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Klage einer potentiellen Tagesmutter aus Dresden: „Ich fühle mich wie bei Hase und Igel“

Klage einer potentiellen Tagesmutter aus Dresden: „Ich fühle mich wie bei Hase und Igel“

Seit Monaten sucht Silke Steinfatt eine Wohnung. Nicht für sich, sondern für ihren neuen Job, den sie so bald wie möglich ausüben will. Die Dresdnerin möchte in Zukunft als Tagesmutter Kinder zwischen einem und drei Jahren betreuen.

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Silke Steinfatt möchte als Tagesmutter arbeiten und findet keine passende Wohnung.

Quelle: Tanja Tröger

Dafür braucht es eine Bleibe, die eine ganze Reihe an Voraussetzungen erfüllen muss: ruhige Lage, am besten im Erdgeschoss, mindestens 40 Quadratmeter groß, ausreichend Platz in den Räumen, mindestens ein Bad mit Dusche, im Treppenhaus ein Geländer in kindgerechter Höhe, ausreichend Grünfläche vor der Tür, Spielplätze in der Nähe. „Viele Büroeinheiten, die geeignet wären und sich nach Leben sehnen, können also nicht genommen werden, da zumeist die Dusche fehlt“, so Steinfatt.

Der offene Brief von Silke Steinfatt zum nachlesen (pdf, 27 KB)

Die potentielle Tagesmutter hat zudem die Erfahrung gemacht, dass viele Vermieter keine „Tagespflegestelle“ in ihrem Haus haben möchten. „Eine Wohnung war traumhaft, die Hausverwaltung war aufgeschlossen, aber der Eigentümer wollte nicht an eine Tagesmutter vermieten. Dabei müssen doch Kinder nicht unbedingt laut sein, und viele ältere Leute würden sich sicherlich über Nachwuchs im Haus freuen.“

Hat Silke Steinfatt eine in ihren Augen passende Wohnung gefunden, begutachtet der von der Stadt Dresden mit der Tageselternberatung beauftragte Verein Malwina e.V. das Objekt und entscheidet, ob es für eine Kleinkinderbetreuung geeignet ist. Bisher lehnte der Verein alle ihre Wohnungsvorschläge als ungeeignet ab: „Flur zu klein, Schlafraum nicht groß genug, Außenspielfläche zu klein oder das Treppengeländer reicht eventuell nicht bis ganz zur letzten Stufe“, zählt Steinfatt die Gründe auf.

Äpfel und Birnen vergleichen?

Diese Ablehnungen kann die Fünfzigjährige nicht nachvollziehen. Bei manchen Tagesmüttern oder -vätern sei die Küche auch nicht größer als in einer ihrer besichtigten Immobilien oder es gäbe kein Grün in unmittelbarer Hausnähe. Dennoch seien die Objekte genehmigt worden. „Man sagt mir dann, man könne die Wohnungen nicht vergleichen. Aber das sind doch beides bewirtschaftete Wohnungen, das ist ja nicht Äpfel mit Birnen vergleichen!“

In diesen Momenten fühle sie sich „nicht richtig gehört und ungerecht behandelt“, so Steinfatt. „Die Wohnungssuche scheint mir manchmal eine Art Auswahlverfahren zu sein.“ Allmählich schwänden ihr die Kraft und vor allem die Lust, sagt die Dresdnerin.

Steinfatt wünscht sich, dass die verantwortlichen Stellen – Stadt, Tageseltern, Vermieter und die für die Kindertagespflege zuständigen Vereine Malwina, Outlaw und Kinderland Sachsen – mehr aufeinander zugehen. „Toleranz und Achtung, daran fehlt’s eigentlich.“ Vorhandene Bestimmungen sollten nicht zu streng ausgelegt werden und die Tageseltern Mängel ausbessern können nach dem Motto: „Das ist nicht hundertprozentig, aber das passt schon.“ Zudem schlägt sie vor, eine Liste anzulegen, welche Wohnungseigentümer ohne Bedenken an Tageseltern vermieten.

Dabei ist Silke Steinfatt wichtig, die gute fachliche Kooperation mit ihrem betreuenden Verein nicht zu zerstören. „Ich will niemandem vor den Wagen fahren, ich möchte nur seriös auf die Unzulänglichkeiten hinweisen.“

Wie groß ist „angemessen“?

Tatsächlich hat der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen der Stadt Dresden eine Richtlinie aufgestellt, die die Auswahl von Wohnungen für eine sogenannte „Tagespflegestelle“ regeln soll. In diesen „Rahmenbedingungen der räumlichen Eignung für die Erlaubnis zur Kindertagespflege“ steht beispielsweise, dass „die gesamte Nutzfläche der Wohnung pro Kind 7,5 Quadratmeter betragen“ sollte. Das wären bei fünf Kindern, die eine Tagesmutter maximal betreuen darf, knapp 38 Quadratmeter. Viele andere Kriterien sind eher weich formuliert. Wie groß beispielsweise die einzelnen Räume sein müssen, ist nicht explizit vorgeschrieben: „Diese Rahmenbedingungen dienen als Orientierung. Im Einzelfall können abweichende Festlegungen getroffen werden, die aber dem Gesamteindruck der räumlichen Geeignetheit nicht widersprechen dürfen.“

Dass in der Richtlinie keinen starren Regeln festgelegt sind, sondern der Gesamteindruck zählt, bestätigt auch Sabine Bibas, Leiterin des Eigenbetriebes Kindertageseinrichtungen der Stadt Dresden. Man könne allerdings immer nur im konkreten Fall entscheiden. Möglicherweise habe eine potentielle Tagesmutter, die sich schon lange Zeit vergeblich um eine Wohnung bemüht, eine andere subjektive Wahrnehmung als die Betreuer im Verein und bei der Stadt. Bibas empfiehlt Sabine Steinfatt, sich bei der Stadt zu melden, um mit allen Beteiligten über ihre Sicht der Dinge zu sprechen. Dann fände sich sicherlich eine Lösung.

„Die Beratungs- und Vermittlungsstellen haben kein Interesse daran, Tagesmütter und -väter abzuwimmeln, sonst gibt’s kein Geld. Die Stadt finanziert ja die Stellen bei den Vereinen. Und ich mache meinen Leuten natürlich auch Druck, die Stellen zu besetzen“, so Bibas. Immerhin fehlen in Dresden rund 230 Betreuungsplätze für Kleinkinder, also etwa 30 bis 50 Tagespflegepersonen. Im August dieses Jahres will die Stadt 1909 Kindertagespflegeplätze anbieten, Ende 2012 kümmerten sich 366 Tagesmütter und -väter um 1678 Steppkes.

Ob bis Sommer 2013 die nötigen Betreuungsplätze bei Tageseltern erreicht werden können, ist bislang unklar. „Alle Beteiligten bemühen sich heftig, aber letztlich ist das eine Entscheidung von Dritten“, so Bibas. „Es ist schwieriger geworden, passende Tagesmütter und -väter zu finden.“ Gründe dafür seien die komplizierte Suche nach bezahlbarem Wohnraum, die lange und intensive Arbeitszeit sowie wirtschaftliche Fragen, etwa die Bezahlung und der Schritt in die Selbständigkeit.

Tanja Tröger

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