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Kluges Licht statt Pillen hält Senioren bei Laune

Kluges Licht statt Pillen hält Senioren bei Laune

Mit Lichttricks aus dem Computer wollen Dresdner Elektroniker in Altenheimen dafür sorgen, dass müde Senioren tagsüber mehr auf die Reihe kriegen und aufgeregte Rentner weniger Beruhigungs-Pillen schlucken müssen.

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Das Entwicklungs-Technikum hat rund 1,2 Millionen Euro gekostet und verfügt auch über eine Reinraum-Produktion.

Quelle: Norbert Neumann

Um solche biometrischen LED-Systeme zu entwickeln, schmiedet das Technologie-Unternehmen "Electronic Components Dresden" (ECD) derzeit ein Konsortium mit TU-Forschern und weiteren Partnern. Gefertigt werden sollen die photonischen Muntermacher unter anderem in einem neuen, rund 1,2 Millionen Euro teuren Reinraum-Technikum, das die ECD morgen im Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee offiziell einweiht.

Die physiologischen und psychologischen Muster hinter dem Konzept sind schon länger bekannt: Warmes Licht mit einem hohen Rot-Anteil wie bei einem nahenden Sonnen-Untergang signalisiert unserem Unterbewusstsein, dass es Abend wird und wir unser Hirn in den Ruhemodus umschalten können. Kühles Licht mit starken Blaukomponenten wie an einem Sommer-Morgen erhöht dagegen unser Aktivitäts-Niveau.

Die Dresdner Tüftler wollen Seniorenheime nun mit Leuchtdioden (LED) ausstatten, deren Farbtemperatur elektronisch regulierbar ist. Ein Zentralcomputer im Heim sorgt dann dafür, dass tagsüber Blau-Anteile in die künstliche Beleuchtung eingemischt werden, abends folgt die Rotlicht-Bestrahlung - und verstärkt damit die Effekte des natürlichen Außenlichts. "Untersuchungen haben gezeigt, dass dadurch zum Beispiel die Medikation unruhiger Senioren halbiert werden kann, sie sind dann weniger von Schlafmitteln und Beruhigungsmitteln abhängig", berichtet ECD-Chef Klaus Peter Orth.

Zudem könne eine intelligente Lichtsteuerung in Büros zu einer Leistungs-Steigerung der Mitarbeiter führen, meint Orth. "Das funktioniert aber nur, wenn man richtig regelt und es nicht übertreibt", betont der 56-jährige Elektronik-Ingenieur. Übersteuere man den muntermachenden Blau-Anteil im Bürolicht, während draußen die Sonne rötlich untergeht, führe dies eher zu Stress.

Eine manuelle Vorstufe dieser Technik steht kurz vor der Markteinführung: Für dieser ECD-Lösung können Büro-LED-Leuchten per Computertelefon-Programm (Smartphone-App) in verschiedenen Farbtönen, in Kalt- oder Warmweiß von Hand gesteuert werden. Übertragen werden die Signale über eine bei ECD entwickelte WLAN-Funkbox an einem Beleuchtungs-Rechner.

Von solchen LED-Systemen erhofft sich Orth einen starken Schub für die Firma. Inzwischen macht dieses Geschäftsfeld ein Drittel des Umsatzes aus - der Rest erlöst ECD mit GPS-Diebstahlsicherungen für Laster und Züge, Auftrags-Elektronik und Kabelkonfektionierung. Für dieses Jahr rechnet der Chef mit über vier Millionen Euro Umsatz (+ 21 Prozent zum Vorjahr), für 2015 mit rund fünf Millionen.

Gegründet hatte Orth die ECD am 1997, heute beschäftigt er im Gewerbegebiet Gittersee 48 feste Mitarbeiter und fünf Azubis. Davon kamen erst kürzlich sieben neue Leute an Bord, um das neue Entwicklungs-Technikum zu verstärken. Baubeginn an der Heidelberger Straße war im Dezember 2013. Der Zweigeschosser umfasst 600 Quadratmeter Nutzfläche mit Entwickler-Büros, Laboren und einer Reinraum-Produktionshalle. Die Hälfte der 1,2-Millionen-Euro-Investition wurde durch Fördergelder finanziert. Orth: "So einen hohen Fördersatz haben wir aber auch nur bekommen, weil wir als sehr innovatives Unternehmen eingestuft worden sind."

ecd-online.de und computer-oiger.de (Video)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.09.2014

Heiko Weckbrodt

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