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Markus Deckert wird neuer Pfarrer in Dresden-Loschwitz

Markus Deckert wird neuer Pfarrer in Dresden-Loschwitz

Sein Weg zum Pfarrerberuf habe immer durch zwei Schulen geführt, sagt Markus Deckert: die der Universitäten und die der Begegnungen mit Menschen. Aus einer dörflichen Großgemeinde nördlich von Leipzig wechselt der 45-Jährige, verheiratet mit einer Architektin und Vater dreier Söhne, jetzt nach Dresden.

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Markus Deckert ist der neue Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz, in der Kirche am Elbhang. Er will auch auf Menschen außerhalb der Kirche zugehen.

Quelle: Dietrich Flechtner

An diesem Sonntag führt ihn Christian Behr, Superintendent des Kirchenbezirks Dresden Mitte, in einem Gottesdienst in sein neues Amt als Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz ein.

Zu den ersten Dingen, die er von seinem Vorgänger Dietmar Selunka übernommen hat, der vergangenes Jahr im Oktober in den Ruhestand trat, gehört ein Generalschlüssel. "Den muss ich nun ausprobieren, also Türen öffnen, eine nach der anderen." Markus Deckert veranschaulicht Situationen gern in Gleichnissen und Bildern. Zum Aufschließen zum Beispiel gehören die ersten Gespräche mit Eltern, die ihre Kinder taufen lassen möchten. Auch zwei Gottesdienste hat er bereits geleitet. Zunächst will er vor allem Kontakte knüpfen, sehen, wo die Gemeinde steht. Auf keinen Fall eine fertige Programmatik präsentieren.

Was jedoch nicht bedeutet, dass er ganz ohne Vorstellungen kommt. Geprägt worden sind die zuletzt durch seine Erfahrungen auf dem Land bei Leipzig, einer Region, wo die Säkularisation besonders stark ist, Protestanten weit verstreut in sehr kleinen Gemeinden leben. Plaußig, wo er im Pfarrhaus wohnte, seit 1996 mit Portitz Stadtteil von Leipzig, hat rund 700 Einwohner, von denen etwa 150 evangelisch sind. Als er 1997 dort Pfarrer wurde, hatte er acht Dörfer zu betreuen, sieben von ihnen mit einer Kirche. Beim ersten Besuch dort habe er erst mal tief durchatmen müssen. Der Kontrast war beträchtlich. Zuvor war er zwei Jahre Vikar in Leipziger Großstadtgemeinden gewesen.

"Meine Aufgabe war, ein komplexes Gebilde in einem mühsamen Fusionsprozess zu einer Gemeinde zu machen." Er erhebt sich von der Kirchenbank, stellt sich mit weit gegrätschten Beinen hin. "Das war ein Spagat zwischen verschieden geprägten Orten. Aber es waren allein nicht lebensfähige Kleingemeinden." Kein leichter Weg, das so zu gestalten, dass sich die Menschen mitgenommen wissen. "Denn Strukturveränderungen haben nur ihren Wert, wenn sich Menschen mit dem Entstandenen identifizieren können."

Zunächst hatte seine Gemeinde nicht einmal einen eigenen Kantor. Erst ein Ruheständler half auf Honorarbasis aus. Der freilich war immerhin Kirchenmusikdirektor. In Loschwitz findet Markus Deckert eine ausgeprägte und anspruchsvolle Kirchenmusik mit regelmäßigen Konzerten vor.

Sinn für die Musik bringt er aus Kindheit und Jugend mit. Als ältester von vier Söhnen eines Pfarrers 1967 in Dresden geboren und im osterzgebirgischen Ruppendorf aufgewachsen, schickten ihn seine Eltern mit der 4. Klasse in den Dresdner Kreuzchor. Die geistliche Chormusik habe ihm vieles aufgeschlossen, erinnert sich Markus Deckert. In der Abiturstufe entschloss er sich, Pfarrer zu werden. "Die Theologie wurde für mich zu einer Tür ins Weite hinein."

Nach anderthalb Jahren als Bausoldat in Prora - den Wehrdienst mit der Waffe hatte er abgelehnt - begann er, an der Leipziger Universität zu studieren. Vor allem Kirchengeschichte habe ihn zunächst interessiert.

