu empfangen.

Barbara Stock

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