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Mehr Kinder pro Kita: Land genehmigt nur jeden dritten Antrag in Dresden

Mehr Kinder pro Kita: Land genehmigt nur jeden dritten Antrag in Dresden

Um des Krippenmangels Herr zu werden, baut die Stadt nicht nur neue Kitas, sondern nimmt seit einiger Zeit auch in 25 Bestands-Kitas mehr Kinder als bisher auf. Allerdings hat das Landesjugendamt in vielen Fällen einen Riegel vorgeschoben: Ursprünglich wollte der Dresdner Kita-Eigenbetrieb 54 weitere Krippen- und 770 zusätzliche Kindergarten-Kinder in den Häusern nach dem Prinzip "Wir rücken zusammen" aufnehmen - genehmigt hat die Landesbehörde aber nur 28 Krippen- und 238 Kindergarten-Plätze.

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Viele Eltern fürchten sich vor einer Überfüllung der Kitas - was der Eigenbetrieb freilich vehement verneint.

Quelle: Alex Eylert (Montage)

Auch Elternvertreter warnen davor, den Bogen zu überspannen.

Eigentlich sollen die lieben Kleinen im Technikraum ihre Feinmotorik erproben. Jung-Arwin* sieht das freilich ganz anders: Er hat sich seinen Lieblings-Kindergärtner geschnappt, eine Schutzbrille über die Augen gestülpt, einen Hammer geholt und drischt nun mit Begeisterung auf einem elektronischen Etwas herum, das einst vielleicht mal ein altes Autoradio gewesen sein mag. Oder ein Rasierer. Oder eine Deckenlampe - Arwin hat bereits zu gründliche Arbeit geleistet, um dies noch sicher entscheiden zu können.

Abkehr vom Gruppenprinzip

"Natürlich ist immer ein Erzieher oder eine Erzieherin in der Nähe", betont Cornelia Wunderwald, die die Kita an der Augsburger Straße leitet. Doch das alte Gruppenprinzip von früher nach dem Motto: "Wenn, dann geht die ganze Igel-Gang in den Technikraum oder gar keiner" gelte längst nicht mehr: "Die Kinder dürfen meist selbst entscheiden, wo und mit wem sie spielen, egal, zu welcher Gruppe sie gehören", sagt Wunderwald. Das funktioniert vor allem deshalb, weil die drei Millionen Euro teure Kita in Striesen gleich von vornherein nach offenen Prinzipien konzipiert wurde: Die Gruppen-, Bastel-, Mal- und Austob-Räume sind in einer Flucht angeordnet. Fast alle Türen stehen offen und die Kindergärtnerinnen und Kindergärtner können durch Glasfenster sogar den Waschraum im Auge behalten.

"13 mehr Kinder vertun sich"

Und dadurch hocken auch in kaum einem Zimmer mehr als ein Dutzend Kinder beieinander, kommt - zumindest auf den ersten Blick für den Besucher - nicht der Eindruck von Überfüllung auf. Obwohl die Kita an der Augsburger Straße zu jenen gehört, in denen der Eigenbetrieb nun mehr Kinder untergebracht hat als bisher - bei nur minimalen baulichen Veränderungen. 158 Kinder betreuten die 19 Erzieherinnen und Erzieher vor der Entscheidung des Landesjugendamtes, nun sind es 171, wobei in der Praxis höchstens 80 Prozent davon auch wirklich gleichzeitig im Haus sind. "Die 13 Kinder mehr vertun sich bei unserer Hausgröße und unserem Konzept", sagt Wunderlich.

Um die vom Land vorgeschriebenen Betreuungsdichten einzuhalten (eine Erzieherin pro 13 Kindergartenkinder und eine für je sechs Krippenkinder), hat der Eigenbetrieb hier im Zuge der Kapazitätserweiterung die Wochenarbeitszeit der Frauen und Männer hochgesetzt, von 34 auf 40 Stunden. Dadurch konnte Wunderwald zum Beispiel die Personalstärke vormittags und nachmittags verdichten. Gerade bei den jüngeren Kolleginnen wie Berit Seidel ist das gut angekommen: "Viele können das zusätzliche Geld gut gebrauchen", sagt sie. Glücklich gemacht hat die Erweiterung im Bestand aber vor allem 13 Eltern, wie Wunderwald unterstreicht: "Wir haben hier in der Sprechstunde oft genug weinende Mütter gehabt, für die es existenziell ist, endlich einen Kita-Platz zu finden."

