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Lebenslust statt Blasenfrust - Dresdner Spezialisten bieten Netzwerk und helfen, Tabu über Inkontinenz zu brechen

Lebenslust statt Blasenfrust - Dresdner Spezialisten bieten Netzwerk und helfen, Tabu über Inkontinenz zu brechen

Inkontinenz ist noch immer ein Tabuthema. Viele Menschen schämen sich, wenn sie unkontrolliert Wasser lassen. In Dresden sind etwa 21 000 Menschen von Harninkontinenz betroffen.

Von Katrin Tominski

Das Netzwerk Beckenboden bietet mit dem Krankenhaus St. Joseph-Stift eine schnelle und interdisziplinäre Betreuung.

Nur wenige Menschen können sich an ihr erstes Mal auf dem Örtchen erinnern. Die Freude über das gelungene Geschäft hingegen versetzte Mütter oft in Jubelschreie und ambitionierte Fotografen-Väter in eine wahre Dokumentationseuphorie. Fast jeder kennt die Fotos vom ersten Mal auf dem eigenen Töpfchen. Dann sind aus den Kleinen die Großen geworden. Ganz ohne Windeln. Freudig und selbstbestimmt. Was aber, wenn aus den Großen wieder die Kleinen werden? Wenn der Gang zur Toilette zu lang und der Druck zu groß wird? Wenn sich der Urin zu früh verliert?

Noch immer gilt Inkontinenz als Tabuthema. Viele Betroffene schämen sich, vermeiden schwierige Situationen, verzichten auf Theater und Konzerte oder trauen sich gar nicht mehr vor die Tür. "Eine Beckenbodenschwäche ist keine lebensbedrohliche Krankheit", erklärt der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Axel Gatzweiler. "Dennoch ziehen sich Betroffene nicht selten vom aktiven und öffentlichen Leben zurück."

Mit Fachärzten aus der Urologie, Radiologie und Chirurgie sowie fünf niedergelassenen Arztpraxen arbeitet der Chefarzt zusammen im Netzwerk Beckenboden. Das Netzwerk haben die Spezialisten initiiert, um die Behandlung von inkontinenten Patienten zu verbessern. "Wir wollen die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten der einzelnen Disziplinen fördern und die Verbindungen zwischen ambulanter und stationärer Therapie intensivieren", erläutert Gatzweiler. Denn oft seien die Beschwerdebilder komplex, treten Funktionsstörungen von Blase, Darm und eine Scheidensenkung gleichzeitig auf.

Betroffen sind vor allem Frauen. Fünfmal mehr Dresdnerinnen als Dresdner leiden unter Harninkontinenz. Manche Mütter trifft es schon kurz nach der ersten Schwangerschaft. Dann verlieren sie Wasser beim Lachen, Husten, Laufen und Joggen. "Durch die Geburt können die Verschlussmechanismen der Blase gestört sein", erklärt Ulf Kopprasch, Dresdner Gynäkologe und Berater der Deutschen Kontinenzgesellschaft. Deswegen seien Beckenbodentraining und schonendes Verhalten für die Frauen nach der Entbindung so wichtig. "Schon allein schweres Heben führt zu einem enormen Druck auf den Bauch", konstatiert Kopprasch. Der Beckenboden aus Muskulatur und Bindegewebe, der die Bauchhöhle des Menschen nach unten schließt, hält die Harn- und Genitalorgane sowie den Darm in den korrekten Positionen.

Doch nicht nur Mütter gehören zur Risikogruppe der Inkontinenten, auch Übergewichtige oder Menschen mit einer allgemeinen Bindegewebeschwäche laufen Gefahr, die Kontrolle über ihre Blase zu verlieren. In der Regel betrifft Inkontinenz vor allem ältere Menschen. "Über 50 Prozent der Menschen in Pflegeheimen sind inkontinent", erklärt Gatzweiler. Weil die Menschen immer älter werden, steigt auch die Zahl der Patienten. "Eine vernünftige Behandlung kann Prävention im Alter sein", rät der Chefarzt. Patienten sollten nicht aus Scham auf eine Behandlung verzichten.

Durch das Netzwerk erfahren die Dresdner Patienten eine intensive Beratung und Betreuung. In interdisziplinären Fallbesprechungen, in der alle Befunde dargestellt werden, erstellen die Spezialisten ein genau auf den Patienten abgestimmtes Behandlungskonzept. Insgesamt 665 Eingriffe am Beckenboden wurden im vergangenen Jahr im Krankenhaus St. Joseph-Stift durchgeführt. Etwa 170 Operationen davon waren durch Inkontinenz begründet. "Es muss jedoch nicht immer eine Operation sein, manchmal hilft auch eine konservative Behandlung", erläutert Kopprasch. Dazu gehörten zum Beispiel ein Blasentraining, eine spezielle Physiotherapie oder auch das Einsetzen eines Pessars in die Scheide.

Nach einem Jahr Netzwerk Beckenboden zieht Kopprasch eine positive Bilanz: "Wir können unglaublich vielen Patienten helfen, ein erfülltes Leben zu führen", sagt der Arzt. "Viele Menschen denken, es ist Schicksal, doch Inkontinenz ist heilbar."

Chefarzt Gatzweiler ist froh, dass Betroffene öfter zum Arzt gehen und das Tabu aufbrechen: "Harninkontinenz wird heute weitaus weniger verschwiegen als vor zehn Jahren", sagt der Spezialist. "Immer mehr Menschen trauen sich heute aus der Defensive heraus." Das habe auch der vergangene Patiententag gezeigt. Über 150 Menschen sind damals gekommen, um sich öffentlich zu informieren.

Service

Information : Infos zum Patiententag Inkontinenz und Beckenboden am 20. Juni, 14-16 Uhr, Krankenhaus St. Joseph-Stift Tagungszentrum Clara-Wolff-Haus (3. Etage); Eintritt kostenlos

Kontakt : Anmeldung und Terminvergabe erfolgt durch Überweisung an einen der Netzwerkpartner in der jeweiligen Praxis oder im St-Joseph Stift; Netzwerk Beckenboden, Wintergartenstr. 15 /17, Mo. bis Fr. 8 bis 16 Uhr, Telefon: 44 40 52 36

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.04.2012

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