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Landesjugendorchester Sachsen feiert 20-jähriges Bestehen

Landesjugendorchester Sachsen feiert 20-jähriges Bestehen

Die 25-jährige Dresdnerin Luise Börner - seit ihrem 6. Lebensjahr erhielt sie Geigenunterricht am Heinrich-Schütz-Konservatorium und gehörte von 2004 bis 2007 zum LJO Sachsen - studiert seit 2007 Musikpädagogik Violine an der Dresdner Musikhochschule.

Die 25-jährige Dresdnerin Luise Börner - seit ihrem 6. Lebensjahr erhielt sie Geigenunterricht am Heinrich-Schütz-Konservatorium und gehörte von 2004 bis 2007 zum LJO Sachsen - studiert seit 2007 Musikpädagogik Violine an der Dresdner Musikhochschule. Anlässlich des Jubiläums blickt die Geigerin zurück und beschreibt, wie wertvoll und prägend für sie die Zeit im Landesjugendorchester gewesen ist.

Von Luise Börner

Im Frühsommer 2004 nahm ich am Probespiel für das LJO in der Musikhochschule Dresden teil und konnte tatsächlich einen Platz für die begehrte Herbsttournee nach Russland ergattern - das ließ mich anfangs noch ziemlich kalt, und erst im Nachhinein bin ich unglaublich dankbar, gerade für die Eindrücke während der Russlandreise. Je näher die Herbstferien rückten, in denen das erste Projekt starten sollte, desto nervöser wurde ich: Zum einen war das Programm schwierig, und zum anderen glaubte ich, noch niemanden aus dem Orchester zu kennen. Menschlich war innerhalb kürzester Zeit alles ganz wunderbar, aber in den Registerproben der 1. Geigen, geleitet von Herrn Prof. Tietze aus Berlin, war mir noch etwas unwohl zumute. Zum Glück verstand ich mich mit meiner Pultnachbarin sehr gut, und über die Jahre entwickelten wir uns zu einem bestens eingespielten Team - die unsauberen Töne wurden bei uns beiden immer seltener, wir haben gemeinsam Straßenmusik und Urlaub gemacht und später zusammen studiert.

Was macht nun aber dieses Orchester so einzigartig? 80 Jugendliche im Alter von 14 bis 24 Jahren aus allen Regionen Sachsens, in einer sich ständig ändernden Besetzung, die zweimal im Jahr innerhalb weniger Tage ein beachtliches Programm umsetzen - dabei müsste noch nichts Besonderes herauskommen. Im Gegensatz zu vielen professionellen Orchestern oder auch einem Hochschulorchester herrscht hier ein unbeschreiblicher Enthusiasmus: Von frühmorgens bis zum späten Abend wird selbst noch in den letzten Minuten hochkonzentriert gearbeitet (Ich erinnere mich an ein Probe mit Herrn Hentrich von 21 bis 22 Uhr nach einem anstrengenden Tag: Wir probten den langsamen Satz einer Sinfonie und sollten immer noch leiser und zarter spielen, während unsere bleischweren Arme sich bereits seit Stunden nach Entspannung sehnten - aber alle hatten den Willen, das jetzt noch zu schaffen!).

Die Konzerte haben eine besondere Energie, denn jeder auf der Bühne sitzt dort freiwillig und will sein Bestes geben und hat keinen "Dienst", sondern verbringt eine der schönsten Wochen im Jahr damit, sich für dieses gemeinsame musikalische Projekt zu verausgaben. Höhepunkte waren für mich Dvoráks 9. Sinfonie im Gewandhaus Leipzig, ein zypriotisches Lied, das auf der Zypernreise vom Publikum euphorisch mitgesungen wurde, Michael Nymans "And do they do", das sich vom anfänglichen "Hass-Stück" zum Favoriten entwickelte. Das Programm beinhaltet dank Herrn Kersten neben Wunschwerken des Orchesters und bekannteren Stücken zum Glück auch immer interessante moderne Werke und Uraufführungen. Ich denke, gerade Jugendliche sollten frühzeitig mit moderner Musik in Kontakt kommen - schließlich ist es die Musik ihrer Zeit!

Aber das Allerwichtigste sind wohl die Menschen, gemeinsame Erlebnisse - besonders bei den Konzertreisen, denn es gibt ja trotz hoher Arbeitsmoral noch andere spannende Verlockungen nach einer harten Probe. Und natürlich die entstehenden Freundschaften, ohne die mein Leben heute garantiert völlig anders aussehen würde. Wie viele andere würde ich wahrscheinlich auch nicht Musik studieren, wäre nicht als Praktikantin für sieben Monate an einer indischen Musikschule gewesen und würde nicht den Wunsch hegen, selbst einmal in einem solchen Orchester als Probenleiter mitzuarbeiten.

