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Maxi Kowalke fertigt Perücken für Menschen mit Haarausfall und veranstaltete den 1. Haarspendetag

Maxi Kowalke fertigt Perücken für Menschen mit Haarausfall und veranstaltete den 1. Haarspendetag

Mit ruhiger Hand zieht Maxi Kowalke Strähne für Strähne die Haare durch ein Haarnetz, zieht kleine Schlaufen und verknotet die feine Haarsträhne mit einem winzigen Haken.

"Das ist mühsamste Feinarbeit", so die 31-Jährige. "Länger als drei bis vier Stunden am Tag kann man das nicht machen." Sie ist Perückenmacherin, verhilft Menschen zu einem Haarersatz und gibt ihnen ein Stück Normalität für den Alltag zurück. Ihre Kunden sind Krebspatienten sowie Frauen, die aus krankheits- oder altersbedingten Gründen einen Haarersatz benötigen. Am vergangenen Sonnabend hat Frau Kowalke zusammen mit einer Kollegin den ersten Dresdner Haarspendetag veranstaltet.

Wenn die Haare ausfallen

Keinem Teil des Körpers wird so viel sowohl ästhetische als auch kulturelle Aufmerksamkeit geschenkt - nicht zuletzt gilt die Frisur eines Menschen auch als Statussymbol. Vor allem Frauen leiden, wenn die Haare nach einer Schwangerschaft oder Chemotherapie ausfallen. Solchen Fällen widmet sich Maxi Kowalke. Seit Herbst vergangenen Jahres betreibt die 31-Jährige die Haarwerkstatt Capilli in Dresden-Plauen. Zuvor arbeitete die studierte Maskenbildnerin sechs Jahre an der Oper in Norwegens Hauptstadt Oslo. "Das wichtigste dabei war, gemeinsam mit den Darstellern Charaktere zu erschaffen. Das Haar und die Frisur spielen dabei eine bedeutende Rolle, weil sie wortlos viel über den Träger erzählen", sagt sie.

30 Stunden für eine Perücke

Zu ihrem Kundenstamm zählen hauptsächlich Frauen. "Alle, die zu mir kommen, sind total happy und fragen, wieso sie mich nicht schon früher gefunden haben", so Kowalke. "Bei Frauen ist das immer ein schwieriges Thema, da ist es weniger akzeptiert, wenn man keine Haare mehr hat." Mehr als 30 Stunden Arbeit stecken in einer von Kowalkes handgeknüpften Perücken - was den stolzen Preis von etwa 2000 Euro pro Stück mit sich bringt. Die Perücken fertigt sie nach den Wünschen ihrer Kunden an. "Die meisten wissen ganz genau, was sie wollen", erzählt die junge Frau. "Auch wenn der Verlust schmerzt, kann es wirklich viel Spaß mit den Kunden machen, Perücken in den verschiedensten Farben und Längen anzuprobieren." Ihr "Arbeitsmaterial" kauft sie im Großhandel Fischbach+Miller, einer der größten europäischen Firmen auf dem Gebiet der Echthaarveredelung, die bereits seit den frühen 1950er Jahren Nackenknoten, Zöpfe, Haarteile und Modeperücken herstellt. Woher das Haar kommt, ist durchaus von Bedeutung: chinesisches und indisches Haar ist am billigsten. Während bekannt ist, dass indische Frauen ihre Haarpracht den Göttern als Opfergaben übergeben, weiß man über die Herkunft des chinesischen Materials noch recht wenig. Gerüchten zufolge stammt das Haar von chinesischen Gefängnisinsassen. "Es hat schon immer einen komischen Beigeschmack, wenn man das indische Haar in der Hand hält, aber die Klöster finanzieren sich dort größtenteils durch solche Tempelgaben", erzählt die Maskenbildnerin. Je weiter man nach Europa vorrückt, desto teurer wird auch das Haar - die europäischen Strähnen sind ein kostspieliges Gut. Das liegt nicht zuletzt daran, dass abgeschnittene Haare in Friseurläden ein Fall für die Mülltonne sind. "Das ist schon ein Drama", findet Kowalke.

Haarspenden erwünscht

Zusammen mit ihrer Kollegin Evelyna Schubert vom "Lamettanest" veranstaltete Maxi Kowalke genau deshalb am vergangenen Wochenende den ersten Dresdner Haarspendetag. Neu ist die Idee nicht, in Dresden aber bisher einzigartig. Bereits abgeschnittene Zöpfe werden auch gerne entgegengenommen. Das Haar wird zu Perücken und Haarteilen verarbeitet. Das Material muss in diesem Fall nicht bezahlt werden, was für viele Betroffene schon mal eine kleine Hilfe darstellt. Insgesamt 25 Frauen haben beim Spendetag Haare gelassen. "Wir haben auch mehrere Zöpfe per Post bekommen", freut sich die 31-Jährige. Wer spenden möchte, kann Maxi Kowalke oder Evelyna Schubert einen Besuch abstatten. Spender sollten sich allerdings von mindestens 20 Zentimetern ihrer Haarlänge trennen.

Capilli Haarwerkstatt, Chemnitzer Straße 121 www.capillie-haarwerkstatt.de Lamettanest, Buchenstraße 16a www.mettanest.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.06.2015

Juliane Weigt

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