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Kribbeln statt Schmerzen dank Strom – Elektrische Stimulation bringt Linderung

Uniklinikum Dresden Kribbeln statt Schmerzen dank Strom – Elektrische Stimulation bringt Linderung

„Ich war am Boden zerstört, richtig fertig“, erinnert sich Sylvia Hesse an die Zeit vor sechs Jahren. Neun schmerzgeplagte Jahre lagen da bereits hinter ihr – ausgelöst durch einen Bandscheibenvorfall. Es folgten zwei Operationen, verschiedene Behandlungen, hohe Dosen Morphium, aber die Schmerzen blieben. Erst ein Eingriff im Uniklinikum konnte der heute 50-Jährigen helfen.

Der behandelnde Arzt Dr. Amir Zolal (l.), Operateur Dr. Tareq Juratli und Patientin Sylvia Hesse mit dem Stimulator samt Elektrode und Fernbedienung.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. „Ich war am Boden zerstört, richtig fertig“, erinnert sich Sylvia Hesse an die Zeit vor sechs Jahren. Neun schmerzgeplagte Jahre lagen da bereits hinter ihr – ausgelöst durch einen Bandscheibenvorfall. Es folgten zwei Operationen, verschiedene Behandlungen und Therapien, hohe Dosen Morphium, aber die Schmerzen blieben. Narbengewebe, das sich nach den Eingriffen gebildet hatte, sorgte dafür, dass Sylvia Hesse weiterhin litt. Erst ein Eingriff im Uniklinikum konnte der heute 50-Jährigen helfen.

„Mein Schwiegersohn sagt immer, ich bin jetzt getunt“, lacht die Patientin. Höchsttechnologisch geht es tatsächlich seit sechs Jahren in ihrem Körper zu. Denn unter der Bauchdecke befindet sich ein Stimulator, der über Elektroden elektrische Impulse ans Rückenmark leitet. Die rückenmarksnahe Elektrostimulation (englisch: Spinal Cord Stimulation – SCS) wird seit 1995 am Uniklinikum angewandt. „Die Methode hat sich bei Patienten mit chronischen Schmerzen, bei denen keine andere Behandlung zum Erfolg geführt hat, bewährt“, erklärt Dr. Tareq Juratli, Funktionsoberarzt an der Klinik für Neurochirurgie.

Kommt ein Betroffener dafür in Frage, wird zunächst getestet, ob dieser Eingriff tatsächlich Linderung schafft. Dabei platzieren die Experten minimal-invasiv eine Elektrode im Spinalkanal direkt am Rückenmark und stimulieren von außen. „70 bis 80 Prozent der Patienten berichten dabei von einer Besserung“, so Dr. Juratli. Dann wird in einer Operation der Stimulator implantiert und an die bereits gelegte Elektrode angeschlossen. „Wir machen dabei nichts kaputt. Wir veröden nichts. Wir sorgen nur dafür, dass Schmerzsignale ans Gehirn unterdrückt werden, manipulieren also den Schmerz“, erklärt der Funktionsoberarzt. Wann und wieviel elektrische Impulse fließen, kann Sylvia Hesse ganz allein mit einer Fernbedienung entscheiden. Schaltet sie den Stimulator ein, kribbelt es angenehm im Bein, beschreibt sie.

Angst hatte sie vor der Operation nicht. „Es ging mir damals so schlecht, dass es mir egal war, was mit mir passiert. Hauptsache es wird besser. Ich hatte Angst, irgendwann im Rollstuhl zu sitzen“, so die 50-Jährige, die ihren Job als Altenpflegerin aufgeben musste. Auch heute ist sie nicht völlig schmerzfrei, die Ursache dafür ist nicht behoben. „Aber ich kann sie kontrollieren, ich bin mein eigener Herr“, so die 50-Jährige. Sie braucht kaum noch Medikamente, kann ganz normal ihre Hausarbeit verrichten und sich um ihre beiden erwachsenen Kinder kümmern.

Extreme sportliche Belastung und Nähe zu stärkeren elektromagnetischen Feldern – etwa bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen – muss Sylvia Hesse allerdings meiden. „Man arrangiert sich damit, und ich kann wieder besser leben“, so die Schönaerin, die mittlerweile in Bayern lebt.

20 bis 30 dieser SCS-Eingriffe werden jährlich im Uniklinikum durchgeführt. Es könnten mehr sein. Denn so richtig rumgesprochen hat sich die Methode bei Hausärzten und Schmerztherapeuten noch nicht, wie Dr. Juratli sagt.

Von Christin Grödel

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