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Leichtbau-Firma "Polymer-Park" reanimiert alte Sachsenwerk-Halle in Dresden

Leichtbau-Firma "Polymer-Park" reanimiert alte Sachsenwerk-Halle in Dresden

Hier bröckelnde Backsteinmauern unter blind gewordenen Scheiben, Löwenzahn, der sich durch alte Industriehallen zwängt. Da frischgetünchte Fassaden, Tafeln voller bunter Firmenschilder.

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Ulrike Hoesch-Vial und Sven Hansen lassen die Kunststoff-Kügelchen, aus denen ihre Leichbau-Tafeln entstehen, durch ihre Hände rieseln.

Quelle: Norbert Neumann

Dazwischen halb verrostete Stahlzäune, die nichts mehr bewachen außer Unkrautplantagen. Wer die Straße des 17. Juni in Niedersedlitz abfährt, unternimmt eine Zeitreise: durch die Jahre des Wirtschafts-Boom nach der Reichsgründung, Rezession, Arbeiteraufstand, die VEB-Expansion, als das Sachsenwerk immer mehr zu einer Stadt in der Stadt wurde, den Zusammenbruch der DDR-Industrie - und die Reanimationsversuche für das riesige Sachsenwerk-Areal nach der Wende.

Und zu dieser Neustart-Geschichte gehören auch Ulrike Hoesch-Vial und Sven Hansen. Die beiden Unternehmer haben sich eine der alten Sachsenwerk-Hallen gesichert, sie saniert, mit modernster Technik bestückt und damit die Saat für einen jener legendären "Hidden Champions" gelegt, jener Weltmarktführer in der Nische, von denen so oft die Rede ist, die aber außerhalb ihrer Branche kaum einer kennt. Wo einst Armeen von Sachsenwerkern jahrzehntelang Trafos und andere Elektrogroßanlagen montierten, stellt heute die Firma "Polymer-Park" Verbundwerkstoffe und Leichtbau-Platten her, die in Caravanen, Wohnmobilen, Luftfracht-Containern, auf Baustellen und anderswo verbaut werden, um Holz, Sprit und Ersatzteile zu sparen. Der Holzersatz ist international stark gefragt: Über die Hälfte der Leichtbau-Tafeln geht in den Export.

Dass die alte Sachsenwerk-Halle für Hoesch-Vial und Hansen mehr als ein bloßer Zweckbau ist, merkt man sofort: In seinem Büro hat er die großformatige Repro einer alten Sachsenwerk-Radierung aufgehängt. Eine Auftragsarbeit wohl aus der Kaiserzeit, in der der Künstler Glanz und Glorie des Industriewerkes inszenierte, das damals sogar einen eigenen Rangierbahnhof hatte. Und auch die Halle selbst haben beide mit Bedacht ausgewählt: "Wir benötigten für unsere Maschinen eine besonders hohe Halle", erzählt Polymer-Park-Chef Hansen. "Und außerdem konnten wir auch den alten Kirow-Portalkran aus Sachsenwerk-Zeiten gut gebrauchen, der richtig schwere Werkzeuge heben kann."

Was es damit auf sich hat, sieht und spürt der Besucher sofort, wenn er das Seitenschiff betritt, in dem die Leichtbauplatten gepresst werden: Ist es draußen schon warm, ist es hier drinnen brütend heiß und die Hitze kommt von einem stählernen Turm. Der saugt ohne Unterlass kleine Polyethylen-, Polystyrol- und andere Kunststoffkügelchen wie ein Staubsauger ein, schmilzt sie bei 250 Grad, presst sie dann bei einem Druck von 1000 Bar zu Platten zusammen, die später einmal zum Beispiel als Ladeflächen in Lastern oder Trittbretter auf Baugerüsten eingesetzt werden sollen. Der Trick dabei liegt im gezielten Druckabbau in dem 40 Tonnen schweren Werkzeug, der dafür sorgt, dass die Platten drinnen zu einer Art leichter Blasen erstarren und außen eine Schutzschicht ausbilden, erklärt der studierte Verfahrensingenieur Hansen.

Die fertigen Tafeln sind dann zwar teurer als Holz, aber dafür langlebiger, stabiler und ein Fünftel leichter. Allein der Ofen-Werkzeug-Turm, in dem die Platten entstehen, ist so groß wie ein mittleres Eigenheim. Darüber aber dreht und wendet sich auch noch ein Roboter-Arm, der die fertigen Platten stapelt und sortiert. Nicht ganz soviel Raum nach oben benötigt die neueste Taktstraße von Polymer-Park im anderen Hallenschiff, die ist dafür umso länger: Hier werden neue Verbundmaterial-Platten mit Glasfaserschichten hergestellt, von denen sich die Polymer-Parker noch viel Wachstumspotenzial erhoffen. Derzeit macht das Unternehmen vier Millionen Euro Jahresumsatz, in den nächsten anderthalb Jahren sollen es etwa 5,2 Millionen Euro werden.

Entwickelt und getestet wurden die zugrunde liegenden Technologien unter anderem von Forschungsinstituten in Aachen und Dresden. Gefertigt werden die Resultate hochautomatisiert im Dresdner Werk, in dem Hoesch-Vial und Hansen seit dem Start im Jahr 2002 nach und nach alle Firmen-Aktivitäten konzentriert haben. Mittlerweile sind hier 25 Mitarbeiter plus fünf Azubis beschäftigt, weitere Fachkräfte werden derzeit angeheuert. Platz für Erweiterungen und andere Firmen ist noch: Rings um das heutige, kleinere Sachsenwerk, Polymer-Park und die anderen Unternehmen, die sich in alten Sachsenwerk-Immobilien angesiedelt haben, wuchern noch genug Hallen und andere Industriebauten vor sich hin und träumen von längst verklungenem Maschinenlärm.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.07.2014

Heiko Weckbrodt

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