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"Keine Zeit zum Durchatmen" - Rektor der TU Dresden Müller-Steinhagen im DNN-Interview

"Keine Zeit zum Durchatmen" - Rektor der TU Dresden Müller-Steinhagen im DNN-Interview

Seit drei Wochen gehört die Technische Universität Dresden zum erlesenen Kreis von elf deutschen "Elite"-Universitäten. In der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder setzte sich die TU mit ihren vier Projekten in allen drei Förderlinien durch.

Dresden .

Der Erfolg bedeutet nicht nur viel Renommee, sondern auch einen mehrere hundert Millionen Euro starken Geldsegen. DNN hatten Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch mit TU-Rektor Prof. Hans Müller-Steinhagen.

DNN: Herr Prof. Müller-Steinhagen, herzlichen Glückwunsch zum Erfolg bei der Exzellenzinitiative. Haben Sie mittlerweile eigentlich hundertprozentig realisiert, was die Vertreter des Bewilligungsausschusses am 15. Juni in Bonn entschieden haben?

Hans Müller-Steinhagen: Realisiert haben wir es eigentlich unmittelbar nach Bekanntgabe der Ergebnisse, aber natürlich gibt es immer wieder Tage, an denen man an diesen 15. Juni denkt und noch einmal zu sich selbst sagt "Wow, ist das toll!". Es ist einfach fantastisch für die TU Dresden, für die Stadt und die Region und natürlich auch für das Land. Gleichwohl hatten wir nach diesem Erfolg nicht wirklich Zeit zum Durchatmen. Das Tagesgeschäft holte uns schon am Montag wieder ein. Zusätzlich gilt es nun, die angeschobenen Projekte aus der Exzellenzinitiative wirklich konkret umzusetzen. Nur so können wir bei einer erneuten Bewerbung um die Verlängerung des Titels und der Förderung in fünf Jahren erfolgreich sein.

Königsdisziplin der Exzellenzinitiative war die Förderlinie "Zukunftskonzepte". Das Antragspaket der TU Dresden stand unter dem Titel "Die Synergetische Universität". Wie geht es damit jetzt weiter?

Es ist im Grunde genommen dass Strategiepapier für die Entwicklung der gesamten Universität in den nächsten Jahren. Wir werden nicht nur die 14 Fakultäten zu fünf großen Bereichen - Schools - bündeln, sondern die TU auch noch stärker im Rahmen von "Dresden-concept" mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Museen vernetzen. Da denke ich zum Beispiel an die gemeinsame Nutzung von Laborinfrastrukturen, gemeinsame Berufungen und die Abstimmung von Forschungsprojekten. Erklärtes Ziel ist, dass unsere Universität bis 2020 in den Kreis der 100 besten Universitäten weltweit aufsteigen will.

Organisationstalente scheinen bei ihnen in Zukunft gefragt zu sein...

Im Moment schreiben wir die Stellen für ein Projektkernteam aus, das die Umsetzung der Einzelmaßnahmen unseres Zukunftskonzeptes koordinieren soll. Ein wichtiger Baustein ist zum Beispiel eine spezielle Form bei der Ausschreibung von Professuren, die wir einführen wollen. So genannte "Open Topic"-Professuren sollen thematisch völlig frei sein und ergänzen die traditionellen Berufungsverfahren, die festlegen, auf welchen Gebieten der Kandidat signifikante Beiträge geleistet haben sollte. Dies schränkt den Innovationsschub, der von einer solchen Berufung ausgehen kann, mehr oder weniger ein. Dadurch, dass das Forschungsgebiet der "Open Topic"-Professuren in keiner Weise vorab definiert ist, werden Wissenschaftler aller Fachgebiete oder fachübergreifenden Richtungen zu einer Bewerbung animiert.

Inwiefern profitiert der ganz normale Student von dem Exzellenz-Prädikat?

Für die - in Anführungszeichen gesprochen - ganz normalen Studierenden ist es zunächst einmal ein großer Vorteil, im Lebenslauf stehen zu haben, dass sie von einer der Top-Universitäten Deutschlands kommen. Zum anderen profitieren sie natürlich von den zur Verfügung gestellten Mitteln. Ministerpräsident Tillich sicherte unmittelbar nach Bekanntgabe der Entscheidung 250 Millionen Euro für ein beschleunigtes Bau- und Sanierungsprogramm in den kommenden fünf Jahren zu. Dies versetzt uns in die Lage, Gebäude mit sehr viel Studentenverkehr wie den Beyer-Bau, den Barkhausen-Bau, den Fritz-Förster-Bau und Hörsäle früher als geplant zu sanieren; dadurch verbessern sich natürlich die Studienbedingungen. Außerdem wollen wir Programme zur Förderung von besonders begabten Studierenden auflegen. Auch unsere Studienberatung soll ausgebaut und IT-Unterstützerprozesse verbessert werden, von der Einschreibung bis zum Studienabschluss. Last but not least hat der Ministerpräsident auch angekündigt, dass die TU bei der derzeitigen Runde des landesweiten Stellenabbaus außen vor bleibt. Das heißt, dass wir bis 2015 reichlich 90 Stellen weniger kürzen müssen und dies verschafft uns allen in der Lehre eine gewisse Erleichterung.

