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Leuchtfeuer des Friedens und der Versöhnung

Leuchtfeuer des Friedens und der Versöhnung

Dresden muss Stuart Williams wirklich am Herzen liegen. Aus eigener Tasche steuert der US-amerikanische Künstler 20 000 Euro bei, damit seine Lichtinstallation "Lebensatem / Dresden" ab dem 13. Februar anlässlich des 70. Jahrestages der Zerstörung der Stadt an der Fassade der Hofkirche zu sehen ist.

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Die Fassade der Hofkirche wird zur Kulisse für eine Lichtinstallation - am Freitag soll es auch noch einen dritten Ring geben.

Quelle: Stuart Williams / Environmental Artist

"Das sind meine Ersparnisse, aber mir ist es das wert, weil mir das Projekt sehr viel bedeutet", sagt Williams.

Auch als Sohn eines amerikanischen Soldaten, der in Deutschland im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat, bedauere er die Bombardierung Dresdens. "Die Zerstörung dieser malerischen Stadt mit ihrer einzigartigen barocken Architektur war nicht notwendig, um den Krieg zu beenden. Das war wirklich ein großer Verlust für das kulturelle Erbe der Menschheit", betont der 68-jährige New Yorker.

Mit seiner Installation möchte er jedoch nicht nur zurückblicken, sondern die Auferstehung der Stadt von den Toten zelebrieren. "Obwohl es die Ausstellung in ähnlicher Form bereits in Dresdens Partnerstadt Columbus im US-Bundesstaat Ohio gegeben hat, bekommt der 'Lebensatem' erst hier in Dresden seine wahre Bedeutung", denkt Williams. Dort, wo einst Ruinen standen und architektonische Schätze von Weltrang wie Hof- und Frauenkirche, Schloss und Semperoper in Schutt und Asche versanken, ist der Atem des Lebens wieder zurückgekehrt. "Ich möchte auf diese Weise das Überleben und den Wiederaufbau dieser Stadt ehren, die ich für eine der schönsten in ganz Europa halte."

Ab heute sind Arbeiter drei Tage lang damit beschäftigt, die 28 LED-Leuchten am Turm der Hofkirche zu befestigen. Ist alles fertig, werden dort im Rhythmus des menschlichen Atems computergesteuerte Lichtwellen auf und absteigen. Welche Farben dabei zur Verwendung kommen, kann Stuart Williams noch nicht sagen: "Das müssen wir ausprobieren. Aufgrund des teilweise dunklen Sandsteins ist nicht jede Farbe geeignet", so Williams. Nach dem Auftakt am 13. Februar ist die Installation sechs Wochen lang bis 27. März zu erblicken.

Da Lichtinstallationen Strom kosten, ist auch ein Blick auf die Stromkosten interessant. Und die sind erstaunlich niedrig. "Wir zahlen für den gesamten Zeitraum gerade mal 40 Euro. So sparsam sind die Leuchten", freut sich der Künstler. Angesichts von Gesamtkosten von 40 000 Euro, von denen bisher erst ein Teil durch Spenden refinanziert werden konnte, fällt das tatsächlich kaum ins Gewicht.

Aber wie bereit erwähnt denkt Stuart Williams, wenn es um Dresden geht, nicht zuerst ans Geld. Die meditativen Lichtwellen haben für ihn eine symbolische Bedeutung. "Gerade angesichts der aktuellen Demonstrationen, die in Dresden stattfinden, soll die Installation ein Leuchtfeuer der Freundschaft, des Friedens und der Versöhnung sein."

Ursprünglich hätte er sich für sein Projekt auch die Frauenkirche vorstellen können, aber das ging aus technischen Gründen nicht. "Die Kirche hat sich nicht so gut geeignet, um die LED-Lampen anzubringen, ohne das Gebäude zu beschädigen", so Williams. Dennoch ist die Hofkirche für ihn keine zweite Wahl. "Ich finde den Standort inmitten der bekannten Dresdner Silhouette und unweit der Elbe, wo sich das Licht im Fluss spiegeln kann, einfach wunderbar", sagt Williams, der sich nicht nur als Künstler, sondern auch als ausgebildeter Architekt für die Stadt interessiert.

Kennengelernt hat er Dresden übrigens auf eine ganz spezielle Weise. "Ich habe das Buch 'Schlachthof 5' von Kurt Vonnegut mit großem Interesse gelesen. Der autobiographisch geprägte Roman handelt von einem Kriegsgefangenen, der während der Luftangriffe auf Dresden im Städtischen Schlachthof, dem heutigen Ostrale-Gelände, einsitzt. Seit dieser Lektüre hat mich die Faszination für Dresden nicht mehr losgelassen", erzählt der 68-Jährige. Er habe deshalb auch gedacht, als er 2012 während der Ausstellung in Columbus gefragt wurde, ob er sich auch eine Installation in Dresden vorstellen könnte: "Hoffentlich ist es Dresden in Deutschland und nicht Dresden in Tennessee oder Oklahoma."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.02.2015

Stephan Hönigschmid

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