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Kunststoff-Bildschirmhersteller "Plastic Logic" setzt für seinen Neustart auf Dresden und stoppt den Fabrikneubau in Russland

Kunststoff-Bildschirmhersteller "Plastic Logic" setzt für seinen Neustart auf Dresden und stoppt den Fabrikneubau in Russland

Der Kunststoff-Bildschirmhersteller "Plastic Logic" (PL) hat den Bau seiner neuen Fabrik in Selenograd bei Moskau gestoppt. Das bestätigte der Dresdner PL-Manager Konrad Herre auf Anfrage.

Dresden . Als Grund nannte er das geänderte Geschäftsmodell des Unternehmens, das künftig nicht mehr selbst Lesegeräte für elektronische Bücher herstellt, sondern seine flexiblen Farbbildschirme anderen Endprodukt-Hersteller verkaufen will. Die Serienproduktion der neuen biegsamen Farb-Bildschirme von PL wird sich daher vorerst ganz auf das Dresden Werk konzentrieren - das jedoch auch Personal abgebaut hat.

Wieviele Dresdner Mitarbeiter PL seit der Verkündung des neuen Geschäftsmodells (DNN berichteten) vor einem Monat vor die Tür gesetzt hat, wollte Herre nicht mitteilen. Es dürfte sich aber etwa 30 bis 40 Beschäftigte gehandelt haben, jetzt sind hier noch rund 160 Mitarbeiter beschäftigt.

Entscheidend sei indes, dass in Dresden sowohl Forschung und Entwicklung, wie auch die Produktion erhalten bleiben, betonte Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) bei einem Besuch im PL-Werk. Nicht zuletzt sei das Unternehmen ein wichtiger Baustein für den Organikelektronik-Standort Dresden.

Das englischstämmige Unternehmen strebt nun einen Neustart an: Statt sich weiter als - betriebswirtschaftlich wenig erfolgreicher - eReader-Hersteller mit kompletter Wertschöpfungskette zu versuchen, wird die Firma zum Spezial-Display-Zulieferer. "Wir konzentrieren uns auf das, was wir am besten können: organische Elektronik und Displays", betonte Herre.

Und da hat sich PL in den vergangenen Monaten eine deutlich bessere Ausgangsbasis erarbeitet, um Hersteller von eReadern, Computertelefonen, Tablettcomputern, aber auch Auto-, Textil- und Werbebranche als Abnehmer zu gewinnen. Denn als - nach eigenen Angaben - erste Unternehmen am Markt kann PL biegsame Farbbildschirme auf Kunststoff-Basis anbieten, die sogar Videos darstellen können. Mit Bildschirmdiagonalen bis 10,7 Zoll (27 Zentimeter) hat PL die zudem derzeit größten Displays zum Lesen elektronischer Bücher ("eBooks") parat.

Auch übergroße Bildschirme im Großfernseher-Format stehen in den Startlöchern. Zudem arbeiten die PL-Ingenieure in Cambridge und Dresden derzeit am Ersatz siliziumbasierter Steuerelektronik durch Organik-Chips sowie an durchsichtigen Bildschirmen. Mit diesen Neuentwicklungen im Rücken, verhandelt PL nun mit potenziellen Kunden, die die biegsamen Bildschirme auf Sportkleider nähen (Beispiel: Pulsanzeige), in Riesenformaten als animierte Werbeplakate um Säulen kleben, superdünne eReader herstellen oder neuartige Chipkarten damit kreieren wollen.

Und vielleicht ist es bis zum wandfüllenden Fernseher oder der Wohnzimmertapete, die Naturfilme zeigt, doch nicht mehr so weit hin. Herre: "Unserer Technologie hat das Potenzial, um in großen Mengen billig im Rollenverfahren gedruckt zu werden - wie Tapete."

Und die Bildschirme widerstehen stärksten Strapazen. Testweise haben PL-Ingenieure ihre Bildschirme mit Scheren zerschnitten, mit Reißzwecken malträtiert, sogar beschossen - und sie funktionierten weiter.

Insofern sei der Exkurs der vergangenen Jahre, eigene Lesegeräte für digitale Schulbücher nach Russland zu verkaufen, nicht umsonst gewesen betont Herre. Zwar konnte das Unternehmen nur "ein paar Tausend Stück" absetzen. Um sich von der Abhängigkeit neuer Kapitalspritzen durch die Anteilseigner Amadeus, Oak, Rusnano, Intel und BASF zu befreien, reichten diese Umsätze nicht. "Aber wir haben damit eine Referenz erarbeitet, die zeigt, wieviel unsere Technologie aushält - und es gibt kaum etwas Strapazierenderes für einen eReader als den Schulalltag", so Herre.

PL war im Jahr 2000 als Ausgründung der Uni Cambdridge entstanden. Das Dresdner Werk entstand ab 2007 für rund 100 Millionen Euro - ein Teil davon waren staatliche Fördermittel.

Heiko Weckbrodt

Mehr Infos im Netz: computer-oiger.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.07.2012

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