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Markantes Merkmal Hautfarbe - Eine junge Studentin spricht über ihre Erfahrungen in Dresden

Markantes Merkmal Hautfarbe - Eine junge Studentin spricht über ihre Erfahrungen in Dresden

Jeder hat andere Erinnerungen an seine Kindheit. Wie man das erste Mal Fahrrad gefahren ist, gestürzt ist und sich wieder aufgerappelt hat. Oder an das Essen von Oma.

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Sophia fällt in Dresden oft auf - und daran ist nicht nur ihr Haarschnitt schuld.

Quelle: CAROLA FRITZSCHE

Sophia weiß noch, wie ihre Mutter auf der Straße gefragt wurde, ob sie ein Kind aus Afrika adoptiert habe oder wie der Arzt wissen wollte, ob das Mädchen denn auch deutsch spreche.

Sophia ist in Bonn geboren, hat dort Abitur gemacht und studiert seit drei Semestern in Dresden an der TU Politikwissenschaft. Sie ist Deutsche, in ihrem Pass steht das so und genauso fühlt sie sich auch. Ein "aber" schwingt trotzdem immer mit. Denn Sophias Vater kommt aus Kamerun. Er beantragte Ende der Achtzigerjahre Asyl in Deutschland, lernte Deutsch, Sophias Mutter kennen, und die Geschichte begann.

"Wenn ich durch die Uni gehe, falle ich unweigerlich auf. Das ist einfach so. Außer mir ist hier keiner schwarz", sagt die 22-jährige Sophia Ayissi Nsegue. Sie fühlt sich nicht ausgeschlossen oder abgegrenzt, aber dass sie ein markantes Merkmal, nämlich ihre Hautfarbe, von ihren Kommilitonen unterscheidet, kann auch niemand leugnen. "Zuhause in Bonn ziehe ich nicht so viele Blicke auf mich, dort hat gefühlt fast jeder einen Migrationshintergrund", sagt sie und hat trotzdem noch ein paar Anekdoten auf Lager: "In der Schule musste ich auf Klassenfotos immer in der ersten Reihe stehen. Damit auch jeder sehen kann, wie multikulturell alle sind. Am schlimmsten war für mich aber, dass mir als Kind ständig jemand in die Haare fassen wollte! Zum Glück hat das mittlerweile aufgehört."

Dass sie in manchen Ecken Ostdeutschlands nicht nur auffällt, sondern die Toleranzgrenze für ein bisschen Anderssein unerträglich niedrig liegt, musste Sophia in ihren ersten Monaten in Dresden erfahren: "Bis vor einem Jahr habe ich noch in Löbtau gewohnt. Ich hatte das Gefühl, dass dort viele Rechte leben. Einmal wartete ich abends an der Bahnhaltestelle, als sich zwei Typen neben mich stellten, nichts sagten aber dafür auf ihrem Handy Musik mit ausländerfeindlichem Inhalt anmachten - ich bin dann zu Fuß nach Hause gegangen. Eine Straßenbahn wollte ich mir ungern mit ihnen teilen. Das hat meinen ersten Eindruck von Dresden arg geschmälert", sagt sie und versucht das Lächeln dabei nicht zu verlieren. Als Konsequenz aus Erfahrungen wie dieser zog Sophia in die Neustadt um. Dort habe solche Probleme bisher nicht.

"Ich habe zum Glück noch keine schwerwiegenden Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Trotzdem merke ich, dass ich anders wahrgenommen werde, auch wenn es von den Betreffenden überhaupt nicht böse gemeint ist", sagt sie. Einmal sprach sie ein älterer Herr an und lobte, wie gut sie Deutsch könne. "Das war wirklich daneben. Egal, ob er nur nett sein wollte, so ein Kommentar ist total unreflektiert."

Abgesehen von solchen Aufregern, legt sie Wert darauf, sich nicht zu sehr den Kopf über dieses Thema zu zerbrechen. Der einzige Stolperstein ist ihr Nachname, den muss sie andauernd buchstabieren. Und der ist auch die Hauptverbindung zu ihren Verwandten in Kamerun. Bisher hat sie ihre Großeltern und den Rest der Familie in Zentralafrika nur vier mal besucht. "Lange war das für mich gar kein Thema. Ich bin Deutsche und fertig! Was soll ich dort?, dachte ich. Mittlerweile habe ich größeres Interesse entwickelt. Neben Französisch sprechen sie dort Ewondo, das versuche ich jetzt auch zu lernen." In den kommenden Sommerferien will sie das nächste Mal nach Kamerun reisen. Annäherung an eine fremde Kultur, zu der sie theoretisch zur Hälfte gehört. Wofür ihr Herz in Wahrheit schlägt, das sieht man Sophia auf den ersten Blick nicht an.

Christina Heiduck

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.02.2013

Christina Heiduck

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