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Mehr Betten für die Obdachlosen - Bedarf in Dresden um ein Drittel gestiegen

Mehr Betten für die Obdachlosen - Bedarf in Dresden um ein Drittel gestiegen

Weil mehr und mehr wohnungslose Dresdner ein städtisches Obdach brauchen, plant die Stadt, das Obdachlosenheim am Emerich-Ambros-Ufer zu erweitern. Dort sollen Bauarbeiter im Rathaus-Auftrag ein heruntergekommenes Gartenhaus neben dem Heim abreißen und durch einen Neubau mit 17 zusätzlichen Obdachlosen-Plätzen ersetzen.

Damit könnte das Heim dann insgesamt 49 Menschen ohne Wohnung beherbergen - darunter auch zwei Obdachlose mit Hund, die anderswo wegen ihres vierbeinigen Begleiters oft Probleme haben, einen Unterschlupf zu finden. Der neue Eingeschosser soll rund 470000 Euro kosten und im Lauf dieses Jahres fertig werden. Am Donnerstag entscheidet der Stadtrat über das Projekt.

Viele tauchen nie in Heimen auf

Derzeit leben laut städtischer Zählung im Schnitt 265 Dresdner im Obdachlosenheimen - fast ein Drittel mehr als noch vor vier Jahren. Die Altersspanne reiche dabei von jungen Menschen um die 18 Jahre bis ins hohe Alter mit zirka 70 Jahren, teilte der Geschäftsbereich Soziales mit. Einige haben sich aus eigenem Entschluss für ein Leben ohne eigene Wohnung entschieden, viele indes haben durch Mietschulden und andere Probleme unfreiwillig ihr Zuhause verloren. Nicht eingerechnet sind hier Obdachlose, die fast ständig auf der Straße leben und kein Heim aufsuchen.

Warum es Jahr für Jahr mehr Obdachlose in Dresden gibt, ist umstritten: Einerseits dürfte dafür der Bevölkerungszuwachs in der Stadt verantwortlich sein, andererseits auch die Verknappung am Wohnungsmarkt und steigende Mieten. "Die Vermieter - inklusive der Gagfah - ziehen Räumungsklagen inzwischen viel stringenter durch als früher", nennt Grünen-Stadtrat Jens Hoffsommer, der auch im Sozialausschuss sitzt, einen Treiber.

Ärmste trifft es zuerst

Und wer einmal rausgeflogen ist oder auch "nur" Mietschulden angehäuft hat, hat es heute schwerer als noch vor zwei, drei Jahren, eine neue Wohnung zu bekommen, hat Benno Schebiella von der AWO-Schuldenberatung beobachtet: Viele Vermieter holen sich inzwischen Auskünfte von der Schulden-Registrierungsstelle Schufa und von Vor-Vermietern ein, bevor sie einen neuen Mieter einziehen lassen. Da genügen selbst schon ein paar Versandhaus-Schulden zuviel, damit die Schufa dem Mietkandidaten eine negative Bonität ausstellt. "Der angespanntere Wohnungsmarkt trifft die Ärmsten zuerst", meint Schebiella. Allein im vergangenen Jahr mussten die fünf freien Schuldenberatungsstellen in Dresden rund 560 Dresdner wegen solcher und anderer Mietschulden-Probleme beraten.

Derweil sind auch die Bettenkapazitäten in den städtischen Obdachlosenheimen gewachsen. Gab es in diesen Heimen im Jahr 2009 etwa 230 Betten, sind es in diesem Jahr 278. Dabei versucht die Stadt, differenzierte Unterkünfte anzubieten, zum Beispiel wohnungsähnliche Strukturen für Familien, die auf der Straße gelandet sind oder eben Heime, in die Obdachlose mit Hunden kommen können. So sollen am Heim am Ambros-Ufer auch zwei Hundeboxen aufgestellt werden. Das mag banal klingen, hat aber gute Gründe: Frühere Versuche, in dicht besiedelten Wohngegenden Heime zu etablieren, in denen auch Hunde einkehren, stießen oft auf Anwohnerproteste.

Doch wieder alte Konzepte

Gerade aber die Idee, für unfreiwillig obdachlos gewordene Familien "Bereitschaftswohnungen" einzurichten, in denen sie wieder auf ein Leben in eigenen vier Wänden vorbereitet werden, ist bisher weitgehend im Ansatz stecken geblieben - obwohl die Verwaltung dies in ihrem jüngsten Obdachlosen-Konzept selbst vorgeschlagen hatte (DNN berichteten). Die jetzt avisierte Heim-Erweiterung am Ambros-Ufer zum Beispiel wird aus einem Topf bezahlt, der eigentlich vorgesehen war, solche Obdachlosen-Wohnungen an der Buchenstraße einzurichten. Das Projekt erwies sich aus Verwaltungssicht als zu teuer und letztlich wurde das Haus an der Buchenstraße für Asylbewerber hergerichtet - die ebenfalls in wachsendem Maße in Dresden ankommen. "Unterm Strich baut die Stadt deshalb nun doch wieder klassische Heime und setzt auf alte Konzepte", kritisiert Stadtrat Hoffsommer.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.04.2013

Heiko Weckbrodt

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