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Lange Wartelisten für Dresdner Pflegeheim Bürgerwiese

Lange Wartelisten für Dresdner Pflegeheim Bürgerwiese

"Die Lage ist wunderbar", findet Heimleiter Thomas Mähler. Zu Fuß oder im Rollstuhl, den ein Drittel der Bewohner der Alloheim-Senioren-Residenz "Bürgerwiese" benötigt, können die alten Menschen den Großen Garten und den Zoo erreichen.

Von Genia Bleier

Sie sind auch relativ schnell am Hauptbahnhof, im Hygienemuseum, auf der Prager Straße oder am Altmarkt, wenn ihre Mobilität es zulässt. Der 2006 errichtete Neubau an der Mary-Wigman-Straße liegt ruhig und ist doch in das Leben der Stadt integriert. Hier verbringen 96 Personen mit einer Pflegestufe ihren Lebensabend. Ursprünglich wurde die Einrichtung 1964 als eines der ersten städtischen "Feierabendheime" in Dresden eröffnet, wie es damals hieß.

Mähler leitet die heutige Senioren-Residenz noch nicht ganz ein Jahr lang. Die 98-jährige Irma Weise lebt schon seit 22 Jahren hier und ist eine Institution. An den neuen Leiter musste sie sich erst gewöhnen. Die alte Dame nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie sei weltoffen und komme mit allen gut aus, sagt sie über sich. "Wir haben ein gemütliches Heim. Ich bin mit meinem Leben zufrieden." Wohl fühlt sie sich, wenn sie Gedichte oder Geschichten schreibt. Zwei dicke Hefter liegen neben ihr und beim Vorlesen braucht sie keine Brille. Die Seniorin hält sich geistig fit. Mit ihrer Kontaktfreude baut sie auch andere Bewohnerinnen auf.

Der Sohn, nun auch ein alter Herr von bald 80, lebt in der Schweiz, Ehemann und Tochter sind verstorben. So zog Irma Weise hierher. Immer aktiv, übernahm sie anfangs den Telefondienst und kümmerte sich um die Post. Von ihr stammen auch die kleinen Texte auf den Etagen, die nach Dresdner Sehenswürdigkeiten benannt sind.

Doch es gibt auch die Anderen. Diejenigen, die in ihrer eigenen Welt leben und solche, die dem Alter mit seinen Gebrechen mürrisch begegnen. Im Wohnbereich "Kronentor" im Erdgeschoss leben die schweren und mittelschweren Demenzkranken. Auf den Etagen darüber leben die anderen Senioren, unter denen auch leichtere Demenzfälle zu finden sind. Derzeit ist die älteste Bewohnerin 103 Jahre. Der 104 Jahre alte "Spitzenreiter", ein Dynamo-Fan, der noch ins Stadion ging, ist kürzlich verstorben.

Die Nachfrage ist hoch

Insgesamt verfügt das Haus über 72 Einzel- und zwölf Doppelzimmer. "Manche Ehepaare wollen lieber getrennt wohnen. Dafür gibt es auch Menschen, die nicht allein sein wollen", weiß Mähler. Der gebürtige Leipziger studierte Erziehungswissenschaften, Pflegewissenschaften und Pflegemanagement und war Pflegedienstleiter in einer Klinik für Psychiatrie und Neurologie. Im Heim "Bürgerwiese" werden alle Pflegestufen sowie auch Härtefälle mit Rundumbetreuung behandelt.

Der Bedarf sei hoch, Wartezeiten von mindestens einem Vierteljahr einzukalkulieren. Abgesehen von der demografischen Entwicklung ist die Nachfrage auch auf die Angebote der Einrichtung bei recht günstigen Preisen zurückzuführen. Der monatliche Eigenanteil beträgt je nach Pflegstufe 791,12 Euro, 881,70 Euro und 1171,50 Euro.