Ich bin gespannt, wie wir es zum Jubiläumskonzert wieder schaffen werden, innerhalb weniger Tage von einem passablen Blattspiel zu einer großartigen Konzertleistung zu kommen. Nur vor dem altbekannten "LJO-Loch", welches einen immer wieder nach einer intensiven Probenphase mit so vielen fabelhaften Menschen einholt, habe ich ein bisschen Angst. Aber das ist eben der Preis dafür, dass es immer so schön ist!

1992 gegründet; Träger: Sächsischer Musikrat; Finanzierung aus Mitteln des sächsischen Kunstministeriums

Dirigenten: 1992 bis 2000 Iwan Iwanow, Stefan Bilz und Reinhard Seehafer; seit 2001 Milko Kersten; Gastdirigenten: seit 2007 Alexander Mayer, Roland Kluttig, Michael Helmrath, Jörg-Peter Weigle

Dozenten: Musiker der Staatskapelle Dresden, des Gewandhausorchesters Leipzig, des MDR-Sinfonieorchesters, der Dresdner Philharmonie, der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz sowie Fachberater der Musikschulen

Bisher 43 Projekte & 6 CDs; regelmäßig Mitschnitte durch den MDR; von 1992 bis 2012: 171 Konzerte in Sachsen und ganz Deutschland

Konzertreisen: Polen, Russland, Ungarn, Italien, Großbritannien, Zypern, den USA, in Südafrika, China

www.saechsischer-musikrat.de

Musiker von

morgen und

"Die Welt

von gestern"

"Die Welt von gestern-" - Unter diesem Motto begeht das Landesjugendorchester Sachsen sein 20-jähriges Bestehen mit zwei Konzerten im Konzertsaal der Hochschule für Musik Dresden und im Gewandhaus Leipzig. Der Titel des berühmten Romans von Stefan Zweig stand auch über der Ausschreibung, mit der sich Komponisten für eine Uraufführung bei diesem Projekt bewerben durften. Und so spielt das seit 13 Jahren vom Dresdner Dirigenten Milko Kersten geleitete Orchester die Uraufführung "TIME BLAST" von Alexander Keuk, außerdem Schostakowitschs Sinfonie Nr. 15 und Szymanowskis 1916 entstandenes 1. Violinkonzert op. 35.

In dem Auftragswerk des Sächsischen Musikrats (seit 1992 Träger des LJO), geschrieben für "junge, faszinierende Musiker im Hinblick auf die Welt von morgen", so Keuk, gerät der eigene Blick des Komponisten zur Auseinandersetzung mit den drei Perspektiven gestern - heute - morgen: "Unabdingbar sitzt die Zeit mit am Tisch, mal als Freund des Verweilens, mal als Feind der Geschwindigkeit, des Vorüberziehens von Erinnerungen, aber auch als gegenwärtige Hatz. Drei Solisten in meinem Werk sind die Zeit-Geber, 'erinnern' an die Gegenwart, befördern Entwicklungen oder zerschlagen sie."

Diese Soloparts übernehmen die ehemaligen Orchestermitglieder Sophia Dimitrow (Violoncello), Yuriy Nepomnyashchiy (Klarinette) und Friedrich Müller (Horn), andere Ehemalige sitzen im Orchester. Am Konzertmeisterpult treten im Jubiläumsprogramm gleich drei Generationen in Erscheinung: Ehemalige, Abschiednehmende und Zukünftige. Und erstmalig spielen einige Dozenten in den Reihen des LJO, darunter in den 1. Violinen Alexander Butz (Gewandhausorchester Leipzig), bei den Celli Thomas Buder (Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz), bei den Kontrabässen Thomas Schicke (MDR Sinfonieorchester), bei den Blechbläsern Frank van Nooy (Staatskapelle Dresden).

Den Dozenten gilt - so Milko Kersten - "eine große Portion des Dankes, sind sie es doch, die über all die Jahre in wechselnder Besetzung und das ganze Spektrum der sächsischen Orchester- und Musikschullandschaft abdeckend, für die enorme Qualität des Orchesters gesorgt haben". Dem primus-inter-pares-Gedanken folgend ist zudem Prof. Albrecht Winter, langjähriger "Team-Chef" des LJO, als Solist zu erleben. Silke Fraikin

2.11., 19.30 Uhr Konzertsaal Dresdner Musikhochschule; 3.11., 19.30 Uhr Gewandhaus Leipzig. Vorverkauf bei www.reservix.de. Restkarten an der Abendkasse.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.10.2012

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