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Linke-Stadtrat Tilo Wirtz kritisiert Kirchenpolitik seiner Parteispitzen

Rückfall in SED-Denkmuster Linke-Stadtrat Tilo Wirtz kritisiert Kirchenpolitik seiner Parteispitzen

„Die Kirche und die Kassen“ hieß eine Veranstaltung der Partei Die Linke am vergangenen Freitagabend im Kulturrathaus, auf der der Kirchen- und Religionskritiker Carsten Frerk, Linke-Landesvorsitzender Rico Gebhardt und der Linke-Landtagsageordnete André Schollbach staatliche Zahlungen an die Kirchen kritisierten. Kritik kam aus den eigenen Reihen: „Peinliche Veranstaltung“, meint Tilo Wirtz.

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Integration statt Polarisierung: Der Linke-Stadtrat Tilo Wirtz kritisiert die Veranstaltung „Die Kirche und die Kassen“ seiner Partei.

Quelle: Archiv

Dresden. „Die Kirche und die Kassen“ hieß eine Veranstaltung der Partei Die Linke am vergangenen Freitagabend im Kulturrathaus, auf der der Kirchen- und Religionskritiker Carsten Frerk, Linke-Landesvorsitzender Rico Gebhardt und der Linke-Landtagsageordnete André Schollbach staatliche Zahlungen an die Kirchen kritisierten. Kritik kam aus den eigenen Reihen: „Peinliche Veranstaltung“, meinte Tilo Wirtz, von 2007 bis 2011 Mitglied im Landesvorstand der Linken Sachsen, 2007 bis 2009 stellvertretender Stadtvorsitzender der Dresdner Linken und seit 2009 Stadtrat. „Die Linke Sachsen fällt in die Politik der Diskriminierung und Bekämpfung von Christen zu SED-Zeiten zurück“, lautet sein Fazit.

So habe sich Schollbach, Fraktionsvorsitzender der Linken im Dresdner Stadtrat, alle Mühe gegeben, die „Mücke“ von jährlich 25 Millionen Euro an die evangelische und nicht einmal eine Million Euro an die katholische Kirche zum „Elefanten aufzupumpen“, erklärte Wirtz gegenüber den DNN. 26 Millionen Euro seien angesichts eines Landesetats von 17 Milliarden Euro 1,5 Promile und das bei ungefähr einem Fünftel konfessionell evangelisch oder katholisch gebundener Menschen in Sachsen.

Gebhardt habe den Umgang der SED zu DDR-Zeiten mit Christinnen und Christen in „skandalöser Weise“ verharmlost und bagatellisiert, findet Wirtz. Es habe sich um eine grobe Verletzung der Charta der Menschenrechte gehandelt. An den Folgen dieser Politik würden zahlreiche Betroffene noch immer leiden, denen der Weg zum Abitur, zum Studium oder die berufliche Karriere verbaut worden sei. „Nicht selten wurden aktive Christinnen und Christen von der Staatssicherheit verfolgt.“

Die Kirchen in der DDR seien nicht nur religiöser Raum, sondern auch Exil für politisch Engagierte gewesen, die dort angesichts der weltanschaulichen Indoktrinationen in der DDR und der Verfolgung jeder abweichenden politischen und weltanschaulichen Position nicht nur einen geistlichen, sondern auch einen politisch-intellektuellen Freiraum gefunden hätten. Dass die Kirche nur eine Minderheit der Sachsen anspricht, sei eine Folge der menschenrechtswidrigen Praxis der SED. „Insofern können zum Teil die gegenwärtigen staatlichen Leistungen an die Kirchen durchaus auch als Schadensersatz interpretiert werden.“

Wirtz verweist auf die klaren Positionen der Kirchen in der Flüchtlingsfrage bis hin zum Papst. „In Dresden steht ein Schnitt durch alle Gruppen von der politisch Linken bis zu den Konservativen Seite an Seite mit den Kirchengemeinden für Integrationsprojekte, aber auch für den Ladenschluss am Sonntag.“ Es dürfte sich fatal auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt in anderen Fragen auswirken, wenn die Linke da sage: „Und übrigens werden wir euch jetzt den Geldhahn abdrehen.“

Die Initiative sei eine politische Sackgasse. Ein Blick nach Thüringen genüge. Dort sei mit dem Linken Bodo Ramelow ein öffentlich bekennender Protestant Ministerpräsident. „Der Erfolg der Linken in Thüringen steht in einem auffälligen Widerspruch zur wahltechnischen Distanz zu einer Rot-Rot-Grün-Regierung in Sachsen. Möglicherweise können eben doch die entscheidenden Stimmanteile gewonnen werden, wenn man integrative politische Projekte hat und nicht nur auf Boulevardisierung und Polarisierung in der Politik setzt.“

Mit gutem Grund setze sich die Linke für die Belange und Rechte von Minderheiten ein. „Dazu gehört, zumindest für mich, auch der Schutz, die aktive Ermöglichung und auch finanziele Unterstützung der religiösen Bedürfnisse der Menschen. Selbst dann, wenn ich sie nicht selbst teile“, so Wirtz. Seine Mitgliedschaft in der Linken stehe unter der Bedingung, dass das SED-Unrecht der „Diktatur des Proletariats“ in der DDR ohne wenn und aber anerkannt wird und ein Rückfall in diese „hoffentlich überwundenen Denkweisen der politischen Unterdrückung“ ausgeschlossen ist. „Hiermit wehre ich den Anfängen!“, erklärte Tilo Wirtz.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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