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Konzentriert und schnörkellos: Evangelische Kirche Dresden-Rähnitz wird nun auch innen saniert

Konzentriert und schnörkellos: Evangelische Kirche Dresden-Rähnitz wird nun auch innen saniert

Ihr Gemeindeleben begannen die evangelisch-lutherischen Christen in Rähnitz mit der Sorge um die Toten. Einen Friedhof wollten sie Ende des 19. Jahrhunderts und eine eigene Kirche für die Bestattungsfeiern, damit sie dafür nicht mehr bis ins vier Kilometer entfernte Reichenberg mussten.

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Sakralkunst von Werner Juza - Pfarrerin Bettina Reinköster und der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Ingo Kuntzsch, in der Rähnitzer Kirche.

Quelle: Dietrich Flechtner

Von Gutsbesitzer Karl Schütze kauften sie ein Stück Land. Dann sammelten sie im ganzen Dorf Geld. Nach einem knappen Jahr hatten sie es zusammen. Sechs Monate darauf, im Februar 1899, konnte der Reichenberger Pfarrer Paul Gersdorf das Kirchlein für den Abschied von den Toten, die so genannte Parentationshalle, einweihen.

Allerdings hatten sie nicht damit gerechnet, dass ihr Gebäude zu klein werden könnte. Das aber ging so rasch, dass sie es keine fünf Jahre später wegreißen mussten, um eine neue, nun richtig große Kirche mit Platz für alle bauen zu können.

Dafür benötigten die flinken Bauleute lediglich drei Monate. Im Oktober 1904 stand sie. Und steht bis heute, mitten auf dem Friedhof an der Ludwig-Kossuth-Straße, umringt von Fichten und Linden. Die traditionelle Ost-West-Ausrichtung war damals schon lange kein Dogma mehr. So zeigt der Altar nach Südwesten, der schiefergedeckte Dachreiter nach Nordosten. Zum Rollfeld in Klotzsche, von wo die Flugzeuge mit dunkel dröhnenden Triebwerken über dem Gotteshaus hochziehen.

Etwa 750 Mitglieder hat die Gemeinde, der eine zweite Kirche gehört, ein Kilometer westlich in Wilschdorf, die 1243 erstmals erwähnte Christophoruskirche, eine der ältesten im Dresdner Stadtgebiet.

Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde ihre Rähnitzer Kirche zu einem Schmuckstück sanieren lassen. Neue Biberschwänze auf dem Dach, neues Glas in den Fenstern, frischer heller Putz an den Wänden, und auf dem Turm mit neuen Schieferschindeln eine in makellosem Gold glänzende Turmkugel mit Kreuz. Etwa 245.000 Euro hat alles gekostet. Sächsische Landeskirche und städtische Denkmalpflege übernahmen den größeren Teil. Etwa 10.000 Euro müssen sie noch an Spenden sammeln, wie Ingo Kuntzsch, Vorsitzender des Kirchenvorstandes berichtet.

Und schon bereiten sie den nächsten Schritt vor. Innen soll es weitergehen. Muss es unbedingt. Kuntzsch zeigt auf die Wände, von denen die Farbe abblättert. Unten verlaufen die dicken Rohre der altersschwachen Dampfheizung. Den Betonfußboden durchziehen Risse. Dabei ist das Kircheninnere ein modernes Gesamtkunstwerk. 1970 hat Werner Juza aus Wachau bei Radeberg alles neu gestaltet, in seiner schnörkellosen Art, ganz auf das Wesentliche konzentriert. Hat auf den Taufstein einen halbrunden Deckel aus Kupfer mit Kreuz obendrauf gesetzt und die Sakristeitür hinter dem Altartisch mit Kupfer beschlagen. Auch das Kreuz auf dem Altar ist eine Kupfertreibarbeit. Der gekreuzigte Christus daran erinnert an jenen auf Juzas monumentalem Wandgemälde "Versöhnung" in der Dresdner Dreikönigskirche. Keine Lichtgestalt, sondern ein zu Tode gequälter Mensch. Schließlich hatte der Prophet Jesaja im 53. Kapitel vorausgesagt: "Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte."

Links oben in einem ovalen Fenster hat Werner Juza in Buntglas dargestellt, was nach Kreuzigung und Auferstehung folgte: Pfingsten, die Ausgießung des Heiligen Geistes. Der hat die Gestalt einer Taube über roten Flammen. Die Orgel auf der Empore stammt aus der Werkstatt von Jehmlich in Dresden, ist allerdings inzwischen so kaputt, dass sie kaum noch spielbar ist. Erhaltenswert sei sie nicht, haben die Experten gesagt. Als Ersatz hat der Kirchenvorstand eine Kayser-Orgel aus Privatbesitz für symbolische 1000 Euro gekauft und eingelagert, wie Ingo Kuntzsch erzählt. Die ließe sich rekonstruieren und zu einem, wie der Orgelsachverständige meinte, "Instrumentchen von apartem Reiz" gestalten.

Bei der Sanierung soll es vorsichtige Veränderungen geben. Die Wichtigste: Die Kirchenbänke aus hellem Holz und Vierkant-Stahlrohr kommen raus. Statt dessen sollen Stühle aufgestellt werden, bei Bedarf auch Tische. Mehr Platz und mehr Möglichkeiten zum Variieren also. "Die Kirche soll unser neuer Raum werden, wo sich Kinder- und Jugendgruppen, Konfirmanden, Kurrende, Chor oder auch die ganze Gemeinde treffen", sagt Bettina Reinköster. Sie vertritt Gemeindepfarrerin Carmen Kindler während der Elternzeit. Bislang haben sie nur das alte Wilschdorfer Gemeindehaus. In dessen einzigen größeren Raum passen aber nur etwa 40 Leute. Die Rähnitzer Kirche hingegen hat etwa 240 Plätze. Außerdem ist das Gemeindehaus feucht. Die Gemeinde will es verkaufen.

Die Rähnitzer Kirche wollen sie auch für Konzerte und Aufführungen nutzen. Deshalb sollen moderne Beleuchtung und Tontechnik installiert werden. Auf 380.000 Euro schätzen sie die Kosten. Jetzt müssten die Details geplant und die nötigen Anträge gestellt werden, sagt Bettina Reinköster. "Aber spätestens 2017 würden wir gern fertig sein."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.03.2015

Tomas Gärtner

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