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Künstler stellt „Fluchtauto“ ins Museum

Migration Künstler stellt „Fluchtauto“ ins Museum

Unter dem Titel „Nowhere is home“ stellt der syrisch-deutsche Künstler Manaf Halbouni im Verkehrsmuseum Dresden ein inszeniertes Fluchtauto aus. Es soll die Besucher anregen, über Flucht, Migration und Neuanfang zu reflektieren.

Sein „Fluchtauto“ hat Manaf Halbouni gepackt. Der Start ist klar, das Ziel noch offen.

Quelle: Peter Weckbrodt

Dresden.  Nowhere is home – Nirgendwo ist Heimat, sagt Manaf Halbouni. Es ist eine wenig ermutigende Lebenserfahrung, die der deutsch-syrische Künstler mit uns teilt. 1984 in Damaskus geboren, lebt er seit dem Jahr 2008 im Dresdner Süden. An der Hochschule für Bildende Künste ist Manaf Halbouni ein Meisterschüler von Professor Eberhard Bosslet, der den Lehrstuhl für Skulptur und Raumkonzepte leitet. Am Donnerstag absolviert Halbouni dort seinen Abschluss. Mit einem inszenierten Fluchtauto will er nun in der neuen Migrations-Ausstellung im Verkehrsmuseum eine Diskussion über Flucht und Neuanfang anstoßen.

„Im Januar 2015 habe ich begonnen, mich mit meinem als Fluchtauto erkennbaren Polo an jedem Montagabend auf dem Dresdner Theaterplatz zum Gedankenaustausch über das Thema ,Sachsen auf der Flucht’ gestellt“, erzählt Manaf Halbouni. „Meine Zielgruppe waren die Pegida-Anhänger. Das Resultat war deprimierend: Sie ließen mich zwar in Ruhe, aber ihnen fehlte auch jegliche Gesprächsbereitschaft. Nach etwa einem Vierteljahr habe ich aufgegeben“, resümiert er.

Besucher des Verkehrsmuseums haben bis Jahresende Gelegenheit, sich im Lichthof über Halbounis vollbeladenen Polo ihr eigenes Urteil zu fällen. Halbouni hat ein- und draufgepackt, was aus seiner Sicht ein Deutscher mitnehmen würde, wäre er zur Flucht gezwungen. Da fallen sofort die vielen Koffer auf, aber auch die großen Benzinkanister auf dem Beifahrersitz.

Damit ist klar, dass es dem Syrer um die Flucht des Einzelnen, nicht die einer ganzen Familie geht. Schon das regt zum Streitgespräch an: Muss der Kasten Radeberger unbedingt dabei sein, die vielen Teppiche und Läufer, die Lieblingsschmöker? Der wohl unverzichtbare Sanikasten ist nicht zu entdecken! Das Fahrrad in exponierter Lage auf der Dachmitte macht sich wiederum richtig gut. Also, der Denkanstöße setzt Halbouni genug.

Halbouni hat das Fachabitur in Elektrotechnik erworben und anschließend bis 2008 Bildhauerei in seiner Heimatstadt studiert. Der Übersiedlung, also keiner Flucht nach Deutschland, folgte von 2008 bis 2014 das Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.

Seitdem arbeitet er als freischaffender Künstler und hat bereits mehrere Ausstellungen mit seinen Arbeiten belegt: In der Dresdner Martin-Luther-Kirche stellte er im Vorjahr seinen Weisen „Alhakim“ vor. Ebenfalls 2015 war er im Londoner „Victoria & Albert Museum“ mit „Friday late night event“ präsent. In diesem Jahr wird er im „Royal Court Theater London“, im Museum der Friedensgemeinde Erlauf in Österreich und in der Galerie Katherina Raab in Berlin vertreten sein.

Sein „Fluchtauto“ war zuletzt in Leipzig zu sehen, mit der Resonanz sei er zufrieden. Für die Kinder sei es ein Riesenspaß gewesen, den stets weit offen stehenden Polo mit seinen vielen „Schätzen“ für sich zu entdecken, berichtet der Künstler.

– Kunstobjekt „Nowhere is Home – Nirgendwo ist Heimat“ im Lichthof des Verkehrsmuseums Dresden, Augustusstraße 1

– Eintritt zum Lichthof gratis

– Mehr Informationen über den Künstler: www.manaf-halbouni.com

Von Peter Weckbrodt

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