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Mahnwache in Dresden - Pfleger prangern berufliche Missstände an

Mahnwache in Dresden - Pfleger prangern berufliche Missstände an

Mit einer Mahnwache haben Pfleger am Freitag am Dr.-Külz-Ring vor einem Pflegenotstand gewarnt und auf Missstände in ihrem Beruf aufmerksam gemacht. Sie kritisierten die Arbeitsbelastung in Krankenhäusern, stationären Einrichtungen und in ambulanten Pflegediensten als vielfach unzumutbar.

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Michael Junge, Vorsitzender des Sächsischen Pflegerates, hilft bei der Mahnwache der DBfK-Referentin Susan Tauchert, die gerade in einem Alterssimulationsanzug steckt, über den Dr.-Külz-Ring.

Quelle: Stefan Schramm

Immer mehr Pfleger fühlten sich ausgebrannt und überfordert. Bis Mitternacht soll die vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) organisierte Mahnwache vorm südlichen Ausgang der Altmarkt-Galerie andauern.

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Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) gehörte zu den Organisatoren der Mahnwache.

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Um sich in die Lage von Pflegebedürftigen zu versetzen, können Passanten am Ort der Mahnwache in einen Alterssimulationsanzug schlüpfen und sich darin über die Fußgängerfurt hinüber zur Prager Straße führen lassen. Der Anzug besteht unter anderem aus schweren Gewichten, einer Brille mit milchigen Gläsern, Ohrenschützern sowie Kleidungsstücken, die die Bewegungsfreiheit einengen. "Man sieht und hört schlecht und kann sich kaum bewegen. Ich fühle mich gerade, als wäre ich 70", berichtet DBfK-Referentin Susan Tauchert, als sie während der glühenden Nachmittagshitze im Anzug steckt. Ähnlich geschlaucht dürfte sich auch mancher Pfleger nach einem Arbeitstag fühlen.

„Wir brauchen vor allem bessere Arbeitsbedingungen und eine stabile Finanzierung“, sagt Michael Junge, Pflegedirektor des Diakonissenkrankenhauses und Vorsitzender des Sächsischen Pflegerates. Zudem müsse eine gesellschaftliche Diskussion her, um den Stellenwert der Pflege zu erörtern. Daneben fordert Junge die Einrichtung einer Pflegekammer. "Wir möchten endlich mit den anderen Berufsgruppen auf Augenhöhe sprechen", fordert er. Bislang werde immer nur über die Pflege gesprochen, zu wenig jedoch durch die Pflegenden selbst. Außerdem müsse der Pflegeberuf attraktiver gemacht werden.

"Die Pflegenden geben sich zwar alle viel Mühe, aber unter den derzeitigen Voraussetzungen ist es mehr ein Abarbeiten der zu erbringenden Leistungen statt einer wirklichen Pflege", moniert Junge. Zwar gebe es gute Konzepte, doch die Rahmenbedingungen stimmten nicht. "Zu wenig Pfleger müssen zu viele Leute versorgen", pflichtet ihm Johannes Hermann bei. Der Altenpfleger schaute aus Interesse bei der Mahnwache seiner Kollegen vorbei. Insgesamt blieb das Interesse jedoch gering. "Das ist ja das Schlimme, dass sich niemand dafür interessiert, obwohl das Schicksal der Pflegebedürftigkeit schon morgen jeden von uns treffen kann", ärgert sich Hermann. Für den 18. Oktober plant er einen Aktionstag, um die Misere wieder mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.

Schon heute könnten tausende Stellen im Pflegebereich nicht besetzt werden. Bis zum Jahr 2030 fehlten bundesweit 350.000 Pflegekräfte allein in den Kliniken, hieß es. Zeitgleich organisierte der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) in acht anderen Landeshauptstädten Mahnwachen und Aktionen. Der Verband fordert mit Blick auf den Internationalen Tag der Pflege an diesem Sonnabend Unterstützung von der Politik in Form eines "Rettungsschirms“ für die Pflege. Laut Pflegestatistik 2009, aktuellere Zahlen liegen derzeit nicht vor, gibt es in Sachsen rund 31.300 Pflegekräfte, davon 11.290 Altenpfleger und 1252 sogenannte Altenpflegehelfer. Zudem sind im Freistaat 1726 Pflegeeinrichtungen, davon 997 ambulante Pflegedienste und 729 stationäre Einrichtungen verzeichnet. Allein stationär werden insgesamt 45.825 Pflegebedürftige betreut.

Stefan Schramm

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