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Künftig müssen alle Sachsenweine zur Kontrolle

Freistaat greift beim Giftwein härter durch Künftig müssen alle Sachsenweine zur Kontrolle

Klare Linie im sächsischen Weinskandal: Alle Qualitäts- und Prädikatsweine werden künftig lückenlos auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln kontrolliert. Das hat gestern Sachsens Verbraucherschutzministerin Barbara Klepsch (CDU) in Dresden angekündigt. Die Landesuntersuchungsanstalt für Gesundheits- und Veterinärwesen wird verstärkt Weine und Rebflächen inspizieren, die Kosten für den Steuerzahler belaufen sich auf jährlich rund 100 000 Euro.

Der Skandal um sächsische Weine, die mit Pflanzenschutzmitteln belastet sind, hat inzwischen zu sinkenden Absatzzahlen bei einigen Winzern geführt. Jetzt verstärkt der Freistaat die Kontrollen.

Quelle: dpa

Dresden. Das erste Mal hat Sachsens Verbraucherschutzministerin Barbara Klepsch (CDU) sich öffentlich zum Weinskandal geäußert. Das aber klar und unmissverständlich: Alle sächsischen Qualitäts- und Prädikatsweine werden künftig lückenlos auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln kontrolliert, kündigte sie am Dienstag an. Zuständig dafür ist die Landesuntersuchungsanstalt für Gesundheits- und Veterinärwesen. Die Kontrollen der Weine und Rebflächen, die den Steuerzahler rund 100 000 Euro im Jahr kosten, sollen fahrlässigen oder vorsätzlichen Missbrauch von Pflanzenschutzmitteln im Weinbau verhindern.

Mehr als 90 Prozent der Sachsenweine werden mit der Neuregelung ab dem Jahrgang 2016 erfasst. Für die meistens einfacheren Landweine sollen die bisherigen Kontrollen engmaschiger gestrickt werden, so Klepsch. In sechs Kellereien waren in den vergangenen Monaten Weine mit Rückständen unerlaubter Insektizide und Fungizide entdeckt worden. Gegen einen weiteren Betrieb gibt es einen Anfangsverdacht. Damit ist knapp ein Zehntel der gewerblich arbeitenden 35 Haupt- und 39 Nebenerwerbswinzer im Anbaugebiet in die Affäre verstrickt.

Im Rahmen eines Sonderüberwachungsprogramms des Landes wurden 97 Weine aus 39 Betrieben auf jeweils gut 100 Wirkstoffe kontrolliert. Die Betriebe seien nach einer Risikoanalyse aus 48 Kellereien mit mehr als zehn Hektolitern Jahresproduktion ausgewählt worden, hieß es. Zwar tauchten keine weiteren Rückstände auf, für einen Schlussstrich unter die Affäre scheint es aber zu früh. Noch immer lagern vermutlich Tausende Liter kontaminierte Weine in den sechs Betrieben. Mit deutlichen Worten appellierte die Ministerin an die Unternehmen, die belasteten Weine freiwillig zu entsorgen und bereits abgefüllte und in den Handel gelangte Weine komplett zurückzuholen. Weil von den Weinen keine Gesundheitsgefahr ausgeht, können die Behörden die Entsorgung weder anordnen noch Weine oder betroffene Weingüter nennen. Als größter geschädigter Betrieb in der Affäre gilt die Winzergenossenschaft Meißen mit ihren 1500 schwer zu kontrollierenden Mitgliedern.

Der Weinbauverband Sachsen begrüßte die neuen Regelungen verhalten. Nach Angaben des Verbandes werden jedes Jahr mehr als 600 Qualitäts- und Prädikatsweine in Sachsen abgefüllt. Insgesamt seien 2300 Winzer aktiv, von denen viele jedoch nur Kleinstflächen bewirtschaften und ihre Trauben abliefern. Weniger als ein Prozent der Winzer, so der Verband, verstoße gegen die Pflanzenschutzvorschriften.

Georg zur Lippe, Inhaber von Sachsens größtem Weingut Schloss Proschwitz, befürwortet die vollumfängliche Weinüberwachung. Zugleich appelliert auch er an die Verantwortung der involvierten Betriebe. „Nur wenn ein klares Bekenntnis zur Betroffenheit und getätigten Maßnahmen sowie Entsorgung der Weine erfolgt, kann der Generalverdacht gegen die sächsischen Winzer entkräftet werden.“

Ministerin Klepsch verwies darauf, dass viele Weingüter am sinkenden Absatz die Verunsicherung der Verbraucher längst spürten. Sie sprach gar von einem „Neustart“, den die Winzer nun zu bewältigen hätten. Dazu müsse das Vertrauen der Weintrinker zurückgewonnen werden.

Von Lars Müller

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