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Malerei, Collagen und Zeichnungen von Woldemar Winkler in der Galerie Mitte in Dresden

Malerei, Collagen und Zeichnungen von Woldemar Winkler in der Galerie Mitte in Dresden

Die sechste Ausstellung mit Werken des Malers Woldemar Winkler in der Galerie Mitte, diesmal anlässlich seines 110. Geburtstages in diesem Jahr, steht unter der Verantwortung des Neuen Sächsischen Kunstvereins.

2002 ernannte ihn der Verein zum Ehrenmitglied. In einem Überblick über alle Schaffensperioden werden Werke des Künstlers aus seinem Nachlass, dem "Atelier Winkler" und der Woldemar Winkler Stiftung Gütersloh gezeigt. Zusammengefasst sind sie unter dem Titel "Phantasmagorien" zu sehen.

Typisch für Winklers Bilder sind die skurrilen Bildbezeichnungen mit teils neu formulierten Wendungen, die oft kaum oder keine Kommentare zum Inhalt des Kunstwerkes darstellen. Eher sollen sie als Anregung dienen, die Betrachtung intensiver zu betreiben und sie als Weg nach innen zu erleben. Winkler kommt es auf das Dahinter an, das in seinen Bildern versteckt ist, das Unbewusste und Unbekannte in uns selbst, die kryptischen Labyrinthe verschiedener Bewusstseinsschichten und die in uns immer wieder beschäftigende Frage nach dem Sinn. Ob als Malerei, Aquarell, Collage, Assemblage oder Zeichnung: Immer wieder verschlingen sich in ihnen bekannte und vertraute Formen mit Fantasiegebilden zu einem inneren Kosmos wirklicher und fremder Dinge, die aus einem Panoptikum von magischen Symbolen und Zeichen, Zitaten und Selbstzitaten bestehen, die, zum Kanon verdichtet, Bild für Bild wiederkehren und sie begleiten.

In der Kommunikation von Zeichen und Figur erfahren die meisten Bilder jene tänzerische Leichtigkeit, die in einem Rhythmus von Flächen- und Linienspiel schwingen, wie in der eigenartig nur in Rot gehaltenen Komposition "Jenseits aller gewöhnlichen Wahrnehmbarkeiten" (1991) als Höllentanz, Kabarett und Welttheater (im Kabinett) in einem. Winklers Aquarelle sind luftiger, wie hingehaucht, mit Lichtschwellungen in Rosa, Gelb und Grün. Sie wiederholen das Enigma der Formen, spielen mit formalen erotischen Versatzstücken in Hautweiß, darunter seltsam verschränkte Glieder, Körperteile und Phalli im Reigen der Lust. Sprichwörtlich ist Winklers Sinnlichkeit. Aus den 50ern stammen die kleinformatigen Zeichnungen, die noch sehr gegenständlich sind.

Nach der Häufigkeit der Arbeiten zu urteilen, waren die 60er bis 80er Jahre für Winkler die fruchtbarsten und wichtigsten. Damals arbeitete er vorwiegend an Collagen und Assemblagen, jenen feinen schreinartigen Bildkästen, die plastische Materialcollagen ebenso wie Malerei in sich vereinen. Darunter bühnenartige Grotesken ("Bühne des großen Scharlatans", 1968), andere mit Verspiegelungen zwischen einer in Streichholz-Geflechten eingeschriebenen Drahtfigur mit Staniolpapierfenster ("Stachelgefängnis", 1963). Versucht man Deutungen und Interpretationen von Winklers Bildern, so geht man in die Irre. Nur wenige "Eindeutigkeiten" sprechen von einer gewissen Rationalität, wie die Assemblage "Wenn sich eine Tür schließt, tut sich eine andere auf" (1987).

Im Jahr 1902 in Mügeln (heute Heidenau) geboren, besuchte Woldemar Winkler 1922-25 die Dresdner Kunstgewerbeschule. Die 20er standen unter dem Zeichen des Spätimpressionismus (Kokoschka), des Brücke-Expressionismus sowie der politisch orientierten Dresdner Sezession. Sein Lehrer und langjähriger Mentor Carl Rade ermutigte ihn zu einer neuen künstlerischen Sprache, die, auf Eigenem bauend, spielerisch mit dem Unbewussten arbeitete und der imaginativen Kunst sowie der "écriture automatique" nahestand. Dabei bezog er zunehmend Traum und Zufall in die Bildfindung ein. Im Jahr 1928 wurde er als Lehrer an die private "Akademie für Zeichnen und Malen" in Dresden durch Prof. Ernst Oskar Simonson-Castelli berufen und war nach dessen Tod von 1929-41 deren Leiter. Zur Zeit der NS-Diktatur galt sein Werk als "entartet". Winkler ging mit seiner Arbeit in die innere Emigration, zeichnete nach der Natur und widmete sich der Landschaftsdarstellung. Man zwang ihn zum Kriegsdienst in Polen und Norwegen. Beim Bombenangriff auf Dresden wurde ein Großteil seines Werkes vernichtet.

Im Jahr 1947 ging Winkler aus politischen und existentiellen Gründen nach Westdeutschland (1950 nach Gütersloh). In den 60er Jahren errang Woldemar Winkler allmählich Anerkennung "für seine dem Traum und dem Unbewussten zugetane Kunst" (Katalog). Zahlreiche Ausstellungen zeichneten ihn als einen wichtigen Vertreter der "Phantastischen Kunst" aus. Für sein Werk erhielt er 1982 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und in der Folgezeit weitere zahlreiche Ehrungen. Woldemar Winkler starb 2004 in Gütersloh 102-jährig.

bis 27. Oktober. Galerie Mitte, Striesener Str. 49. Di-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr. Tel. 0351/459 00 52. www.galerie-mitte.de

Finissage am 26. Oktober, 19.30 Uhr, mit einem Liederabend. Olga Fuhrmann (St. Petersburg) singt, am Klavier begleitet, Romanzen. Eintritt: 7 Euro.

Neuer Sächsischer Kunstverein e. V., Tel. 0351/43 82 23 13

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.10.2012

Heinz Weißflog

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