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Krankenhausfusion: Ein Jahr Verzögerung kostet vier Millionen

Verwaltungsdirektor warnt Krankenhausfusion: Ein Jahr Verzögerung kostet vier Millionen

Die Städtischen Krankenhäuser Friedrichstadt und Neustadt sollen zu einem Klinikum fusionieren. Das ist erklärter politischer Wille, auch wenn es im Stadtrat noch unterschiedliche Auffassungen über das Tempo dieses Prozesses gibt.

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Quelle: sl

Dresden.  Die Städtischen Krankenhäuser Friedrichstadt und Neustadt sollen zu einem Klinikum fusionieren. Das ist erklärter politischer Wille, auch wenn es im Stadtrat noch unterschiedliche Auffassungen über das Tempo dieses Prozesses gibt. Im DNN-Interview erklärt Jürgen Richter, Verwaltungsdirektor der beiden Kliniken, die Vorzüge eines Zusammenschlusses, bei dem einer der größten Dresdner Betriebe mit über 3000 Beschäftigten entstehen würde.

Frage: Der Stadtrat hat die Verwaltung beauftragt, einen Zusammenschluss zu prüfen. Welchen Wunschtermin für die Fusion haben Sie?

Jürgen Richter: Wir streben eine Fusion zum 1. Januar 2017 an.

Welche Effekte hat ein Zusammenschluss der Städtischen Kliniken?

Wir gehen von mindestens drei positiven Effekten aus. Die Komplexität von Führung wird reduziert. Das erhöht die Geschwindigkeit vieler Entscheidungen. Wir benötigen nicht mehr zwei Direktorienbeschlüsse und die Entscheidungen mehrerer Mitbestimmungsgremien, die Führungsebene soll dann schlanker werden. Nach der Fusion würden wir als ein Krankenhaus im Sächsischen Krankenhausplan erscheinen, und zwar als Schwerpunktversorger. Bisher befindet sich nur Friedrichstadt im Schwerpunktversorgungsbereich und Neustadt ist Regelversorger. Die neue Darstellung würde deutlich machen, dass wir als Städtisches Klinikum eine zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung von Sachsen spielen. Wir hätten dann ungefähr den gleichen Anteil an Versorgungsaufträgen wie das Universitätsklinikum Dresden, das Maximalversorger ist. Schließlich kommt es auch zu den vielbeschworenen Synergieeffekten. Wir könnten zum Beispiel für Pflege oder Logistik einen kleinen Pool von Mitarbeitern für beide Standorte bilden, die Vertretungsdienste übernehmen. Im Moment ist der standortübergreifende Personaleinsatz sehr schwierig.

Was würde passieren, wenn über den Prüfungen Ihr Wunschtermin verstreicht?

Dann würden wir in den nächsten vier Jahren rund vier Millionen Euro verlieren. Im Durchschnitt eine Million Euro pro Jahr. Das hängt mit der Geschwindigkeit von Entscheidungen zusammen, die wir zu treffen haben.

Glauben Sie, dass der 1. Januar 2017 noch zu halten ist?

Wir tun unser Bestes. Vieles lässt sich ja parallel prüfen und dann auch gleich umsetzen. Wir versuchen, im Prüfprozess die Voraussetzungen für die Fusion zu schaffen.

Welche Größenordnung wird das Städtische Klinikum haben?

Wir werden ein Betrieb mit einem Jahresumsatz von über 290 Millionen Euro, werden über rund 1500 stationäre Betten verfügen und mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigen.

Die Krankenhäuser haben 2015 nach vielen Jahren mit Verlusten erstmals eine schwarze Null erwirtschaftet. Welche wirtschaftlichen Ziele steuern Sie an? Sollte man mit Krankenhäusern Gewinne erwirtschaften?

Unser Auftrag ist es nicht, Gewinne zu erwirtschaften, sondern Haushaltsrisiken zu begrenzen. Wir sind als Eigenbetrieb Teil des Haushaltes der Landeshauptstadt Dresden. Ziel muss es sein, unsere Kassenkredite zurückzuzahlen. Friedrichstadt hat bereits damit begonnen, Neustadt wird jetzt beginnen. Perspektivisch sollten wir nicht nur knapp über Null liegen, sondern uns unsere Investitionsmittel selbst erarbeiten. Krankenhausbau wird im Freistaat zu 80 Prozent gefördert, wir benötigen also 20 Prozent Eigenmittel. Da hat uns der städtische Haushalt einige Mal ausgeholfen und Kredite zur Verfügung gestellt.

Sehen Sie auch neue Geschäftsfelder, mit denen sich die Wirtschaftlichkeit des Klinikums erhöhen lässt?

Neue Geschäftsfelder identifizieren wir zuallererst, um die Versorgungssituation in Dresden und der Region zu verbessern.Aber nur ein Haus, das wächst, kann nachhaltige Wirtschaftlichkeit erreichen. Ich habe noch kein Krankenhaus gesehen, das sich gesundgespart hat. In einer wachsenden Stadt wächst auch der Bedarf an medizinischen Leistungen. Wir behandeln aber auch Patienten aus dem Umland, unser Adipositaszentrum ist beispielsweise auch für Ostsachsen zuständig. Für eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit müssen wir außerdem die Kosten in den patientenfernen Bereichen im den Griff behalten.

Welche großen Vorhaben stehen bei Ihnen in der nächsten Zeit an?

Der Umbau der Onkologie in Friedrichstadt im Haus L mit verbesserter Diagnostik und einer neuen Palliativstation steht vor dem Abschluss. Wir arbeiten am Neubau der Intensivstation in Neustadt und an der Sanierung des Hauses N in Friedrichstadt, in die die Neurochirurgie einziehen soll. Auf der Liste steht auch die Zusammenführung der IT-Systeme beider Häuser, die rund fünf Millionen Euro kosten wird.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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