Rund 50 Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl der Betagten und Gebrechlichen. Auch die Dementen werden in vielfältige Aktivitäten einbezogen. In einer Integrativgruppe erleben Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen gegenseitige Hilfe und Förderung, stärken ihr Selbstwertgefühl. Ergotherapeutin Sibylle Funk bietet täglich ein wechselndes Programm wie Gedächtnistraining, Erinnerungsarbeit, Entspannungs- oder Bewegungsübungen. Auch Spaziergänge und Gesellschaftsspiele gehören dazu.

Ehrenamtliche packen mit an

Eine weitere Verbesserung der Lebensqualität wäre ohne ehrenamtliche und freiwillige Leistungen nicht möglich. So kümmert sich der Freundeskreis von 15 ehemaligen Mitarbeitern um weitere Extras. Auch das benachbarte Gymnasium Bürgerwiese lieferte solch einen Baustein. Im Rahmen ihres Projektes "Blickwinkel" lernten Schüler der 8. Klasse den Heimalltag kennen, brachten Abwechslung und wurden für soziale Belange sensibilisiert.

In diese Richtung zielt auch die Integrationsgesellschaft Sachsen gGmbH, die benachteiligte Jugendliche auf einen sozialen Beruf vorbereiten will. Zweimal im Monat helfen die jungen Leute bei Rollstuhlausflügen - ein kleiner Ersatz für die Zivis. Manchmal sind auch Krippenkinder und Schüler des Heinrich-Schütz-Konservatoriums zu Gast oder es melden sich ehrenamtliche Helfer über die Bürgerstiftung, berichtet Mähler.

Wichtigstes Anliegen ist ihm eine gute Pflege. 2011 vergab der Medizinische Dienst der Krankenkassen dem Heim "Bürgerwiese" die Gesamtnote 1,3. Für den Bereich Pflege/medizinische Betreuung gab es eine 1,6. In diesem Jahr will der Leiter das Ergebnis noch verbessern. Vielleicht kommt auch der Stammtisch von Angehörigen zustande, den sich Funk wünscht. Die Ergotherapeutin muss die schwierige Aufgabe meistern, zugleich Personal und Angehörige zu sein. Irma Weise wünscht sich einen Park hinterm Haus. Ob der Betreiber dafür offene Ohren hat, bleibt abzuwarten.

Noch kein Konzept für die benachbarten Bauruinen

1997 erwarb die Alloheim-Senioren-Residenzen AG per Erbbaurecht von der Stadt das Grundstück des ehemaligen Altenheims Seevorstadt-Ost zwischen Mary-Wigman/Dore-Hoyer-Straße und Bürgerwiese/Parkstraße. 2006 wurde der Neubau des Pflegeheims eröffnet. Daran sollte sich laut Stadtsprecherin Nora Jantzen der Neubau eines Altenwohnheims mit 46 Plätzen und 26 Appartements für Betreutes Wohnen anschließen. Die Baugenehmigung wurde im November 2005 erteilt. Bis jetzt existiert nur eine Bauruine.

Die ehemaligen, 1959/60 errichteten Bettenhäuser sollten vom Pächter saniert werden. Im Juni 2008 sei das Stadtplanungsamt über Entwicklungsabsichten informiert worden, so Jantzen. Seitdem habe sich nichts getan.

In einem der Altgebäude befinden sich 45 Plätze für arme Senioren ohne Pflegestufe. Ihr Aufenthalt wird vom Sozialamt bezahlt. 30 dieser Plätze sind derzeit belegt, informiert Heimleiter Thomas Mähler. Zu ihren Absichten für das Gesamtgelände äußert sich die Unternehmensleitung nicht. "Verschiedene Konzepte sind in der Diskussion", heißt es auf Anfrage der DNN.

Die Alloheim-Senioren-Residenzen AG mit Sitz in Düsseldorf betreibt 48 Einrichtungen in Deutschland, davon drei in Dresden: die Heime "Bürgerwiese", "Am Müllerbrunnen" und "Alte Mälzerei" in Kleinzschachwitz. Der Name Alloheim geht auf den Firmengründer Alois Mollik zurück, der von Freunden "Allo" genannt wurde. Die erste Senioren-Residenz öffnete 1973. G. B.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.02.2012

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