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Klassenkampf in linker Szenekneipe - das "Trotzdem" in der Neustadt wird bestreikt

Klassenkampf in linker Szenekneipe - das "Trotzdem" in der Neustadt wird bestreikt

Die linke Szenekneipe "Trotzdem" auf der Alaunstraße in der Inneren Neustadt ist derzeit eine No-go-Area für linksautonome, politische Aktivisten, Straßenkämpfer und diejenigen, die sich dafür halten.

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Wer ins "Trotzdem" will, muss an den Demonstranten der FAU vorbei. Die jeden Abend auf die Entlassungen in dem Lokal aufmerksam machen.

Quelle: Hauke Heuer

Der Grund: Die Inhaberin Johanna Kalex hat Anfang des Jahres dreien der vier Kellner gekündigt. Die sind allerdings in der Anarcho-Gewerkschaft Freie Arbeiter Union (FAU) organisiert und protestieren seit drei Wochen gemeinsam mit mehreren Mitstreitern - unter denen sich auch einige Stammgäste des "Trotzdem" befinden - jeden Abend um 20 Uhr gegen die Entlassungen. Es werden Flyer verteilt und Passanten sowie Kneipengäste auf die Situation aufmerksam gemacht.

Die Akteure widersprechen sich

Wirtin Kalex sieht sich durch die Aktion einem massiven "Shitstorm" ausgesetzt und beschuldigt ihre ehemaligen Mitarbeiter, unter anderem Schnaps aus dem Lager und Geld aus der Kasse geklaut zu haben. "Da ich die Vorwürfe nicht nachvollziehen kann, ist die Situation für mich sehr belastend", sagt Kalex und fügt hinzu, "den drei Kellnern wurde fristgemäß gekündigt. Die Kündigung ließ sich nicht verhindern, weil trotz mehrerer Gespräche nicht geklärt werden konnte, wer für die Diebstähle verantwortlich ist". Die Inhaberin, die sich selbst als bekennende Anarchistin bezeichnet und in der Neustadt auch als solche bekannt ist, hofft nur, dass sich der Konflikt im Sande verläuft und wieder zur Normalität zurückgekehrt werden kann. Einen gewagten Vorschlag der FAU-Aktivisten, die Kneipe zu kollektivieren, lehnt sie prinzipiell ab und pocht darauf, die rechtsmäßige Inhaberin zu sein.

Für die ehemaligen Mitarbeiter stellt sich die Situation vollkommen anders dar. "Frau Kalex hat zunächst mit uns dreien jeweils ein persönliches Kündigungsgespräch geführt. Die Diebstähle wurden dabei erstmals in nur zwei von drei Fällen angesprochen, ohne jedoch einen Schuldvorwurf auszusprechen. Vielmehr ging es Frau Kalex darum, einen Bekannten voll einzustellen, weshalb sie die drei Minijobs streichen wollte. Darüber hinaus haben wir im Mai vergangenen Jahres eine Lohnerhöhung von 6,20 Euro plus zwei Prozent Gewinnbeteiligung auf 7,50 Euro in der Stunde erstritten, was Frau Kalex auch nicht gefiel", sagt der Kellner Wolf Meyer (25) und fügt hinzu, "der Diebstahlvorwurf wurde erst eindeutig in den schriftlichen Kündigungen ausgesprochen, als klar war, dass wir uns im FAU organisiert gegen die Entlassungen wehren wollen". In der Gastronomie sei es darüber hinaus üblich, unliebsame Mitarbeiter mittels Diebstahlvorwürfen aus dem Betrieb zu drängen, so Meyer.

Nach Ansicht der nun vorerst arbeitslosen Kellner haben sie mit ihrem Protest schon sehr viele erreicht. "Viele Stammkunden meiden das Lokal seit Wochen. Dafür statten andere Wirte aus der Neustadt dem "Trotzdem" Solidaritätsbesuche ab. Die haben Angst, dass es vor ihrer Kneipe bald auch einen Protest geben könnte", sagt die Kellnerin Janette Schmidt (26).

Protest auch vor anderen Kneipen

Sollten es die Neustadt-Kneiper tatsächlich mit der Angst zu tun bekommen, wäre diese nicht ganz unbegründet. Geht es nach der FAU, soll das "Trotzdem" nur als Aufhänger für kommende Arbeitskämpfe in der Gastronomie in Dresden und im Bundesgebiet dienen. "Dass Kneipen bestreikt werden, ist bisher ein Novum. Der Protest im 'Trotzdem' soll ein Fanal für alle anderen Kellner sein, die für Niedriglöhne unter oft miserablen Bedingungen arbeiten müssen und jederzeit gekündigt werden können", sagt Schmidt. Die FAU organisierte in den vergangenen Wochen bereits Arbeitsrechts-Workshops und will am kommenden Donnerstag mit einer Demonstration in der Neustadt auch die anderen ansässigen Kneipeninhaber unter Druck setzen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.02.2014

Hauke Heuer

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