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Libanesischer Flüchtling kämpft um seinen Aufenthalt in Dresden

„Ich habe Angst, wieder gehen zu müssen“ Libanesischer Flüchtling kämpft um seinen Aufenthalt in Dresden

Ali El Oreibi flüchtete aus Sicherheitsgründen aus seiner Heimat Libanon. Nach drei Jahren hat er sich in Deutschland eingelebt und absolviert einen Bundesfreiwilligendienst in Dresden. Obwohl er große Pläne hat, begleitet ihn die Angst, wieder abgeschoben zu werden.

Ali El Oreibi hat sich in Dresden gut eingelebt. Derzeit absolviert er einen Bundesfreiwilligendienst.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Ali El Oreibi ist 21 Jahre alt und arbeitet als Bundesfreiwilliger in einem Seniorenheim an der Uniklinik Dresden. Auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches. Doch der junge Libanese ist erst seit drei Jahren in Deutschland. Noch immer kämpft er um sein Bleibestatus als Flüchtling. In der Landeshauptstadt lebt er allein, seine Familie ist verstreut über Asien und Osteuropa.

Ali hat sich als 17-Jähriger zur Flucht entschlossen, weil der Krieg so nahegerückt war an seinen Alltag in einem Dorf nahe Baalbeck. „An der syrischen Grenze ist es einfach nicht sicher“, erinnert er sich. „Fast täglich sind Leute verschwunden, es wurde regelmäßig geschossen“. Nicht umsonst stuft das Auswärtige Amt den Libanon als eines der gefährlichsten Länder der Welt ein. Da sich Vater und Mutter getrennt hatten und Ali mit seiner drei Jahre jüngeren Schwester bei der Großmutter zurückgelassen worden war, spielte das Elternhaus eh nicht mehr die große Rolle. Zumal der Vater eine Frau aus Hamburg kennengelernt hatte. Dort wollten die Geschwister hin.

„Geld hatten wir genug. Doch ein sicheres Leben ist eben unbezahlbar“, nennt Ali den Hauptgrund für die Flucht. Gemeinsam mit seiner kleinen Schwester kämpfte er sich wochenlang zu Fuß, per Anhalter und letztlich mit dem Zug bis zur Hansestadt durch. „Das war keine schöne Zeit. Ich spreche nicht gerne darüber“, sagt er. In Hamburg angekommen, lebten die beiden kurz bei der Bekannten des Vaters, ehe sie in eine Asylunterkunft wechselten. Seine Schwester verließ Hamburg nach sechs Monaten wieder und zog zur Mutter nach Dubai. Ali aber blieb.

„Ich wollte sofort mit dem Deutschlernen beginnen und eine Arbeit suchen, doch ich durfte nur einen Grundkurs besuchen, alles andere wurde mir verweigert“, so der junge Libanese. Mehrfach wurde er zwischen Chemnitz und Hamburg hin und her verlegt. „Es gab wohl Schwierigkeiten mit meinen Zeugnissen und Dokumenten. Nach vielen Wochen wurde ich dann schließlich nach Dresden geschickt“, erzählt Ali. Seitdem wohnt er offiziell im Asylheim auf der Florastraße. Doch dort hielt es den damals 18-Jährigen nicht lange. „Seit fast einem Jahr lebe ich bei einer Freundin in der Wohnung. Im Asylheim war ich der jüngste unter vielen Männern. Das hat mir gar nicht gefallen“, so Ali.

Nach nur etwas mehr als drei Jahren spricht der Libanese nun nahezu perfekt Deutsch, fast akzentfrei. Neben Arabisch, Französisch und Englisch ist das bereits seine vierte Sprache. Die Stelle als Bundesfreiwilliger erhielt Ali durch den „Jobladen“ in Mickten. „Die Arbeit macht mir unheimlich viel Spaß, und die Kollegen schätzen mich sehr“, berichtet er mit etwas Stolz.

Für die Zukunft hat er große Pläne: „Ich möchte später Medizin studieren.“ Ein erster Schritt dahin ist bereits getan. Nach seinem Bundesfreiwilligenjahr wird er ab August eine zweijährige Ausbildung zum Krankenpflegehelfer absolvieren. „Dort kann ich der Medizin näherkommen“, hofft Ali. In Dresden hat er sich inzwischen eingelebt und lebt das ganz normale Leben eines jungen Mannes. Er treibt viel Sport, geht mit Freunden aus und erkundet das Umland. „Ich fahre manchmal einfach mit dem Bus irgendwo hin und schaue mir die Gegend an. Das entspannt mich und ich kann nachdenken“, sagt Ali.

Dennoch fühlt er sich nicht immer willkommen: „Ab und zu werde ich beleidigt oder böse angeschaut“, berichtet er, „Aber das ignoriere ich und laufe einfach weiter. Dresden ist trotzdem eine wunderschöne Stadt, und ich möchte hier bleiben“. Das aber hängt nicht nur von ihm ab. Seine Aufenthaltsgenehmigung gilt jeweils nur für ein halbes Jahr und muss regelmäßig verlängert werden. „Ich habe jedes Mal große Angst, wieder gehen zu müssen“, gesteht der Libanese.

Von Sebastian Burkhardt

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