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Linke laufen weiter Sturm gegen Dresdner Akademikerball - GFSK spricht von "Rufmord"

Linke laufen weiter Sturm gegen Dresdner Akademikerball - GFSK spricht von "Rufmord"

Der Protest insbesondere aus dem linksalternativen Spektrum gegen einen am Sonnabend im Ballhaus Watzke stattfindenden Akademikerball der Gesellschaft zur Förderung Studentischer Kultur (GFSK) ebbt nicht ab.

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Das Ballhaus Watzke in Dresden-Pieschen

Quelle: Archiv

In den Vorwürfen des Antisemitismus, Antifeminismus und Faschismus wittert die GFSK, unter deren Dach verschiedene studentische Verbindungen und Einzelpersonen organisiert sind, gezielten „Rufmord“.

In Dresden tobt ein erbitterter Kampf darüber, wie studentisches Leben aussehen sollte, und welche politischen Ansichten diesbezüglich erstrebens- oder verdammenswert sind. Verbindungen oder Korporationen, so sagen linksalternative Gruppen und auch der politische Referent des Studentenrates der TU Dresden, Stefan Taubner, seien zwar nicht alle per se verfassungsfeindlich, wohl aber Relikte aus längst vergangenen Zeiten, die nach wie vor am damaligen reaktionären Verständnis vieler Dinge festhielten.

Der GFSK wirft Taubner mangelnde Abgrenzung zu rechtem Gedankengut vor, das in vielen Burschenschaften gedeihe. Doch auf welcher Grundlage, bleibt diffus. Salamandria, Cheruscia oder das Corps Teutonia – sie alle sieht Taubner in der Nähe der rechten Szene, unter anderem, weil etwa der Chefredakteur der Neue-Rechte-Publikation „Blaue Narzisse“, Felix Menzel, bei Vortragsveranstaltungen der Cherusica gesprochen habe. Mitglied war Menzel in der Cheruscia allerdings nie, ebenso wenig wie der NPD-Pressereferent Holger Szymanski, den Taubner ursprünglich der Burschenschaft zugeordnet hatte. „Man muss nicht immer gleich mit Nazis zu tun haben, um Kritik üben zu dürfen“, erklärt der Studentenrat auf Nachfrage. Kritik übt man hauptsächlich an der "elitären Ausrichtung" vieler Verbindungen und an antisemitischen und frauenfeindlichen Positionen, die viele verträten.

Die GFSK schießt derweil scharf zurück. „Dieses kleinkarierte Denken unwissender Menschen“ bringe zwei renommierte Institutionen in Dresden in Verruf, so Anke Prescher vom Organisationsteam auf der Facebook-Seite der Veranstaltung. Prescher, die selbst seit einem Jahr in der Dresdner Frauenverbindung ADV Regina Maria-Josepha zu Dresden aktiv ist, ist die Schwester des GFSK-Vorsitzenden Ralf Prescher, der ebenfalls Mitglied in einem Corps ist. Frauenfeindlichkeit sieht Prescher jedoch nicht: „Sonst gäbe es nicht über 30 Damen- und zahlreiche gemischte Verbindungen in Deutschland.“ Dass Frauenverbindungen weniger Rechte innerhalb des Dachverbandes hätten, wie Linken-Landesvorstandsmitglied Kristin Hofmann kritisierte, sei schlichtweg falsch: „Diese Rechnung geht nicht auf, weil Damen- und Herrenverbindungen nicht im selben Dachverband organisiert sind. Jede Verbindungsart hat vielmehr ihren eigenen Dachverband, selbst Corps und Burschenschaften haben jeweils eigene Dachverbände.“

Den Reiz am Korporiertendasein machen für Prescher vor allem das Miteinander, die Verlässlichkeit untereinander sowie der große Wert aus, der auf Bildungsangebote gelegt werde. „Natürlich legt jede Wert auf ihre Traditionen und pflegt bestimmte Werte“, aber diese seien ebenso unterschiedlich wie die Verbindungen selbst. „Es gibt christliche, jüdische, muslimische Verbindungen, andere sind konservativ, andere wieder anders. Im Corps meines Bruders etwa gibt es auch ein homosexuelles Mitglied, wir haben bei uns ein Mädchen aus dem Ausland.

Dass es die berühmten „schwarzen Schafe“ gibt, bestreitet Prescher nicht: „Besonders in Österreich sind viele Burschenschaften sehr extrem.“ In Deutschland hingegen habe sich nach der Nazi-Diktatur vieles gewandelt, „jüdische und ausländische Mitglieder wurden danach in Verbindungen aufgenommen.“ Selbst Burschenschaften, in denen es zum Teil gemäß Statut zur Aufnahme eines Nachweises deutscher Staatsangehörigkeit bedarf, lebten längst nicht mehr rigoros nach diesen antiquierten Regeln. Überdies gehörten von den 150 erwarteten Ballgästen ohnehin nur vier einer Burschenschaft und weitere fünf einem Corps an.

Die GFSK selbst bemühe sich um einen großen Meinungspluralismus innerhalb ihrer Mitgliedschaften und lehne rechtsradikale Stimmen entschieden ab. Diese Erklärung hält Stefan Taubner für „durchsichtig“: „Natürlich möchte man die negative Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nicht.“ Und auch die Partei Die Linke läuft weiter Sturm gegen die Veranstaltung. Unter dem Motto „Kein Fußbreit den (tanzenden) Faschisten“ bläst man zum Protest und fordert die Absage des Balles. Die Preschers wundern sich derweil über „so viel historische Unkenntnis“ der Linken: „Große Sozialisten wie Karl Marx, Gustav Stresemann oder Helmut Schmidt waren früher Mitglied in Landsmannschaften und Verbindungen. Die Linke leugnet ihre eigenen politischen Wurzeln.“

Jane Jannke

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