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Lingnerschloss soll bereits 2014 saniert sein

Lingnerschloss soll bereits 2014 saniert sein

Das Lingnerschloss soll 2014 saniert sein, also viel früher als gedacht. Das kündigte Peter Lenk an, der Vorsitzende des "Fördervereins Lingnerschloss".

Von Heiko Weckbrodt

Möglich mache dies die jüngste Fünf-Millionen-Euro-Spende von GlaxoSmithKline. "Ohne diese Spende würden wir noch zehn bis zwölf Jahre brauchen, um das Schloss fertig zu bekommen", sagte Lenk.

GlaxoSmithKline hatte die Spende vor wenigen Tagen anlässlich des 100. Jubiläums des "Sächsischen Serumwerkes" übergeben, das 1911 von Karl August Lingner gegründet worden war. "Das war eine Sternstunde für uns und für ganz Dresden", freut sich Lenk und plaudert aus dem Nähkästchen: "GlaxoSmithKline hatte es der Belegschaft überlassen, wer die Spende bekommt. Die Mitarbeiter entschieden sich für unser Projekt." Dies zeige, wie sehr es den Dresdner am Herzen liege, dass das Lingnerschloss wieder in Ordnung gebracht und der Bürgerschaft zugänglich gemacht werde.

Ist die Schlosssanierung nun durchfinanziert?

Damit fehlen dem Förderverein nun nur noch eine Million Spenden-Euros, um die kalkulierten elf Millionen Euro Gesamtkosten zu decken. Noch vor acht Jahren, als die Stadt das Schloss dem Verein per Erbbaupacht überlasse hatte, war Lenk von zehn Millionen Euro Sanierungskosten ausgegangen. Viele Gebäudeteile wie Zwischendecken und Sandsteinelemente erwiesen sich jedoch als stärker beschädigt als gedacht. "Ich hoffe nicht, dass die Hilfsbereitschaft nach der jüngsten Großspende nun nachlässt", sagte Lenk.

Welche Projekt sind in Arbeit?

Er will nun die bereits begonnenen Projekte bis zum Jahresende abschließen. Der Westflügel, der zu DDR-Zeiten zugemauert wurde, ist inzwischen geöffnet, wird nun saniert und mit den Deckenmalereien wie den "Jupiteraugen" versehen. Am Ostflügel, in dem jetzt die Gaststätte "Lingnerterrassen" ausschenkt, werden derzeit Rasen und Bäume gepflanzt. Noch eine Weile dauern wird die Sanierung des Lingnermausoleums am Elbufer. Dort soll später auch ein direkter Zugang vom Elbradweg zum Schloss entstehen.

Was wird nun vorgezogen?

Dank der Millionenspritze vom Serumwerk zieht der Verein nun die nächsten Projekte drastisch vor. So wird schon ab dem Winter bis Mitte 2012 das Schlossfoyer für 200 000 Euro in Schuss gebracht - aber noch ohne Zierrat, um den Transport von Baumaterial nicht zu verhindern. "Die dekorativen Elemente kommen dort erst ganz zuletzt dran", so Lenk.

Im Winter startet auch die statische und brandschutztechnische Ertüchtigung des Mittelgebäudes, in dem sich Festsaal, Salon, Lingnerbibliothek und weitere Räume befinden. Dort werden vermoderte Deckenbalken ausgetauscht, Feuerschutzdecken eingezogen und die Wände wärmeisoliert.

Von oben nach unten arbeitet sich der Verein dann durch die Etagen: Der nachträglich verglaste Balkon an de Elbfassade im Obergeschoss wird freigelegt, der große Salon (Kapazität: 80 Gäste) dahinter saniert. Ebenfalls saniert werden die benachbarte Bibliothek und das Kaminzimmer. "Im Obergeschoss wollen wir aber kein Remmidemmi, sondern diese Räume für exklusivere Veranstaltungen herrichten", betonte Lenk.

Danach ist der Festsaal im Erdgeschoss an der Reihe. Es wird für größere Veranstaltungen wie Hochzeiten, Konzerte und Firmentagungen mit bis zu 150 Besuchern ertüchtigt.

Eine besondere Herausforderung birgt auch das östliche Treppenhaus: Dort soll die ursprüngliche "Stucco lustro"-Malerei freigelegt oder rekonstruiert werden. "Diese Technik wurde im Klassizismus gern eingesetzt, um sich die Kosten für echten Marmor zu sparen", erklärt Lenk. "Da wurde polierter Gips mit Wachsfarben so bemalt, dass ein künstlicher Marmoreffekt entstand." Auch die zu DDR-Zeiten eingezogene Latexkuppel auf dem Treppenturm soll weichen - dann kann man vom Turmzimmer oben durch einen Glaskreis bis nach unten schauen.

Spektakuläres hat der Verein ganz oben vor. Ist schon der Blick von den "Lingnerterrassen" ins Elbtal eine Augenweide, wird das vom Schlossdach noch getoppt: Wer dort künftig speist und trinkt, genießt Dresdens wohl schönste Aussicht - auf die Elbe, rechts hinein in die Altstadt mit ihrem Turmensemble und auf die sächsische Schweiz auf der andere Seite. In der Mitte entsteht eine gläserne Quaderpyramide, die den großen Salon darunter mit Licht flutet, aber aus denkmalpflegerischen Gründen von außen durch die Sandsteinbrüstung mit ihren dann zehn Riesenvasen verdeckt wird.

Zwischen Brüstung und Oberlicht will der Verein eine bis zu 350 Quadratmeter große und begehbare Plattform bauen. Sie wird von den "Lingnerterrassen" mit Speis und Trank versorgt und ist auch für exklusive Feiern gedacht. Das 650 000 Euro teure Projekt soll bereits im Herbst 2012 abgeschlossen sein.

Der Wermutstropfen: Weil es nur einen Zugang und keinen zweiten Rettungsweg gibt, werden automatische Schranken maximal 50 Gäste gleichzeitig auf die Dachplattform lassen.

Warum soviel Exklusives?

Solch exklusive Attraktionen muss sich der Verein auch ausdenken, um für die Zeit nach 2014 vorzusorgen, wenn dann kleinere Nachprojekte und vor allem die laufenden Kosten zu finanzieren sind. "Perspektivisch müssen wir dann auf etwa 300 000 Euro Einnahmen pro Jahr kommen", schätzt Lenk. Rund 80 000 Euro nehme man derzeit durch die Mitgliederbeiträge ein, weitere 45 000 Euro durch den bereits laufenden Veranstaltungs- und Gastronomiebetrieb - da fehlt also noch einiges.

Das Schloss soll aber keineswegs nur für gutbetuchte Besucher geöffnet sein, sondern für alle Dresdner. Das hatte schon Lingner in seinem Testament so vorgeschrieben, als er seine Heimstatt der Stadt vermachte und das schlägt sich zum Beispiel auch in festgelegten Preisobergrenzen etwa für Kaffee in den "Lingnerterrassen" nieder.

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