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Lustige Gesellen mit großem Nutzen

Nacktschneckenplage: Zwei Laufentenhalter aus dem Raum Dresden geben Tipps Lustige Gesellen mit großem Nutzen

Laufenten sind sehr lebhafte, agile und aufmerksame Tiere. Sie gelten als Allheilmittel gegen die Nacktschneckenplage. Doch wie aufwändig ist die Haltung dieser Enten? Und ist es sinnvoll, sich diese Tiere zu mieten? Zwei (Hobby-)Gärtner in und um Dresden berichten von ihren Erfahrungen.

Laufenten.

Quelle: Catrin Steinbach

Dresden. Wenn sie munter schnatternd durch den Garten watscheln und im Wasser planschen, macht sich garantiert in jedem Gesicht ein Schmunzeln breit. Laufenten sind sehr lebhafte, agile und aufmerksame Tiere. Markantes Merkmal dieser gefiederten Gesellen: ein schlanker Körper mit einem langen, steil aufrecht gehaltenen Hals. Deswegen werden sie auch Flaschenenten genannt. Laufenten stammen von den Stockenten ab, können aber nicht fliegen.

Sie gelten als Allheilmittel gegen Schnecken, vor allem gegen Nacktschnecken. Besonders gefürchtet ist die Spanische Wegschnecke. Denn die gefräßigen Tiere können große Schäden anrichten. Sie breiten sich immer stärker aus und verdrängen bei Massenvorkommen andere Nachtschneckenarten, so der Naturschutzbund.

Weil Spanische Wegschnecken einen klebrigen, bitteren Schleim absondern, werden sie von Igeln, Vögeln und Kröten, für die Schnecken eigentlich ein Leckerbissen sind, meist verschmäht. Zudem sind die bräunlich, rötlich bis orange-gelb gefärbten Spanischen Wegschnecken im Gegensatz zu ihren Artgenossen auch gegen Trockenheit wenig empfindlich.

Laufenten dagegen verputzen Schnecken – auch Spanische Wegschnecken – in großer Zahl. „Allerdings brauchen sie für den Verzehr viel Wasser“, weiß Gärtnermeister Sigurd Lux. Er hält seit dem Herbst selber Laufenten und hat deshalb überall im Grundstück kleine und große Wasserbehältnisse verteilt. Seine Enten gehen nicht nur in im Privatgarten auf Schneckenjagd, sondern auch im sich anschließenden Gelände seines Pflanzenmarktes in Niedersedlitz. „Seitdem habe ich kein Problem mehr mit den Nacktschnecken“, sagt Lux.

In erträglichem Rahmen bleibt die Population der gefräßigen Spanischen Wegschnecken jetzt auch im Selbstversorger-Garten von Sarah Mönke in Tharandt. Die studierte Forstwissenschaftlerin engagiert sich im Gartennetzwerk Dresden und hat erst kürzlich ihre Erfahrungen in Sachen Laufenten-Haltung im Rahmen eines Workshops an andere interessierte Gärtner weitergegeben. „Enten bringen sehr viel Freude in den Garten. Zudem lüften sie, weil sie mit ihren Schnäbeln auch in der Erde wühlen, den Gartenboden. Ihr Kot dient als Dünger“, sagt sie. Doch es gilt einiges zu beachten.

Zum einen hält man Laufenten niemals solo. „Es sind gesellige Tiere. Sie bleiben auch beim Spaziergang durchs Gelände immer nah beieinander“, weiß Gärtnermeister Lux. Er hat sich drei Enten angeschafft, die mittlerweile schon Nachwuchs zeugten. Für neun Enten hat er auf seinem Grundstück aber auf Dauer keinen Platz.

„Meiner Erfahrung nach ist ein Entenpärchen für einen Garten von 500 Quadratmetern Größe ausreichend“, sagt Sarah Mönke. „Und pro Ente und Tag sollte man einen halben Liter frisches Trinkwasser bereitstellen. Ist nicht genug Wasser da, können auch Laufenten an den klebrigen Schnecken ersticken“, so Mönke. Wer mehr Enten halten möchte, sollte die Zahl der Erpel geringer halten als die der weiblichen Tiere. „Drei Enten und ein Erpel“, seien zahlenmäßig ein gutes Verhältnis, so die Hobbygärtnerin.

