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Limonade aus Dresden: Jungunternehmer wollen den Markt erobern

Limonade aus Dresden: Jungunternehmer wollen den Markt erobern

Als ich die 0,33-Liter-Flasche mit dem schwarzen Ahornblatt auf dem Etikett öffne, riecht es nach Lakritze. Mag ich überhaupt nicht. Als Journalist soll man aber mutig sein, also trinke ich.

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Die Jungunternehmer Ruben Hoffmann und Florian Hillger (von links) mit ihrer Kreation.

Quelle: Flechtner

Was da über meine Zunge fließt, ist "Bob Barrel", Ahornlimo mit Zitrone, erfunden in Dresden. Es schmeckt wirklich ... seltsam. Schwer zu beschreiben. Ein weiterer Schluck und noch einer. Aber gar nicht mal so schlecht, nicht zu süß, mit Kohlensäure. Aber nach was "Bob Barrel" schmeckt, kann ich - sonst nur selten um ein geschriebenes Wort verlegen - beim besten Willen nicht sagen.

Die Idee zur Brause entstand 2013 an einem Küchentisch. Die damals 18 Jahre alten Schüler Florian Hillger, Ruben Hoffmann und Jonas Kuball gerieten beim Pancake-Essen in Streit über die richtige Beilage: Ahornsirup wie in Kanada üblich oder Puderzucker und Zitrone. Als gewagter, aber für die Freunde durchaus wohlschmeckender Kompromiss wurde Zitrone-Ahornsirup ausgemacht. Schließlich versetzte das Trio in jugendlichem Überschwang Mineralwasser mit dem Gemisch und fertig war die erste echte "Bob Barrel"-Limonade. Woher der Name kommt, erklärt Ruben, der sechs Jahre in Kanada gelebt hat. Viele Kanadier und damit auch viele Ahornsirupbauern tragen "Bob" im Nachnamen - ähnlich wie "Mc" in den USA. Barrel ist das Fass, in dem der Ahornsaft traditionell auf dem Feuer zu Sirup eingekocht wird.

"Die Mischung hat danach geschrien, abgefüllt zu werden", erklärt der blonde Florian knapp anderthalb Jahre nach dem denkwürdigen Mineralwasser-Experiment am Küchentisch. Mit tatkräftiger und kostenloser Hilfe der Brauerei Hartmannsdorf, die Knowhow und einen Lebensmittelchemiker zur Verfügung stellte, ertüftelten die drei Schüler das Grundrezept und stapelten die erste Abfüllung zu Hause in der Garage. Mit einem Kasten "Bob Barrel" in den Händen und viel gutem Willen klapperten die drei dann Neustädter Kneipen ab. "Bars suchen immer Trends und wollen sich von den anderen abheben", weiß Jungunternehmer Florian inzwischen. Die Ahornlimo kam an, etliche Barkeeper kreierten Longdrinks und Cocktails wie die Ahornbiene mit Honey-Whisky oder den Mapleretto (Amaretto, Gin, Zitronensaft, Chili). Inzwischen gibt es "Bob Barrel" in über 50 Bars und Geschäften vor allem im Raum Dresden, der Online-Handel läuft gut.

Das Geschäft managen die Jungunternehmer vom "Kinderzimmer" aus. Zutaten bestellen, Online-Bestellungen packen und verschicken, Social Media-Kanäle bedienen, teilweise liefern die drei auch noch selbst aus. "Um zu wachsen, brauchen wir jetzt Geld", sagt Ruben selbstbewusst. Nächstes und logisches Ziel ist Berlin mit seinen vielen Szenekneipen und Trendsettern. Momentan verkauft die Bob-Barrel-Firma etwa 24 000 Flaschen im Jahr, mehr Absatzmöglichkeiten sind jedoch schon jetzt gegeben. Allerdings fehlen den Jungs die finanziellen Mittel, eine größere Abfüllmenge vorzufinanzieren.

"Wir schreiben keine roten Zahlen, nach einem Jahr ist das schon ein Resultat", meint Ruben. Für größere Investitionen reicht es allerdings nicht. Deshalb kommt Crowdfunding ins Spiel. Auf der Plattform startnext läuft noch bis 1. November eine Unterstützungskampagne. 15 000 Euro brauchen die drei Jungs, derzeit stehen die Spenden bei etwa 3700 Euro.

Neben dem eigenen Unternehmen kümmern sich Florian, Ruben und Jonas auch noch um ihre Fortbildung. Ruben und Jonas studieren, Florian war ein Jahr in den USA und macht gerade sein Abitur. Ein anstrengendes Programm in einem Alter, in dem viele junge Männer beginnen, das Studentenleben so richtig auszukosten.

Während des Schreibens habe ich meine Flasche "Bob Barrel" ausgetrunken. Nach was es schmeckt? Ich weiß es nicht, aber es ist gut.

www.bob-barrel.de

Franziska Schmieder

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