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Kevin soll nicht zu seinen Peinigern zurück - Der Leidensweg eines dreijährigen Jungen aus Dresden

Kevin soll nicht zu seinen Peinigern zurück - Der Leidensweg eines dreijährigen Jungen aus Dresden

Spiralbruch linkes Schienbein. Bruch 6. Rippe. Bruch rechter Unterschenkel. Bruch linker Unterarm. Hautunterblutungen. Hämatome. Der heute dreijährige Kevin (Name geändert) hat eine Krankheitsgeschichte hinter sich, die die meisten Erwachsenen nicht erleiden müssen.

Nasenbeinprellung. Der Junge wurde in seiner Familie misshandelt. Brutal misshandelt, massiv misshandelt. Seit Mitte 2012 lebt das Kind in einem städtischen Heim.

Bekannte der Familie befürchten, dass Kevin bald wieder in seine Familie zurückkehren muss. Das Familiengericht hat entschieden, dass Mutter und Stiefvater wieder Umgang mit dem Kind haben dürfen. Erfüllen sie mehrere Auflagen, könnte Kevin wieder in den Haushalt der Mutter kommen, so die Bekannten. "Wir haben Angst, dass das Kind dann durch die Hand seines Stiefvaters sterben wird."

"Du Missgeburt!"

Kevin wächst unter keinem guten Stern auf. Sein leiblicher Vater sitzt wegen Diebstahls im Gefängnis. Seine Mutter lebt mit einem neuen Partner zusammen. Es handelt sich um einen Mann, dem Bekannte und Nachbarn rechtsradikale Tendenzen unterstellen. Er soll das Kind mehrfach in der Öffentlichkeit als "Missgeburt, Penner, Wasserkopf" beschimpft haben.

Kevin kam nach einem Krankenhausaufenthalt wegen schwerer Verletzungen ins Heim. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelte gegen Mutter und Stiefvater wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen. Doch die Ermittler konnten nicht feststellen, wer von den beiden Verdächtigen dem Kind das alles angetan hat. Schweren Herzens stellten sie das Verfahren ein.

Er beißt und schlägt viel

In der Einstellungsverfügung heißt es: "..., zwar muss mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass einer der Beschuldigten, möglicherweise mit Unterstützung des anderen, möglicherweise auch mit dessen Billigung oder gar beide Beschuldigte gemeinsam Kevin im fraglichen Zeitraum massiv verletzt bzw. die Verletzungen durch fahrlässiges Verhalten verursacht haben... es muss somit bei dem unbefriedigenden aber gleichwohl unvermeidlichen Ergebnis verbleiben, dass eine offensichtlich begangene Straftat ungesühnt bleiben muss, da sie nicht näher bestimmt werden kann."

Die Einstellung nahmen Mutter und Stiefvater zum Anlass, eine Rückkehr von Kevin in ihren Haushalt zu fordern. Das Familiengericht prüfte den Fall. Eine Psychologin, die das Kind zweimal begutachtet hatte, äußerte große Bedenken. Es bestünde eine erhöhte Gefahr für Kevin im Haushalt der Kindesmutter und ihres Lebensgefährten. Dennoch entscheidet das Gericht, eine Rückkehr nicht auszuschließen. Mutter und Lebensgefährte sollten eine Annäherung an das Kind versuchen.

"Wir müssen alles dafür tun, dass das Kind nicht wieder zurück zu seinen Peinigern kommt", sagt einer der Bekannten gegenüber DNN. Kevin weist aufgrund der Misshandlungen bereits große Defizite auf. Eine Einschränkung der Erziehungsfähigkeit sei anzunehmen. Das Kind beiße und schlage andere Kinder sehr viel und bedürfe rund um die Uhr einer Aufsicht.

Rückkehr ausgeschlossen

Die Stadt teilte auf Anfrage der DNN mit, dass der Fall dem Jugendamt bereits länger bekannt sei. Der Junge werde in einer Dresdner Kindereinrichtung betreut. "Eine Entlassung in den mütterlichen Haushalt ist derzeit ausgeschlossen." Im Frühjahr sei ein weiterer Gerichtstermin festgesetzt worden. Das Jugendamt werde dem Gericht eine Stellungnahme als Grundlage für eine neue Entscheidung übermitteln, so ein Stadtsprecher.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.02.2014

Baumann-Hartwig, Thomas

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