Vorteil der Laufenten ist nicht nur, dass sie Schnecken vertilgen. „Die weiblichen Enten legen, wenn sie nicht gerade brüten, von März bis August jeden Tag ein Ei“, erzählt Mönke. „Die sehen aus wie sehr große Hühnereier, haben eine marmorierte, harte, blau-grüne Schale, sind etwas fettreicher und superlecker. Wir verwenden sie zum Kochen, Backen und als Frühstücksei.“

Mit Brüten beginnen die Enten erst, wenn es ihnen gelungen ist, an einem ruhigen Rückzugsort mehrere Eier zu sammeln. „Wir haben das in unserem Garten noch nicht zugelassen“, so die Selbstversorgerin. „Theoretisch könnten Laufenten von April bis Juli zweimal Küken haben.“

Doch fressen die Laufenten im Garten tatsächlich nur Schnecken, Schneckeneier, Würmer und Insekten? „Sie mögen auch Vogelmiere“, hat Sigurd Lux beobachtet. An seinen Pflanzen haben die Enten noch keinen nennenswerten Schaden angerichtet. Allerdings stellt er zarte Jungpflänzchen auch außer Reichweite.

„Enten mögen jungen zarten Salat, Erdbeeren und Tomaten“, hat Sarah Mönke in ihrem Garten beobachtet. Sie schützt diese deshalb mit Kaninchendraht. Zudem muss man zusätzliches Futter bereitstellen. Sigurd Lux greift auf Fertigfutter für Wildgeflügel zurück, gibt ab und an gekochte Kartoffeln und Mais. Sarah Mönke füttert pro Tag pro Ente im Sommer etwa 100 Gramm und im Winter etwa 150 Gramm Getreide (Hafer, Weizen, Gerste) und gekochte Kartoffeln zu. „Die Tiere futtern mit Begeisterung ebenso weiche Bananen, hin und wieder auch Speisereste, wenn sie nicht zu stark gewürzt sind.“ Nur Avocado vertragen Enten nicht. „Diese Frucht ist für Enten giftig“, sagt Sarah Mönke.

Schützen muss man nicht nur zarten Salat und anderes junges Grün vor den Enten, sondern diese auch vor Greifvögeln, Mardern und Füchsen. Der Garten sollte so beschaffen sein, dass sich die Enten tagsüber verstecken können. Eine Umzäunung des Grundstückes ist ebenso wichtig. Nicht nur, damit die Enten nicht stiften gehen, sondern auch, damit man es Fuchs & Co. so schwer wie möglich macht. Denn diese wurden auch schon tagsüber auf Beutezug gesehen.

Mit der Dämmerung gehören die Laufenten in einen Stall. „Der muss nicht riesig sein. Ein Quadratmeter für ein Entenpärchen reicht“, so die Tharandter Entenhalterin. Sie weiß jetzt auch, dass die Tür des Stalles dicht schließen muss. Schon ein Schlitz von zwei Zentimetern ermögliche Mauswieseln, in den Stall zu gelangen. „Die fressen zwar die Enten nicht, aber beißen sie tot.“

Sigurd Lux hat die Erfahrung gemacht, dass Hühnerdraht für den Fuchs kein Hindernis darstellt. „Eines Nachts gab es mal ein fürchterliches Geschrei bei den Enten. Ich bin rausgestürzt und konnte die Enten vor dem Fuchs gerade noch retten. Er hatte schon ein ziemlich großes Loch in den Draht gefressen.“

Kann man Laufenten mieten? Ja, es gibt dafür Anbieter. Doch Sarah Mönke und auch andere Gartenbesitzer, die schon Laufenten gehalten haben, sehen dieses Angebot sehr kritisch. „Enten brauchen mehrere Wochen, bis sie ein fremdes Grundstück erkundet haben, sich in jede Ecke trauen und wirklich in Sachen Schneckensuche aktiv werden“, hat die Tharandter Entenbesitzerin beobachtet. „Der Nutzen einer Leihente ist deshalb für mich sehr fraglich.“

Von Catrin Steinbach

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