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Kokain, Crystal und THC bestimmten das Leben von Robert aus Dresden - seit sechs Jahren ist er clean

Kokain, Crystal und THC bestimmten das Leben von Robert aus Dresden - seit sechs Jahren ist er clean

Alles begann mit einer Zigarette: Robert (Name geändert) wohnte in Berlin-Marzahn, wollte cool sein und zu den Älteren gehören. Er war gerade mal zwölf Jahre alt, als er sich von seinem älteren Bruder eine Kippe erbettelte.

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Heute ist Robert froh, dass er den Drogen entkommen ist. Er weiß, ohne fremde Hilfe hätte er das aber nie geschafft.

Quelle: Dietrich Flechtner

Danach klaute er heimlich von der Mutter Zigaretten und "übte" das Rauchen. Um noch cooler zu wirken, begann er Alkohol zu trinken - und das war nur der Anfang...

Haschisch, Ecstasy und Koks

Mit 13 Jahren rauchte Robert zum ersten Mal Tetrahydrocannabinol (THC), den Wirkstoff von Cannabis. Mit 16 konsumierte er bereits ein Gramm am Tag. Es kamen Ecstasy, Speed und Kokain dazu. Auf Schule hatte der Jugendliche keine Lust mehr. "Eigentlich habe ich nur einen Siebte-Klasse-Abschluss", gesteht der 31-Jährige, der heute in Dresden lebt. Das Geld für Drogen verdiente er sich mit Autowäsche. "Ich war zufrieden und dachte, so kann es weitergehen."

Mit 17 Jahren wurde er zur Musterung geladen. "Ich habe angegeben, dass ich keine Drogen nehme, weil ich unbedingt zum Bund wollte", erklärt Robert. Die Bundeswehr brachte Struktur in seinen Alltag. Er fühlte sich gebraucht und bekam Anerkennung. Den Drogenkonsum stellte der gebürtige Berliner ein. 1999 ging er eine Woche nach Kriegsende freiwillig in den Kosovo. Was er dort erlebte, erschütterte ihn zutiefst: "Wir mussten ganze Leichenfelder ausheben." Als er im Februar 2000 nach Berlin zurückkehrte, mietete er sich eine Wohnung und verprasste sein ganzes Geld.

Der Einsatz im Kosovo hinterließ psychische Spuren. "Ich habe zwar eine Therapie angeboten bekommen, aber die wollte ich nicht", erzählt Robert. Damit die Bilder aus seinem Kopf verschwinden, nimmt er wieder Drogen - sehr zum Ärger seiner damaligen Freundin, die sich letztendlich von ihm trennte. Über Ostern flüchtete er deswegen nach Chemnitz, wollte ein neues Leben zu beginnen.

Nur wenig später lernte er seine künftige - crystalabhängige - Freundin kennen. Er begann eine Karriere als Drogendealer. "Irgendwann wollten wir mit dem Crystal aufhören und unser Leben in den Griff bekommen", erzählt Robert. Gesagt, getan. Er begann 2003 sogar eine Lehre zum Tischler. Der THC-Verbrauch des jungen Mannes stieg allerdings auf 20 Gramm pro Tag. Zum Vergleich: Einen normalen Menschen würde diese Menge töten.

Aus dem Junkie wird ein Dealer

Nach einem weiteren Beziehungsaus fiel der Junkie erneut in ein tiefes Loch. Mit einem Kasten Bier und 140 Gramm THC schloss er sich für eine Woche in seine Wohnung ein. Wenig später begann er wieder zu dealen und versank erneut im Drogensumpf. "Ich habe damals alles verkauft außer Heroin", gesteht Robert. Beim Verkauf blieb es allerdings nicht. Täglich konsumierte er 20 Gramm THC und jeweils bis zu zwei Gramm Kokain und Crystal. Zwei Wochen ohne Schlaf, nachts der Drogenverkauf - das war sein Alltag. "Crystalkristalle waren für mich die Schuppen des Teufels. So hat es sich zumindest angefühlt", erklärt der 31-Jährige.

Wieder wollte er aufhören und zog in ein anderes Viertel, um neu anfangen zu können. Doch ohne den Drogenverkauf fehlte ihm Geld. Er begann in Wohnungen einzubrechen. "Unter Drogen denkt man nicht darüber nach", erklärt Robert. Doch wie es so ist, wurde der Drogenabhängige bei einem Einbruch erwischt und von der Polizei verhaftet. Am 26. Oktober 2005 wurde er wegen räuberischer Erpressung, Diebstahl und Nötigung zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Der Weg raus aus dem Sumpf

Der Freiheitsentzug änderte sein Leben: Seit seiner Inhaftierung hat Robert bis heute keine Drogen mehr konsumiert. Doch der Weg dahin war schwer. Robert absolvierte ab Juli 2006 in Leipzig einen Maßregelvollzug, eine Suchttherapie unter Gefängnisbedingungen. Mehrmals wollte er aufgeben, kämpfte aber weiter für ein besseres Leben. Im Sommer 2009 bekam er die Chance, in Dresden beim Radebeuler Sozialprojekt seinen Willen während eines Probewohnens unter Beweis zu stellen.

Da der junge Mann eigentlich noch inhaftiert war, erhielt er von seinem Maßregler strenge Auflagen. Das Radebeuler Sozialprojekt stellte ihm außerdem die Aufgabe, sich ein Praktikum zu suchen. Im September 2009 erhielt er eins bei Ikea. "Man hat sich für mich eingesetzt. Beim Bewerbungsgespräch war ich ehrlich und habe alles über meine Vergangenheit erzählt", berichtet Robert. Trotzdem gab ihm das Möbelhaus eine Chance - und die nutzte er. Für seine Arbeit bekam er Gutscheine von Ikea, mit denen er sich im Januar 2010 eine eigene Wohnung einrichten konnte. Einen Monat vorher war er aus dem Maßregelvollzug entlassen worden.

Mittlerweile ist Robert im zweiten Lehrjahr bei Ikea. In der Berufsschule ist er ein aufmerksamer Schüler und hat einen guten Notendurchschnitt. Der Dresdner hat sein Leben in den Griff bekommen und ist nun seit sechs Jahren, vier Monaten und 19 Tagen clean - und möchte es auch bleiben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.03.2012

Nadine Steinmann

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