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„Manchmal bemerke ich auch böse Blicke“

Kopftuch-Debatte „Manchmal bemerke ich auch böse Blicke“

Das Kopftuch steht seit Jahren immer wieder im Zentrum gesellschaftlicher Debatten und sieht sich nicht zuletzt dem Vorwurf ausgesetzt, ein Symbol der Unterdrückung der Frauen zu sein. DNN.de hat mit zwei jungen Dresdner Frauen – eine Muslima und eine Nonne – über ihre religiöse Kopfbedeckung gesprochen.

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Nurul Fatimah Khasbulla und Schwester Aurelia

Quelle: Hauke Heuer

Dresden. Das Kopftuch steht seit Jahren immer wieder im Zentrum gesellschaftlicher Debatten und sieht sich nicht zuletzt dem Vorwurf ausgesetzt, ein Symbol der Unterdrückung der Frauen zu sein. DNN.de hat mit zwei jungen Dresdner Frauen – eine Muslima und eine Nonne – über ihre religiöse Kopfbedeckung gesprochen.

Nurul Fatimah Khasbullah

Nurul Fatimah Khasbullah

Quelle: Hauke Heuer

Nurul Fatimah Khasbullah (26), Marwa El-Sherbini Stipendiatin

Ich bin vor drei Jahren nach Deutschland gekommen, um meinen Master in Wirtschaftsrecht zu machen. Ich interessiere mich sehr für Jura. Die Rechtswissenschaften geben uns die Möglichkeit, die Gesellschaft aktiv zu verändern.

Obwohl ich ein sehr freiheitsliebender Mensch bin und mich für die Rechte von Frauen einsetze, trage ich Kopftuch – das ist für mich kein Widerspruch.

Ich habe mich mit 15 Jahren nach reiflicher Überlegung für diesen Schritt entschieden. Ich glaube an Gott und daran, dass alle Menschen mit ihm in einer Einheit leben. Das möchte ich mit dem Kopftuch zeigen – es ist ein Stück meiner Identität. In jedem Fall hat mich niemand gezwungen, das Kopftuch zu tragen und es bestand auch kein gesellschaftlicher Druck. Die meisten meiner Freundinnen in Indonesien bedecken ihre Haare nicht.

In Deutschland musste ich mich zunächst daran gewöhnen, dass ich auf der Straße auffalle und die Leute gucken. In Dresden ist das noch schlimmer als in Münster, wo ich zuerst gewohnt habe. Manchmal bemerke ich auch böse Blicke. Dann schaue ich ebenso böse zurück. Es ist mein Recht, mein Kopftuch zu tragen.

Ich würde mir wünschen, dass die Menschen in Deutschland weniger Vorurteile gegenüber Frauen mit Kopftuch haben. Ich bin weder fanatisch, noch eine Terroristin oder werde in meiner Freiheit eingeschränkt. Ich kann nach Deutschland kommen, hier studieren und meine eigenen Entscheidungen treffen.

Schwester Aurelia

Schwester Aurelia

Quelle: Hauke Heuer

Schwester Aurelia (38), Nonne im Krankenhaus St. Joseph Stift,

Ich komme aus Polen und habe bis vor fünf Jahren als Kosmetikerin in Berlin gelebt. In meinen Jugendjahren hatte ich den Kontakt zu Gott verloren. Das hat sich erst viele Jahre später geändert, als ich nach dem Sinn in meinem Leben gesucht habe. Der Tod meines Lebensgefährten, der einem Verbrechen zum Opfer fiel, war eine einschneidende Erfahrung. Danach habe ich mich immer mehr von Gott berufen gefühlt und bin meiner Kongregation beigetreten.

Das Kopftuch zu tragen, gehört für mich einfach dazu. In Bezug auf die Bibel sprechen wir von der „Waffenrüstung Gottes“ und meinen die gesamte Glaubenstracht – den Habit – den wir morgens anlegen. Dabei sprechen wir ein Gebet.

Ich habe auf der Straße oft das Gefühl, dass mich die Menschen nicht einordnen können. Ich glaube ich werde oft für eine Muslima gehalten. Die Religion ist heute in Deutschland nicht mehr so verwurzelt wie noch vor einigen Jahrzehnten. Ein Leben für Gott zu führen ist heutzutage sehr unüblich. Was man alleine daran sieht, dass ich mit meinen 38 Jahren die jüngste Schwester der gesamten Kongregation mit rund 200 Mitgliedern bin. Dennoch ist mein Kopftuch für mich etwas Selbstverständliches und nicht zuletzt ein öffentliches Bekenntnis zu Gott, das jeder sehen kann.

Von hh

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