Allerdings ist in diesem Punkt die Dresdner Elternschaft gespalten, wie Markus Laessing vom Stadtelternbeirat einschätzt: "Da sind die einen, die dringend einen Kita-Platz suchen, für sie sind diese Bestandserweiterungen eine gute Sache", schätzt er ein. "Dagegen sind jene Eltern, die einen Platz haben, natürlich nicht unbedingt begeistert, wenn die Kita noch voller wird." Insofern stehe der Stadtelternbeirat diesen kleinen Stellschrauben, an denen Kita-Eigenbetriebs-Leiterin Sabine Bibas gerade dreht, weder generell ablehnend noch zustimmend gegenüber. "Wir sind für Einzelfall-Entscheidungen, bei denen immer die Kinder im Mittelpunkt stehen müssen: Fühlen sie sich noch wohl? Können sie sich noch entfalten, wenn mehr Kinder in der Kita sind?"

Elternschaft ist gespalten

Kritischer sieht das die Elterninitiative "Lernorte für Dresden": "Der sächsische Bildungsplan fordert eine individuelle Förderung der Kinder", sagt Sprecherin Claudia Franke. "Da die Gruppengröße zu erhöhen, ist kontraproduktiv." In Kitas mit offenen Konzepten möge dies angehen, in gruppenorientierten Häusern sieht sie Probleme.

So machen sich jetzt nicht wenige Eltern Sorgen, dass ihre Kleinen fortan im Flur spielen müssen. Und tatsächlich sieht man auch in der Kita an der "Augsburger" Mädchen und Jungen, die sich im Entree in einer Sitzecke etwas vorlesen lassen. Allerdings sind andere - und zwar attraktiv mit Spielzeug gerüstete - Räume zur gleichen Zeit leer, was daraufhin deutet: Im konkreten Fall haben sich die Kleinen selbst für die Sitzecke am Flur entschieden. Auch betont Kita-Betriebschefin Bibas: Als sie beim Landesjugendamt eine Genehmigung für die Zusatzplätze beantragt habe, seien Flure, Keller und Treppenhäuser nicht eingerechnet worden, um die Quadratmeter-Vorgaben pro Kind einzuhalten. "Wir machen nichts Ungesetzliches", betont sie sichtlich erregt. Man merkt: Die Nerven sind in der "Überfüllungs-Debatte" auf allen Seiten angespannt.

Deshalb haben Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) und Bibas Elternvertreter für heute zu einer Aussprache ins Rathaus eingeladen, in der Hoffnung, die Wogen glätten zu können. Denn auch sie stehen unter Druck: In Dresden fehlen derzeit 1500 Krippenplätze und die meisten Eltern brauchen diese Plätze eher gestern als heute. Da sind 266 zusätzlich untergebrachte Kinder mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Platznot drängt zu neue Konzepten

Und Leiterin Wunderwald von der "Augsburger" sieht durch die zusätzlich aufgenommenen Kinder mittelfristig auch konzeptionelle Impulse für die Dresdner Kitas": "Das könnte in vielen Kitas eine Diskussion über offenere Raum- und Gruppenkonzepte anstoßen." Den Kinder gefällt die Abkehr vom Gruppenzwang offensichtlich: Statt im Pulk zu basteln, schnippelt ein Mädchen aus der Gruppe an einer Krone, ein anderes vertieft sich in ein Mandala, der kleine Markus* übt sich im Bügeln, während sich Tom* und Paul* in sägenbewaffnete Tischler verwandelt haben - jeder nach seinem Gusto. Ein Gefühl von Gedränge kommt nicht wirklich auf.

* Namen geändert

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.03.2013

Heiko Weckbrodt

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