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Keiner will Senior sein: Tablet-Firma ändert Geschäftsmodell

Exelonix Dresden Keiner will Senior sein: Tablet-Firma ändert Geschäftsmodell

Weil Rentner-Geräte wie mit einem Stigma behaftet erscheinen, strickt die Dresdner Tablet-Firma Exelonix ihr Geschäftsmodell um. Neben den Senioren-Tablets verkauft sie die Software ab August auch einzeln für Smartphones.

Speziell für Senioren entwickelt: die Asina-Tablets von Exelonix Dresden.

Quelle: Exelonix

Dresden. „Exelonix“ löst sich vom Fokus auf Senioren-Hardware und agiert künftig verstärkt als Software-Anbieter. Das Dresdner Unternehmen verkauft zwar auch weiter Senioren-Tablets, vertreibt künftig aber die dafür entwickelten Programme auch einzeln für Smartphones, um den Kundenkreis zu verbreitern.

„Der Seniorenmarkt hat seine skurrilen Seiten“, erklärt Exelonix-Mitgründer Matthias Stege die Neuausrichtung. „Das Etikett ,Senior’ ist nicht sehr beliebt – da will keiner dazugehören. Die meisten stufen sich jünger ein als sie sind. Entsprechend haben wir unsere Senioren-Tablets bisher kaum an Senioren verkaufen können, sondern meist an deren Kinder.“

Mit Blick auf den demografischen Wandel in Deutschland hatten Matthias Stege und seine Kollegen im Jahr 2013 die Exelonix in Dresden gegründet, um besonders einfach bedienbare Senioren-Tablets zu verkaufen. Die Idee dabei: Mehr und mehr Senioren wollen nicht ins Altenheim, sondern die eigene Wohnung behalten, brauchen aber soziale Kontakte und Hilfe. Daher entwickelte Exelonix spezielle Bedienoberflächen für Rentner, die sie dann auf Samsung-Tablets aufspielten, um sie so an Senioren und soziale Dienste zu verkaufen. Diese Tablets konnten von den Kindern und Enkeln per Internet aus der Ferne gewartet werden. Den Rentnern selbst boten sie zwar großformatige Notruf-Knöpfe, aber wenig Möglichkeiten, selbst etwas auf den tragbaren Computern zu installieren.

„Viele haben das als Stigma empfunden, dass sie so wenig ändern konnten“, räumt Exelonix-Vermarkterin Julia Rommeley nun ein. Daher ringt Exelonix nun schon seit geraumer Zeit um ein Geschäftsmodell, dass dieses „Senioren-Stigma“ umschifft.

Die Firma bietet zwar weiter komplette Senioren-Tablets an, zum Beispiel über die Mobilcom-Läden. Parallel dazu sollen in Zukunft aber auch andere Nutzer die E-Mail-Apps und anderen auf einfache Bedienbarkeit getrimmten Programme der Dresdner herunterladen und auf jedes Tablet mit Googles Betriebssystem „Android“ aufspielen und gegen eine Jahresgebühr nutzen können. Auch dürfen die Nutzer fortan eigene Apps installieren, seien es nun Kurznachrichten-Programme wie WhatsApp oder Spiele.

Das Unternehmen wirbt dabei nicht nur mit dem einfachen Bedienkonzept, sondern auch vielen Funktionen, die für Telemedizin-Projekte auf dem Lande gebraucht werden. Dazu gehören verschlüsselte Videokonferenzsysteme für Online-Sprechstunden beim Arzt in der nächsten Großstadt. Angesichts des Landarztmangels könne dies in Zukunft eine große Rolle für Rentner auf dem Dorfe spielen, meint Julia Rommeley.

Das Unternehmen hat viele Wurzeln in der Region: Die Gründer Dr. Matthias Stege und Dr. Frank Schäfer sowie Mentor Prof. Gerhard Fettweis waren beziehungsweise sind an der TU Dresden tätig, Prof. Frank Oehmichen ist Arzt. Anteilseigner sind die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen, der High-Tech-Gründerfonds und mehrere Privatpersonen.

Exelonix hat derzeit zwölf Mitarbeiter und realisiert laut Stege steigende Umsätze, vor allem durch Erlöse von Wohlfahrtsverbänden und Telemedizin-Projekte (heute eher „eHealth“ genannt). Mitgründer Stege rechnet mit ersten Gewinnen in diesem oder im kommenden Jahr.

Von Heiko Weckbrodt

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