Was hat denn die Gutachter an der TU Dresden so überzeugt?

Zum einen haben wir bei unseren Anträgen so ziemlich alles richtig gemacht und wirklich überzeugende Projekte vorgelegt. Ich weiß inzwischen, dass die TU Dresden am Tag der Entscheidung in Bonn von Anfang an im so genannten "Grünen Topf" mit der Empfehlung "soll gefördert werden" war. Insofern standen wir in der entscheidenden Sitzung überhaupt nicht mehr zur Diskussion, was diverse Kommentare entkräftet, wonach wir nur aus politischem Willen als Quoten-Ost-Universität gepunktet hätten. Besonders gelobt wurde unser Ansatz, uns als Volluniversität weiterentwickeln zu wollen. Und das eben auch ausdrücklich mit den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Das heißt nicht, dass wir künftig jedes kleine Fach im Portfolio haben müssen, aber wir wollen mit unserem Gesamtprofil in der Lage sein, die großen gesellschaftlichen Fragen anzugehen. Zum anderen beeindruckte die Gutachter der nach der Wende hier entstandene "Dresden-Spirit". Vergessen Sie nicht, die TU Dresden ist 1990 quasi neu gegründet worden und gehört nicht einmal 25 Jahre später zu den Top-Universitäten in Deutschland. Dies geht nicht ohne einen ganz besonderen Willen zur Kooperation über Disziplinen- und Universitätsgrenzen hinweg und die Bereitschaft, sich immer auch an ganz neue Themen und neue Strukturen heranzuwagen.

Erwarten Sie als frischgebackene Exzellenz-Universität einen Ansturm von Studenten?

Mehr Nachfragen gibt es in der Tat schon, aber wir müssen natürlich abwarten, wie viele Bewerbungen am Ende wirklich eintreffen. Fest steht, dass der Exzellenz-Titel uns in der Öffentlichkeit noch einmal deutlich sichtbarer macht. Denken Sie an die starke Medienpräsenz in den vergangenen Wochen, nicht nur regional sondern deutschlandweit. Am Tag der Entscheidung wurde in der 20-Uhr-Tagesschau die Bedeutung der Exzellenzinitiative am Beispiel der TU Dresden erzählt. Insofern bin ich der festen Überzeugung, dass zu vielen Abiturientinnen und Abiturienten durchgedrungen ist, dass wir hier in Dresden eine Spitzenuniversität haben.

Angenommen, in den nächsten Wochen trifft wirklich eine Flut an Bewerbungen ein. Würde die TU Dresden so viel mehr Studenten verkraften?

Mit den derzeit vorhandenen Personalressourcen im Rahmen des mit dem Freistaat abgestimmten Hochschulentwicklungsplans werden wir die Zahl der Studierenden in den Bachelor-, Master- und Diplom-Studiengängen nicht weiter erhöhen können. Wir liegen bei der Auslastung schon jetzt über der eigentlichen Kapazitätsgrenze von 100 Prozent. Wenn wir bereit wären, signifikant mehr Studierende aufzunehmen, bräuchten wir mehr Personal und das ist im Moment weder absehbar noch Teil unserer Zielsetzung. Insofern müssen wir im Falle eines starken Anstiegs bei den Bewerbungen in mehr Studienrichtungen eine Zulassungsbeschränkung, einen Numerus Clausus einführen. Wobei es jetzt schon so ist, dass wir in 50 Prozent unserer 150 Studiengänge solch einen NC haben.

Die vergangenen Jahre waren stets begleitet von der Forderung nach mehr Autonomie für die TU Dresden. Hat sich in diesem Punkt inzwischen etwas verbessert?

Ich will es einmal so ausdrücken: Die derzeitige Novelle des sächsischen Hochschulgesetzes ist ein deutlicher Schritt vorwärts zu weiterer Autonomie. Aber man muss auch sagen, dass die sächsischen Universitäten im Vergleich zu denen in anderen deutschen Bundesländern selbst nach dieser Novelle einen verhältnismäßig geringen Grad an Autonomie besitzen. Da denke ich an die Verantwortung für Bauvorhaben und Liegenschaften, da denke ich an das Personal- und Finanzmanagement. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass wir als TU Dresden dem Modell der TU Darmstadt folgen, die eigenverantwortlich handeln darf und damit beispielsweise nötige Baumaßnahmen durchaus schneller umsetzen kann.

Werden Sie nach dem Exzellenz-Stress der vergangenen Monate jetzt erst einmal richtig schön Urlaub machen?

Meinen richtig schönen Urlaub für dieses Jahr hatte ich schon im Frühjahr. Da bin ich für eine dreiwöchige Trekking-Tour nach Nepal geflogen. Dank der Eindrücke dort ist es mir wirklich gelungen, meinen Kopf wieder einmal frei zu bekommen. In den nächsten Wochen ist nun sicherlich keine Zeit für einen großen Urlaub, aber ich werde während der Sommerpause sicher den einen oder anderen Tag freinehmen, um Zeit mit meiner Frau zu verbringen. Interview: Christoph Stephan

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.07.2012

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