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Letzte Hoffnung: Curaçao? - Dresdner Familie sammelt für Delfintherapie

Letzte Hoffnung: Curaçao? - Dresdner Familie sammelt für Delfintherapie

„Ein Kurzstreckenkind“ – so nennt Annett Ahrens mit einem Schmunzeln ihren zehnjährigen Enkel Jim. Denn lange hält er es in einem geschlossenen Fahrzeug nicht aus.

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Mutter Melanie Ahrens lebt mit ihrem Sohn Jim bei der Oma.

Quelle: Susann Schädlich

Immer wieder hopst er auf und ab, an schlechten Tagen schlägt er wild mit den Armen um sich. „Busfahren geht gar nicht“, meint die 46-Jährige. Denn auch wenn man es auf den ersten Blick nicht erkennen mag: Jim ist anders als die meisten Kinder. Autismus, Entwicklungsstörungen, Autoaggressionen und Epilepsie wurden bei ihm bereits wenige Monate nach seiner Geburt festgestellt. Der kleine Pappritzer kann weder allein laufen, noch hat er je ein Wort gesprochen. Blickkontakt verweigert Jim. Tag ein Tag aus ist der Junge auf die helfenden Hände seiner Familie angewiesen. Ob er sein Umfeld überhaupt wahrnimmt, weiß niemand.

„Die Ärzte sagten immer nur: Was wollen Sie denn von uns? Gesundmachen können wir Ihr Kind nicht“, erzählt Mutter Melanie Ahrens. Doch wo die Schulmedizin versagte, probierte Familie Ahrens alles Mögliche aus, um Jim zu helfen. Logo- und Physiotherapie brachten nur kleine Fortschritte. Durch den Kontakt zu Pferden und Hunden lernte Jim wenigstens Nähe zuzulassen. 2009 hörte Annett Ahrens schließlich von der Möglichkeit einer Delfintherapie. In den DNN las sie einen Artikel über einen am Gendefekt „Trisomie-8p“ erkrankten Jungen, dem die Meeressäuger helfen konnten. Also begann Oma Ahrens Informationen und Spenden für eine Delfintherapie zu sammeln, verteilte Flyer und bat bei Firmen um Spenden. 13.000 Euro benötigte die Familie für eine zweiwöchige Therapie auf der Karibik-Insel Curaçao. 2011 war es dann schließlich so weit: Jim, seine Mutter und Oma flogen in die Karibik.

In medizinischen Fachkreisen sind Delfintherapien jedoch umstritten. Bei wissenschaftlichen Untersuchungen konnten keine Fortschritte bei den Patienten bemerkt werden. Die meisten Anbieter hüten sich regelrecht davor, eine Heilung zu versprechen. Zudem widersprechen sich die Befürworter der Therapien in ihren Erkenntnissen. So behauptet der amerikanische Verhaltensforscher David Nathanson, dass Delfine per Ultraschallwellen Lernprozesse und Konzentration steigern, das heißt Aktivität hervorrufen. Die australische Delfinforscherin Olivia De Bergerac ist hingegen davon überzeugt, dass Delfine vielmehr die Entspannung fördern. Weil aber keine wissenschaftlichen Befunde von der Wirkung der Therapien zeugen, übernimmt auch keine Krankenkasse die Kosten zwischen 11.000 und 13.000 Euro dafür.

Was Melanie und Annett Ahrens jedoch auf Curaçao mit ihren Jim erlebten, lässt sie nicht an der Therapie zweifeln. Nach einigen Tagen mit den Delfinen im Wasser kam Jim tatsächlich an den Händen eines Therapeuten zu seiner Oma gelaufen. „Das war der absolute Wahnsinn. Ich habe ihn vorher noch nie gehen sehen“, erinnert sich Annett Ahrens. Unmittelbar nach der Therapie begann Jim sogar den Blickkontakt zu seinen Angehörigen zu suchen. Doch je länger das Schwimmen mit den Delfinen zurück lag, umso stärker verfiel der Junge wieder in alte Verhaltensmuster.

Jims Krankheit hat nicht nur ihn selbst, sondern auch die Familie fest im Griff. Annett Ahrens hat ihren Job aufgegeben, um sich 24 Stunden um ihren Enkel zu kümmern. Tochter Melanie, die mit Jim bereits mit 16 Jahren schwanger wurde, verlor kürzlich ihre Arbeitsstelle in einem Pflegeheim, als die Oma einmal zu krank war, um die Betreuung von Jim zu übernehmen. Der leibliche Vater des Jungen lässt sich nur selten blicken. Ehemalige Lebenspartner haben sich von beiden abgewandt, weil ihnen die Belastung zu groß wurde.

Dennoch lassen sich die Frauen nicht entmutigen. Inzwischen sammeln sie bereits für die dritte Therapie unermüdlich Spenden. Jeden Tag versuchen sie Restaurants, Firmen und Kirchen dafür zu gewinnen. „Wer weiß, vielleicht kann Jim uns irgendwann ja davon erzählen, wie gern er mit den Delfinen schwimmt“, meint Annett Ahrens.

Spendenkonto: Empfänger Dolphin Aid e.V., Stadtsparkasse Düsseldorf, Bankleitzahl: 30050110, Kontonummer: 20002424, Verwendungszweck: Jim Ahrens geb. 03.03.2006.

Susann Schädlich

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