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Manufaktur Lang & Heyne baut Uhren für den Kenner

Manufaktur Lang & Heyne baut Uhren für den Kenner

Auf seiner Visitenkarte steht erst Uhrmachermeister. Geschäftsführer als zweites. Das ist Programm. "Ich fühle mich weniger als Unternehmer, sondern mehr als Künstler", sagt Marco Lang, Chef der Uhrenmanufaktur Lang & Heyne.

Von Thomas Baumann-hartwig

Im selben Atemzug bedauert er es, mehr über den Büchern sitzen zu müssen als an der Werkbank. "Im Moment komme ich nicht mehr dazu, selbst mit an den Uhren zu schrauben. Ich muss mich auf mein Team verlassen. Und das kann ich auch!"

Zehn Beschäftigte fertigen in einer Villa in einer kleinen Nebenstraße der Bautzner Straße in Bühlau edelste Armbanduhren. "Wir stellen 30 Stück im Jahr her. Dieses Jahr werden es vielleicht 40", sagt der 40-Jährige, der das "Uhrmacher-Gen" in sich trägt: Schon seine Ururgroßeltern - auch die Urgroßmutter - waren Uhrmachermeister. Sein Vater arbeitete jahrelang als Restaurator des Mathematisch-Physikalischen Salons im Zwinger. "Das war eine Art Abenteuerspielplatz für mich. Dort habe ich diese Ehrfurcht erworben vor den komplizierten Uhrwerken."

Marco Lang ließ sich zuerst in Glashütte zum Mechaniker ausbilden. Als die Wende kam, war er im dritten Lehrjahr und die Welt voller Möglichkeiten. Er absolvierte im Anschluss eine handwerkliche Uhrmacherlehre, machte sich selbstständig, eröffnete in der Inneren Neustadt von Dresden ein Geschäft für historische Uhren. Für einen Künstler wie Lang war das nicht genug - gemeinsam mit Mirco Heyne gründete er 2001 die gleichnamige Manufaktur. 2002 nahmen die frischgebackenen Jungunternehmer mit ihrem ersten Prototyp auf der wichtigsten Uhrenmesse in Basel teil. Der Markt habe überaus positiv reagiert, sagt Lang, es habe sehr viele Bestellungen gegeben.

Seitdem baut Lang feine Uhren in Dresden, ausdrücklich nicht in Glashütte. "Ich wollte nicht in die Kleinstadt. Für unsere Philosophie ist die Kunst- und Kulturstadt Dresden genau richtig", sagt der Uhrmachermeister.

In der Villa, die ihm, seiner Frau Ina und seinen vier Kindern auch als Wohnhaus dient, sieht es nicht wie in einem Produktionsbetrieb aus. Sondern wie in der guten Stube mit Parkettböden, alten Möbeln, Bildern an den Wänden. Hier wird Handwerk zelebriert - mehr als 90 Prozent der Teile für die Uhren stellt die Manufaktur selbst her. "Für jedes Einzelteil nehmen wir uns oft weit mehr Zeit als unsere Kollegen", erklärt Lang. "Das Resultat sieht meist nur der eingefleischte Uhrenliebhaber - und wir natürlich!"

Lang sieht seine Manufaktur in einer Nische und empfindet sich nicht als Konkurrenz zu den großen Glashütter Luxusherstellern. "Wir sind eine unabhängige Marke. Zu uns kommen die Kunden meist erst, wenn sie schon ein paar Uhren der großen Luxusmarken ihr Eigen nennen." Lange Zeit sei das Unternehmen in den USA oder Japan bekannter gewesen als in Deutschland. Das habe sich gewandelt. Mittlerweile seien auch deutsche Uhrenliebhaber auf der Suche nach Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit.

Lang könnte wesentlich mehr Uhren bauen als die 30 bis 40 Stück, die es heute im Jahr sind. "Es ist alles gut so, wie es ist", lächelt er. Er will seine Möglichkeiten nicht kommerziell ausreizen, sagt er, er will sich seinen künstlerischen Anspruch erhalten. "Das geht nur, wenn ich kleine Serien baue. Wir erfreuen uns daran, wenn eine Uhr fertig wird. Und wir freuen uns, wenn die Kunden den gleichen Anspruch und Geschmack haben wie wir."

Mitarbeiter stelle er nicht nur nach ihren uhrmacherischen Fähigkeiten ein. Vor allem die "weichen" Faktoren müssten passen, meint der 40-Jährige. Es komme nicht so sehr auf das Tempo an. Sondern darauf, die Philosophie des Hauses zu teilen. Und auch zu akzeptieren, dass es Tage gibt, an denen nicht viel geht, wie Matthias Köhler sagt. Er ist als selbstständiger Graveurmeister der Künstler in der Bühlauer Villa, von dem der Chef mit höchstem Respekt spricht. Unter dem Mikroskop bearbeitet Köhler mit ruhiger Hand Zeiger oder Unruhkloben. "Genial", sagt Lang, der mit Alexander Klar auch einen Bundessieger bei den Uhrmachermeistern beschäftigt.

Lang bildet Lehrlinge aus und behält sie meist in der Manufaktur. Es gebe auch genügend Bewerbungen von außerhalb - eine Zeit bei Lang & Heyne sei ein guter Eintrag in der Vita und öffne die Türen von großen Unternehmen. Dass auch bei Lang & Heyne gute Leute nicht immer zu halten sind, weiß Lang auch aus eigener Erfahrung. Manchmal lockt die Schweiz mit interessanten Angeboten. Manchmal kommt auch die Babyzeit dazwischen, wie bei Kirsten Pyka, bei der es in den nächsten Wochen soweit sein wird. "Sie ist schwer zu ersetzen. Das ist natürlich schon ein Problem für alle", sagt der Chef.

Ein paar Uhren habe er bisher an Sachsen verkauft. Die meisten seien ins Ausland wie zum Beispiel Japan, USA und China oder auch ins westliche Deutschland gegangen. "Wir sorgen ein bisschen dafür, dass das Geld zurück in den Freistaat kommt", sagt der Unternehmer und lächelt spitzbübisch.

Die Dresdner Neuesten Nachrichten verleihen mit dem Wirtschaftsministerium, der Ostsächsischen Sparkasse, der Handwerkskammer sowie der Industrie- und Handelskammer den Wirtschaftspreis "So geht's aufwärts" für besonders pfiffige und erfolgreiche Unternehmer. Die zehn Nominierten stellen wir im Sommer vor. Diesmal haben wir die kleine, aber feine Uhrenmanufaktur Lang & Heyne besucht, die sich Kleinserien erlesener Uhren international einen guten Ruf erarbeitet hat. Dabei kauft das Unternehmen kaum zu: 90 Prozent der Wertschöpfungskette sind in Dresden verankert.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.08.2012

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