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Mehr Moore für die Dresdner Heide: Das Saugartenmoor soll nicht das einzige "Mückenloch" bleiben

Mehr Moore für die Dresdner Heide: Das Saugartenmoor soll nicht das einzige "Mückenloch" bleiben

Libellen, die zwischen Schilfhalmen tanzen, quakende Frösche, eine Ringelnatter, die sich durch dunkles Wasser schlängelt, eine sich auf einem Baumstamm sonnende Waldeidechse, saftig grünes Moos und Sonnentau, dessen mit Klebedrüsen besetzte Blätter geduldig auf Insekten warten - all das gehört zu einer Moorlandschaft.

Moore gab es früher in der Dresdner Heide eine ganze Menge. Davon erzählt der Nachdruck einer alten Heide-Karte aus dem Jahre 1572. Der große braune Druck hängt in Heiko Müllers Arbeitszimmer im Klotzscher Forsthaus am Nesselgrundweg.

"Darauf sieht man, dass die Dresdner Heide damals in weiten Teilen noch eine recht feuchte Angelegenheit war. Im Ullersdorfer Revier gab es besonders viele solcher Mückenlöcher", sagt der Abteilungsleiter Staatsforst beim Forstbezirk Dresden. Vor allem in abflusslosen Senken hatten sich in tausenden von Jahren Moore gebildet. Aber das ist Geschichte. Das einzige nennenswerte Moor, das es heute noch in der Dresdner Heide gibt, ist das Saugartenmoor. Denn im Interesse einer effektiven Forstwirtschaft ist die Heide in den späteren Jahrhunderten systematisch entwässert worden. Daran erinnern ungezählte Gräben im ganzen Waldgebiet. Außerdem wurde zur Gewinnung von Brennmaterial in den Mooren der Dresdner Heide auch Torf abgebaut, und das Rähnitzer Dünenmoor am nördlichen Rand musste der Gartenstadt Hellerau weichen.

Interessen des Naturschutzes und der Forstwirtschaft verschmelzen

1985 wurde das 0,7 Hektar große Saugartenmoor nördlich vom Dresdner Saugarten als Flächennaturdenkmal unter Schutz gestellt. Doch Naturschützer und Forstleute sind sich heute darüber einig, dass es nicht das einzige Moor in der Dresdner Heide bleiben soll. Für den Forst heißt das zwar, auf bisher forstwirtschaftlich genutzte Flächen zu verzichten. "Aber gemessen an den 4500 Hektar Heidefläche ist dieser Verlust relativ unbedeutend", findet Forstdirektor Müller. Dagegen wären neue Moore, in denen sich seltene Pflanzen und Tiere ansiedeln, nicht nur aus Sicht des Naturschutzes ein Gewinn. Auch die Forstwirtschaft könnte im Hinblick auf die Klimaveränderungen davon profitieren, weil Moore wertvolle Wasserspeicher sind. Sie sorgen dafür, dass die Böden über eine lange Zeit feucht bleiben und kleine Bäche auch in trockeneren Zeiten Wasser führen.

"Beim Thema Moore treffen sich deshalb die Interessen des Naturschutzes und der Forstwirtschaft", sagt Müller. So stießen die Mitarbeiter des Naturschutzinstitutes Dresden beim Forstbezirk auch auf offene Ohren, als sie eine Machbarkeitsstudie initiierten, deren Ziel es war, zu prüfen, welche der ehemals vorhandenen Moorflächen im Revier Bühlau beiderseits der Radeberger Straße wieder Moor werden könnten.

Aber beim Thema Moor gibt es auch Sachen, wo Müller "nein" sagt. Als Beispiel nennt er Flächen, deren Vernässung das bestehende Wegesystem beeinträchtigen würde. Eine Fläche, auf der er sich dagegen ein Moor wünscht, liegt direkt am E-Flügel, der Grenze zwischen dem Klotzscher und dem Bühlauer Revier. Der Untergrund besteht dort aus Granit. An einigen Stellen liegt darüber Sand als Relikt der Eiszeit. Von unten kann kein Wasser kommen. Dorthin kann es aber auch nicht versickern, wenn Regen und Schnee für Überfluss sorgen. Deshalb sei das ebenerdige Areal, auf dem jetzt zwischen ein paar alten Kiefern noch kleine Fichten stehen und die weißen Stämme junger Birken leuchten, schon immer eine forstwirtschaftlich schwierige Fläche gewesen. Meistens zu nass. Davon zeugen die zahlreichen Gräben. Manchmal aber auch zu trocken.

Nach den sehr trockenen Jahren 2003 und 2006 war der Wassermangel so groß, dass benachbarte Buchenbestände abzusterben drohten. Inzwischen wurden einige Gräben mit Hilfe eines Minibaggers verschlossen. Seitdem haben Schnee und Regen wieder für sumpfige Stellen und Wasserlöcher gesorgt, um die man besser einen Bogen macht. Und die Buchen in der Nachbarschaft haben sich nach den niederschlagsreichen Jahren 2012 und 2013 wieder erholt. Die verschlossenen Gräben sollen künftig für ein besseres Wasserangebot sorgen.

Auch am Saugartenmoor wurde in den letzten anderthalb Jahren noch einmal Hand angelegt. "In Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde wollen wir dort die Wasserfläche etwas vergrößern", erzählt Heiko Müller. Ein Überlaufdamm aus Lehm verringert den Abfluss. Außerdem wurden 2013 am Moorrand stehende Bäume gefällt. Behutsam und so, dass sie nicht ins Wasser fielen. Man seilte die Bäume vor dem Fällen an und zog sie dann in den Wald.

"Das Biotop wurde dadurch nicht beeinträchtigt, nichts ist kaputt gegangen", freut sich Müller, zumal die Arbeiten durchweg von Forstlehrlingen ausgeführt wurden. Die gezielte Entnahme von Nadelbäumen am Gewässerrand soll den Eintrag von saurem Nadelstreu verringern und sich so positiv auf die Wasserqualität auswirken. Dazu kommt ein weiterer günstiger Effekt: Wo die Fichten und Kiefern bisher für Schatten sorgten, gibt es jetzt mehr Wärme und Licht für die Tiere und Pflanzen des Moores.

Das Saugartenmoor als kleine Heide-Attraktion

Nachdem im vergangenen Jahr auch noch der ins Moor reichende Steg er-neuert und einige Meter entfernt am Wanderweg Alte Acht eine hölzerne Sitzgruppe gebaut wurde, ist das Saugartenmoor zu einer kleinen Heide-Attraktion geworden. "Unser Ziel war es ja auch, das Moor mit seinen Tieren und Pflanzen für Besucher erlebbar zu machen", erläutert der Forstdirektor. Immerhin gibt es hier zahlreiche Moorpflanzen. Nicht nur den Rundblättrigen Sonnentau und das Schmalblättrige Wollgras. Auch der Kleine Wasserschlauch, ebenfalls eine fleischfressende Pflanze, und die Moosbeere wachsen im Saugartenmoor. Insektenkundler haben 80 verschiedene Spinnen- und 24 Laufkäferarten gezählt und mehrere Libellenarten beobachtet. Auskunft darüber soll eine Informationstafel geben, die die untere Naturschutzbehörde noch aufstellen will.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.02.2015

Bernd Lichtenberger

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