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Knapp 800 Asylbewerber leben in der Zeltstadt - Viele Dresdner bieten Hilfe und spenden

Knapp 800 Asylbewerber leben in der Zeltstadt - Viele Dresdner bieten Hilfe und spenden

Fast drei Viertel aller Betten in der Asylbewerber-Zeltstadt an der Bremer Straße sind seit Sonntag belegt. Nachdem am Freitag etwas mehr als 400 Flüchtlinge in fünf Bussen eintrafen, kamen am Sonnabend noch einmal etwa 250 und am gestrigen Sonntag weitere 60 Asylbewerber an.

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Zeltstadt von Dresden: Bis zu 800 vor allem aus Syrien kommende Menschen will die sächsische Landeshauptstadt dort aufnehmen. Betreiber des Lagers ist das Deutsche Rote Kreuz.

Quelle: Roland Halkasch

Parallel dazu gingen die Aufbauarbeiten weiter, zuletzt kam am Sonnabend noch ein großes Küchenzelt dazu. „Gemessen an dem, was zu machen ist in den Stunden, die wir hatten, sind wir zufrieden“, ordnete DRK-Landeschef Rüdiger Unger das Erreichte ein. „Dafür würde man normalerweise zwei bis zweieinhalb Wochen brauchen. Innenstaatssekretär Michael Wilhelm, der sich gestern Abend zusammen mit Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) in der Zeltstadt umsah, lobte wiederholt die Einsatzbereitschaft vom Technischen Hilfswerk und dem DRK und betonte außerdem: Die Hilfsbereitschaft der Dresdner gegenüber den Flüchtlingen zeige zum Beispiel die Menge der Spenden, die bis gestern Nachmittag eingegangen waren.

Zu diesem Zeitpunkt nahm die Organisation „Dresden für Alle“, die ein provisorisches Lager beim DRK an der Bremer Straße eingerichtet hat, keine Spenden mehr entgegen. Die etwa 50 Helfer waren damit beschäftigt, die eingegangenen Spenden zu sortieren und so aufzubereiten, dass sie schnell und gezielt ausgegeben werden können. „Man spürt die Erfahrung des DRK“, lobte Eric Hattke, Sprecher von „Dresden für Alle“, die Zusammenarbeit mit den Rettungsprofis. Das Spielzeug von Emilia Scheibe war da schon einsortiert. Die Sechsjährige kam am Nachmittag mit ihren Eltern und zwei Geschwistern zum DRK geradelt. „Ich habe Stifte mitgebracht“, erzählte sie, auch Malbücher für die Flüchtlingskinder hatte die Familie aus der Friedrichstadt im Gepäck. Dazu Kinderkleidung. „Das haben wir heute früh eingepackt“, sagte Emilias Mutter Judith Scheibe.

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Eindrücke von der Zeltstadt für Flüchtlinge an der Bremer Straße in Dresden.

Zur Bildergalerie

Nicht nur Helfer wie diese Familie unterstützen die Ehrenamtlichen vor Ort bei ihrem Einsatz. Auch der Verein Deutsch-Kurdische Begegnungen wurde aktiv. Die Vereinsmitglieder organisierten einen Fahrdienst und luden Asylbewerber zu sich nach Pieschen ein. „Wir haben gekocht, bei uns gibt es warmes Essen und Kleidung für die Flüchtlinge“, erzählte der 23-jährige Ferat Boynukara, der seit 13 Jahren in Deutschland lebt und mit seinem Privatauto beim Fahrdienst mitmachte. In großen Trauben warteten die Asylbewerber draußen vor dem Tor der Zeltstadt geduldig auf die Autos.

Darunter waren immer auch Männer und Frauen, die bereitwillig Auskunft gaben über ihren bisherigen Weg. Wie Hamzh Nasri aus Syrien. Der 31-Jährige ist über die Türkei, Griechenland und den Balkan nach Deutschland geflüchtet. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Chemnitz kam er vor einem Monat nach Freital – während des Höhepunktes der dortigen Anti-Asyl-Proteste. Jetzt lebt er in der Zeltstadt. „Man hat uns gesagt, dass wir die Zelte nach einer Woche wieder verlassen können. Ich möchte allen danken, die uns in dieser schwierigen Situation helfen“, sagte Nasri und fügte hinzu: „Die Proteste gegen uns kann ich nicht verstehen. Ich habe niemandem etwas getan. Derartige Unruhen kenne ich aus meiner Heimatstadt Damaskus.“

Nach den [link:700-NR_DNN_95486-1], bei denen laut Polizei Teilnehmer einer NPD-Versammlung mit Flaschen, Knallern und einer Warnbake geworfen und drei Menschen verletzt haben, blieb es am Wochenende ruhig. Die Beamten hatten sich auf dem Fußweg gegenüber dem Zeltstadt-Eingang postiert, dort standen auch immer wieder Asylkritiker, unter anderem Pegida-Vertreter. Auf der anderen Straßenseite hielten sich zumeist die Unterstützer der Asylbewerber auf. Gestern war es dort zeitweise aber menschenleer.

Unterdessen lobten und kritisierten Politiker – je nach Couleur – das Verhalten der Demonstranten und den Einsatz der Polizei. Wilhelm erneuerte  mit Blick auf die für Montag angekündigte Pegida-Demonstration seine Forderung, die Asylbewerber in Ruhe zu lassen. „Sie haben genug Schlimmes erlebt.“

Was passiert am Montag?

Wie sich die Belegungszahlen in der Zeltstadt weiter entwickeln und was ringsum passiert, kann man im Internet nachlesen. Alle Webanbieter haben sich dabei auf den Hashtag „#ZeltstaDD“ geeinigt.

Das Bündnis Dresden Nazifrei kündigte für Montag eine Demonstration an, die um 19 Uhr am Bahnhof Dresden-Mitte beginnen und zur Bremer Straße führen soll. „Falls nötig, wird die Anmeldung bis in die Nacht hinein aufrechterhalten, so dass der Schutz der Zeltstadt gewährleistet werden kann“, so die Verantwortlichen.

Auch die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) gehen Montag wieder auf die Straße. Diese Veranstaltung beginnt schon etwas früher und findet auf dem Altmarkt statt.

Christoph Springer

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