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Kredite knacken 5-Milliarden-Grenze

Ostsächsische Sparkasse Dresden schließt auch 2016 keine Filialen Kredite knacken 5-Milliarden-Grenze

Mitten in der Nullzinswüste hat die Ostsächsische Sparkasse Dresden die Kosten fest im Griff. Im Verbund mit anderen Sparkassen hebt sie Synergien beim Zahlungsverkehr, reduziert über Altersteilzeitverträge moderat das Personal, baut das Kreditgeschäft überproportional aus und kann dank langfristiger Anlagen trotz des Einlagenüberschusses von fünf Milliarden Euro gewinnbringend arbeiten. Alle 100 Filialen sollen auch 2016 bestehen bleiben.

600 000 Privatkunden und 45 000 Firmenkunden lassen sich in Geldfragen von Ostdeutschlands größter Sparkasse, der Ostsächsischen Sparkasse betreuen. Als eine von fünf Sparkassen bundesweit hat sie keine einzige ihrer 100 Filialen geschlossen. Das soll auch 2016 so bleiben.

Quelle: dpa

Dresden. Mitten in der Nullzinswüste hat die Ostsächsische Sparkasse Dresden die Kosten fest im Griff. Im Verbund mit anderen Sparkassen hebt sie Synergien beim Zahlungsverkehr, reduziert über Altersteilzeitverträge moderat das Personal, baut das Kreditgeschäft überproportional aus und wirtschaftet dank langfristiger Anlagen trotz des Einlagenüberschusses von fünf Milliarden Euro gewinnbringend. Alle 100 Filialen sollen auch 2016 bestehen bleiben. Das erklärte der Vorstandsvorsitzende des Geldinstituts, Joachim Hoof, am Donnerstag, als er in Dresden die Zahlen für 2015 vorstellte.

Milliardenschwerer Einlagenüberschuss

Mit einer Bilanzsumme von 12,2 Milliarden Euro (2014: 11,9), 600 000 Privatkunden und 45 000 Firmenkunden behauptet sich die Sparkasse als Nummer eins unter den ostdeutschen Sparkassen und rückt im bundesweiten Ranking vor Rang sechs. Das Jahresergebnis (vor Risikovorsorge) in Höhe von 83,6 Millionen Euro (2014: 62,7 Millionen) floss erneut in die eigenen Reserven. Heißt, die Kommunen mussten wieder auf eine Dividende verzichten, profitierten aber von den 26,5 Millionen Euro Steuern. Rund 13 Millionen Euro kommen den Städten und Gemeinden über Gewerbesteuern unmittelbar zugute. Der Gewinn in Höhe von 20,6 Millionen Euro bewegt sich nahezu auf dem Vorjahreswert (20,56 Millionen).

Doch die Bilanz ist das eine, das andere die Zusammensetzung. Und da tut sich auch bei der Ostsächsische Sparkasse Dresden eine Schere auf, die in anderen Häusern bereits zu Filialschließungen und Mitarbeiterabbau geführt hat. Mit 10,1 Milliarden Euro Kundeneinlagen (+ 80 Millionen gegenüber 2014) und einem Kreditbestand von 5,1 Milliarden Euro (+ 500 Millionen) ergibt sich ein Einlagenüberhang von fünf Milliarden Euro. „Wenn wir den jetzt anlegen müssten, hätten wir in der Tat ein Problem“, sagt Hoof auf DNN-Nachfrage. „Doch zum Glück haben wir vorgesorgt und langfristig Papiere gezeichnet, bei denen vor dem Komma noch klar Zinsen zu erkennen sind“. Ob die ausreichen, um das von Fachleuten auf weitere zehn Jahre prognostizierte Zinstief zu überstehen, darf bezweifelt werden. Doch immerhin: Auch Fachleute können irren. Hoof stimmte in den Tenor des Sparkassen- und Giroverbandes ein und geißelte die EZB-Zinspolitik als schädlich – sowohl für Sparer wie auch für die deutschen Sozialversicherungssysteme.

Ebenso nachdrücklich kritisierte er die Eigenkapitalregeln, die sein Haus inzwischen zwingen, zwölf Prozent Eigenkapital vorzuhalten („Das haben wir geschafft!“). Und er warf dem Bund vor, bei den Verbraucherschutzregeln weit übers Ziel hinausgeschossen zu sein. „Nichts gegen Transparenz, Offenheit und Sicherheit“; so Hoof, „aber ein 20-seitiges Protokoll sei wohl in niemandes Interesse“.

