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Kluge Köpfe in Dresden behalten

Sozialwissenschaftler wollen besondere Personalberatung auf die Beine stellen Kluge Köpfe in Dresden behalten

Ausländische Absolventen und Doktoranden stehen oft vor dem Nichts, wenn sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Neun junge Dresdner wollen das ändern und Wissenschaftler in die Wirtschaft vermitteln. Im November müssen sie sich entscheiden, ob sie ein Unternehmen gründen.

Kluge Köpfe in der Stadt behalten: Janett Krätzschmar-König (li.) und Anke Wagner.

Quelle: Anja Schneider

Dresden, . „Qualifizierte Zuwanderung“ – mit diesem Thema befasst sich die Sozialwissenschaftlerin Anke Wagner seit 2009. Begriffe wie Demographie, Fachkräftebedarf und Arbeitsmarktmigration haben die Doktorandin lange in der Theorie begleitet. Jetzt will die Forscherin den Sprung in die Praxis wagen. „SciB“ heißt ihr anspruchsvolles Projekt, das sie mit acht Mitstreiterinnen und Mitstreitern ins Leben gerufen hat. „Scientists into Business“ bedeutet die Abkürzung – Wissenschaftler in die Wirtschaft.

Dass das Projekt einen englischen Namen trägt, ist Programm. Es wendet sich an ausländische Studienabsolventen, Doktoranden, Forscher, Wissenschaftler. Die Idee: Während es für Bürger der Europäischen Union keine Beschränkungen auf dem Arbeitsmarkt gibt, haben Bürger aus Drittstaaten große Probleme, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Jahr für Jahr verlassen perfekt ausgebildete ausländische Studenten die Technische Universität Dresden, laufen befristete Stellen für Doktoranden aus, gehen Drittmittelprojekte zu Ende. „Viele von den hochqualifizierten Ausländern müssen dann Deutschland wieder verlassen. Wir wollen ihnen helfen, auf dem Arbeitsmarkt in Dresden Fuß zu fassen“, erklärt Wagner das Geschäftsmodell.

Auf der anderen Seite hätten es am Technologiestandort Dresden viele Unternehmen schwer, geeignetes Fachpersonal zu finden. Dabei will „SciB“ die Unternehmer unterstützen und hochqualifizierte ausländische Mitarbeiter vermitteln. Was einfach klingt, ist in der Praxis aber kompliziert: Die Mühlen der deutschen Bürokratie mahlen stetig und bauen enorme Hürden auf. Die ausländischen Studienabsolventen und Forscher beim Überwinden der Hindernisse zu begleiten, hat sich Anke Wagner mit ihren Kollegen auf die Fahnen geschrieben. So ist neben einer Arbeitspsychologin auch ein Jurist an Bord, der sich im Ausländerrecht auskennt.

Die Mitarbeiter sollen dabei so trainiert und geschult werden, dass sie optimal in den Unternehmen eingesetzt werden können. Das Ah und Oh dabei sind Deutschkenntnisse, weiß Janett Krätzschmar-König, eine der Mitstreiterinnen von Wagner. „Wir werden bei Bedarf Intensivkurse vermitteln, in denen innerhalb von drei Monaten Grundkenntnisse von den Betreffenden erworben werden können.“

Alle neun „SciB“-Teammitglieder haben ihre persönlichen Netzwerke genutzt, um das Projekt bekannt zu machen. Kontakte zum „Welcome Center“ der Landeshauptstadt und der TU Dresden, zum Industrieclub, Forschungsnetzwerken und -clustern sollen „SciB“ den Marktzugang ermöglichen. „Wir wissen, dass wir uns in einer Nische bewegen. Wir übernehmen aber auch gesellschaftliche Verantwortung“, so Wagner, „es wäre bitter für den Standort, wenn hier ausgebildete kluge Köpfe abwandern.“

Das Projekt wird von der Heinz Nixdorf Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft gefördert. 24 Teams aus ganz Deutschland hatten sich um diese Unterstützung beworben, sieben wurden ausgewählt darunter auch „SciB“. 15 000 Euro beträgt das Budget, außerdem wird das Projekt fachlich unterstützt. „Wir haben zwei Gründercoaches zur Seite gestellt bekommen und müssen monatlich Bericht erstatten“, erklärt Wagner. Das Team absolviert so ein Lern- und Bildungsprogramm zum Thema Gründung und wird bald seinen ersten Businessplan fertigstellen.

Die erste Vermittlung hat „SciB“ längst erledigt, ein Technologieunternehmen hat eine studentische Hilfskraft eingestellt. Vermittlungshonorare sind die Einkünfte des Projekts – wenn es sich als Unternehmen gründet. „Das haben wir noch nicht entschieden. Die Förderung läuft bis Mitte November. Bis dahin müssen wir uns selbst hinterfragen, ob wir den Sprung wagen wollen“, so Wagner. „Will man sein eigener Chef sein und etwas aufbauen und gleichzeitig dafür Sorge tragen, dass andere in Lohn und Brot kommen? Das hat seinen Reiz“, erklärt Krätzschmar-König ihren Antrieb, bei „SciB“ mitzuarbeiten.

„Ich habe mir Mitstreiter gesucht, die sich in einer ähnlichen Situation wie ich befinden“, erklärt Wagner, wie sie zu ihrem Team gekommen ist, „Es sind Menschen, die Ehrenamt, Beruf, Promotion oder Studium und oft auch Kinder unter einen Hut bringen müssen“, so die junge Frau, die für die CDU im Stadtrat sitzt. „Wir müssen alle effektiv mit unserer Zeit umgehen. Vielleicht ist das der Schlüssel für ein effizientes Unternehmen.“

Unternehmen und Wissenschaftler finden SciB unter www.scientists-into-business.de; www.facebook.com/scientistsintobusiness; unternehmen@scientists-into-business.de; bewerber@scientists-into-business.de

Von Thomas Baumann-Hartwig

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