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Leben an der Maschine - 29-Jährige wartet in Dresden auf eine neue Niere

Leben an der Maschine - 29-Jährige wartet in Dresden auf eine neue Niere

In jeder Sekunde kann der Anruf kommen. Und damit die ersehnte Nachricht von einer passenden Spenderniere. „Ich habe das Handy Tag und Nacht bei mir“, sagt Stefanie Böttcher und tippt auf ihr Telefon, das neben ihr im Krankenhaus auf dem kleinen Tisch liegt.

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Stefanie Böttcher sitzt an einem Dialysegerät angeschlossen in einem Behandlungsraum des Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.

Quelle: dpa

„Ich bekomme Panik, wenn ich es irgendwo liegen lasse.“ Das Leben der 29-Jährigen hängt an einer Maschine. Dreimal pro Woche vier Stunden - so lange ist sie im Dresdner Uniklinikum an ein Dialysegerät angeschlossen, das ihr Blut von Schadstoffen reinigt. Ihre eigenen Nieren versagen schon lange den Dienst.

Im Alter von drei Jahren diagnostizierten die Ärzte eine seltene Viruserkrankung, die vor allem Organe befällt. Als mit 14 Jahren ihre Nieren versagten, erhielt Stefanie Böttcher nach nur einem halben Jahr Wartezeit eine Spenderniere. „Ich konnte ein fast normales Leben führen, das ist etwas ganz anderes als jetzt“, sagt sie und zeigt auf die Kabel und Schläuche, die aus ihrem Arm führen. Nach 14 Jahren versagte jedoch auch die neue Niere. „Spenderorgane haben eben ein Ablaufdatum“, sagt sie. Seither muss sie wieder zur Blutwäsche. Für Hobbys bleibt neben ihrem Halbtagsjob kaum Zeit, auch lange Urlaubsreisen sind schwierig. Wenn sie sich ein paar Tage freinimmt, muss immer ein Dialysezentrum in der Nähe sein.

So wie Stefanie Böttcher warten bundesweit rund 12.000 Menschen auf ein neues Organ - im Schnitt sieben Jahre. Umso schwerer wiegt der Skandal um mutmaßliche Manipulationen bei der Organvergabe an den Unikliniken Regensburg, Göttingen oder wie zuletzt in Leipzig. Das Leipziger Universitätsklinikum hatte eingeräumt, dass in der Vergangenheit in 38 Fällen falsche Angaben gemacht wurden, um Patienten schneller zu einer Spenderleber zu verhelfen.

„Das ist eine große Katastrophe, vor allem für die Patienten“, sagt Professor Christian Hugo, Nierenspezialist am Dresdner Uniklinikum. Die Organspende-Reform setze weiterhin auf eine aktive Erklärung zur Spende. „Und dafür ist eine positive Grundhaltung und das Vertrauen der Bevölkerung gefragt, das jetzt erschüttert ist.“ Es herrsche weiterhin eine massive Knappheit an Organen.

Das zeigen auch die Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Demnach ist die Zahl der Organspenden 2012 im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um 12,8 Prozent gesunken und hat damit den niedrigsten Stand seit 2002 erreicht.

 

Wenn der ersehnte Anruf der Stiftung Eurotransplant kommt, muss alles schnell gehen. „Ich habe auch schon Patienten mit Hilfe der Polizei suchen lassen oder aus dem Urlaub geholt“, erzählt Hugo. Das Organ kommt meist per Linienflug oder Auto, der Patient wird inzwischen auf die Operation vorbereitet. „Das Ganze sollte nicht länger als 24 Stunden dauern.“ Im Vorjahr gab es an der Dresdner Uniklinik 69 Nierentransplantationen - davon 15 Lebendnierenspenden.

„Ein Thema, das künftig auch hier eine größere Rolle spielen wird“, schätzt Hugo. In Skandinavien etwa liege der Anteil der Lebendspenden bei Nieren zwischen 40 und 50 Prozent, in Deutschland seien es bisher etwa 20 Prozent. Bei diesen Spenden gibt ein Lebender eine seiner Nieren an einen Patienten ab.

Stefanie Böttcher hofft, dass die quälende Ungewissheit bald vorüber ist - und dass ihr großer Traum in Erfüllung geht. „Ich möchte einmal mit meinem Freund zusammen nach New York fliegen“, sagt sie. „Das geht aber nur mit einer neuen Niere.“ Bis dahin hängt ihr Leben weiterhin an einer Maschine.

Von Christiane Raatz, dpa

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