Um als Bank durch unbenommen schwere Zeiten zu kommen, muss sich auch die Ostsächsische Sparkasse straffen. Zwar sägt sie nicht an ihren 100 Filialen, aber von den 1800 Mitarbeitern (inclusive Tochtergesellschaften) werden bis zum Jahr 2021 rund 250 über Altersteilzeit und natürliche Fluktuation das Unternehmen verlassen. „Die Verträge sind mit dem Personalrat ausgehandelt“, erklärte Hoof auf Nachfrage. Außerdem habe man Teile des Zahlungsverkehrs ans Backoffice der Sparkassen-Finanzgruppe, die Deutsche Servicegesellschaft für Finanzdienstleister (DSGF), ausgelagert.

„Hoffen auf lebendiges Kreditgeschäft“

Doch all das spart erstmal nur. Nach zwölf Jahren immer gleichen Kontoführungsgebühren will die Sparkasse daher von nächster Woche an die Angebote von fünf auf zehn Kontomodelle umstellen „Das ergibt eine stärkere Differenzierung“, erklärte Hoof. Manches werde billiger, manches teurer.

Neben solchen Erlösquellen und den gut dotierten Uralt-Anleihe müssen die Erträge aber wohl vor allem aus dem Brot-und Buttergeschäft der öffentlich-rechtlichen Bank kommen – der Kreditvergabe. Und hier tummeln sich inzwischen jede Menge Mitbewerber. Zwar hat die Sparkasse im vergangenen Jahr mit einem Nettoplus von 500 Millionen Euro im Kreditgeschäft wirklich kräftig zugelegt und sogar die Fünf-Milliarden-Grenze geknackt (5,1 Mrd). Doch „der Wettbewerb ist bretthart“, schildert Vorstand Heiko Lachmann den Kampf um investitionsbereite Kunden. „Wir haben uns da gut geschlagen, punkten mit Nähe und Tempo“. Auch bei den Firmenkunden liege der Vorteil auf der Hand: „Die kennen wir lange. Und wir begleiten auch die kleineren Projekte unter zwei Millionen Euro, für sich die von der Konkurrenz keiner auf den Weg macht“, so Lachmann. Vorstandschef Hoof sekundiert: „Wir hoffen auf ein lebendiges Kreditgeschäft“.

Die zugesagten Neukredite erreichten binnen Jahresfrist ein Volumen von knapp 1,4 Milliarden Euro, wovon der überwiegende Teil – 792 Millionen Euro – an Firmen der Region floss – zum Beispiel in die Produktionserweiterung der Heinrichstaler Milcherwerke in Radeberg und in einen IT-Dienstleister in Dresden-Gostritz.

„Preise für Immobilien noch fair“

Von den 500 Millionen neu ausgereichten Krediten im vergangenen Jahr flossen rund 471 Millionen an Privatkunden. Und davon wiederum 391 Millionen für den privaten Wohnungsbau. „Die Zinsen sind niedrig wie nie, die Preise noch fair“, bewertete Hoof den Immobilienmarkt in Dresden. Vom Bauboom profitierten auch Städte wie Freital, Bannewitz oder Radeberg, wo die Nachfrage nach Immobilien spürbar gestiegen sei.

Blue Code und paydirekt – Bank im Netz

Am Donnerstag hat die Sparkasse Dresden ihren neuen Internetauftritt freigegeben,, am 27. April steigt der ganze Sparkassenverband ins Bezahlsystem paydirekt ein. Dabei erfolgt der Datenaustausch nur zwischen Onlinehändler und Bank, ohne zusätzliche Einbindung eines Drittanbieters. Für den Herbst ist noch ein weiteres Bezahlverfahren in Vorbereitung: Noch in diesem Jahr soll das Bezahlen mittels Smartphone, dem sogenannte Blue Code, möglich sein. „Wir werden den Blue Code als erste ostdeutsche Sparkasse einführen und haben mit dem Konsum Dresden den ersten regionalen Partner gewonnen“, kündigte Hoof an. Blue Code ist ein in Österreich bereits erprobtes System, in Deutschland sind die Sparkassen Vorreiter, hoffen aber auf eine große Akzeptanz bei den Händlern.

Von Barbara Stock

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