Nach zwei Jahren riss der Herbst 1989 die Mauern ein. Und Markus Deckert nutzte die neuen Möglichkeiten, seinen Horizont zu erweitern: Er wurde für ein Semester Gasthörer am katholischen Priesterseminar in Erfurt, ging für drei Semester an die traditionsreiche theologische Fakultät nach Marburg, dann für zwei Semester nach Zürich. Neben den Besonderheiten der reformierten Kirche lernte er Professoren kennen, die in einem Kurs interessierte Laien theologisch so ausbildeten, dass sie in ihren Gemeinden als mündige Christen wirken konnten. "Dort hat mich die Frage beschäftigt, wie Menschen zum Glauben kommen. Ist es eine Sache des Kopfes? Oder des Herzens? Sicher beides. Aber wie geht das zusammen? Nicht nur auf Bildung kommt es an, auch auf Spiritualität."

Einen weiten Horizont haben ihm auch seinen Reisen vermittelt. Schon als Abiturient ins rumänische Fagaras-Gebirge oder auf den Elbrus im Kaukasus "unerkannt durch Freundesland". In der Marburger Zeit war er in Indien.

Zwischen Marburg und Leipzig sei er oft getrampt. Habe mit Pendlern aus Thüringen gesprochen, die zur Arbeit nach Hessen fuhren oder mit Aufbauhelfern, die aus dem Westen kamen. "Diese Gespräche mit Unbekannten waren so etwas wie meine Universität am Wegesrand." Er erinnert sich auch an die Begegnungen in seiner Zeit als Hilfs-Tischler zu DDR-Zeiten, später als jobbender Student in einer kleinen Firma für Elektroteile in Stuttgart. Offene Dispute seien das gewesen, auch über gewichtige Fragen: "Wovon lebst du? Was sind deine Ziele?"

Jene, die außerhalb der Gemeinden stehen, möchte er als Pfarrer in Loschwitz nicht aus dem Auge verlieren. "Ich würde gern auch auf Menschen zugehen, die aus der Distanz auf die Kirche schauen. Die Suche nach Zielen im Leben ist bei vielen zu spüren. Aber nur wenige wissen, dass in dieser Hinsicht in der Kirche ein Schatz zu entdecken ist." Tomas Gärtner

Amtseinführung: in Gottesdienst Sonntag, 2. September, 14.30 Uhr, Kirche Loschwitz (Pillnitzer Landstr. 9) durch Superintendent Christian Behr (Kirchenbezirk Dresden Mitte)

Biografie Markus Deckert: 1967 geboren als ältester von vier Söhnen in Dresden; Vater Joachim Deckert evangelischer Pfarrer in Ruppendorf, Mutter Apothekerin; aufgewachsen in Ruppendorf; 1976 Kruzianer und Kreuzschüler in Dresden; 1985 Abitur; Hilfstischler, Nachtpostsortierer; 1985-1987 Bausoldat in Prora; 1987-1995 Studium evangelische Theologie an der Universität Leipzig, in Erfurt, Marburg, Zürich; ehrenamtliche Mitarbeit bei Bahnhofsmission Leipzig; 1995-1997 Vikariat in Leipzig (Marienbrunn und Kleinzschocher); 1997 Pfarrvikar, später Pfarrer in Plaußig und Hohenhaida; verheiratet (Frau Architektin), drei Söhne (11, 8, jüngster geb. im Juni)

Gemeinde: selbstständig seit 1704, heute fast 1700 Mitglieder (2001 etwa 1400); konstant ca. 100 Gottesdienstbesucher; gründeten 2004 Stiftung, um nach Reduzierung volle Pfarrstelle, Kantor und Gemeindepädagoge und damit Selbstständigkeit der Gemeinde auf Dauer zu sichern; inzwischen rund 425 000 Euro Stiftungskapital (zur vollen Finanzierung von 25 Prozent Stellenanteil 600 000 Euro nötig); Gemeinde mit hohem Aufkommen an Kirchgeld (freiwillige Abgabe an Gemeinde, 2011 zahlten die 66 Prozent der Mitglieder)

Kirche: 1704 Entwurf der Kirche im Barockstil von Ratsmaurermeister Johann Christian Fehre und Ratszimmermeister George Bähr; 1705 Grundsteinlegung im ratseigenen Materni-Weinberg, 2,5 Meter über Straßenniveau (hochwassersicher); Weihe am 3. August 1708 (Namenstag von Kurfürst August dem Starken); 1945 nach Bombenangriff ausgebrannt; 1978 unter Denkmalschutz; Gemeinde beschließt Wiederaufbau gegen Veto des Landeskirchenamtes; 1991-1994 Wiederaufbau; 2002 setzen Restaura- toren sechs Meter hohen, aus Sophienkirche stammenden Altar (1606) von Giovanni Maria Nosseni (1544-1620, italienischer Hauptmeister des Manie- rismus) aus fast 400 Bruchstücken zusammen, Weihe am 6. Oktober 2002

www.loschwitzer-kirche.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.09.2012

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