Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
Google+
"Kein wirksames Gegenmittel"

Dresden und Pegida "Kein wirksames Gegenmittel"

Am Montagabend versuchen es viele Dresdner noch einmal: Mit dem Sternlauf unter dem Motto "Herz statt Hetze" will ein breites Bündnis ein Zeichen gegen die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung setzen. Der Einsatz zeigt aber auch, dass Dresden noch immer kein wirksames Mittel gegen Pegida hat.

Dresden. Am Montagabend versuchen es viele engagierte Dresdner noch einmal: Mit dem Sternlauf unter dem Motto "Herz statt Hetze" will ein breites Bündnis ein Zeichen gegen die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung setzen, die seit inzwischen einem Jahr durch Dresden marschiert und immer unverhohlener rassistische, grundgesetzfeindliche und gewalttätige Äußerungen verbreitet.

Der Einsatz für den 19. Oktober zeigt aber auch, dass es Dresden in diesem Jahr nicht geschafft hat, ein wirksames Mittel gegen Pegida zu finden. Zwar sind verschiedene neue Initiativen entstanden, doch die breite Masse der Stadtbevölkerung ließ sich bislang nicht zu einem Zeichen für eine weltoffene Stadt bewegen. Pegida läuft, die Mehrzahl der Dresdner schweigt.

Doch nicht alle bleiben ruhig. Wir zeigen drei Beispiele von Engagement - und dessen Ergebnisse, geäußert im Rahmen einer Veranstaltung der Henry Arnhold Summer School.

"Periodische Verzweiflung" - Michael Bittner schreibt gegen Pegida

"Alles Scheiße", so fasst der Autor und Journalist Michael Bittner gleich zu Beginn das Thema zusammen. Die Lage in Dresden frustriere ihn regelmäßig. Und das, obwohl Bittner Sachsen inzwischen verlassen hat und in Berlin lebt. Trotzdem lässt ihn das Geschehen hier nicht los. Und er schreibt dagegen an. Sein Blog entwickelte sich schnell zu einer der meistgehörten Stimmen. Bittner warnte schon vor Pegida, da verteidigten andere noch die angeblich "besorgten Bürger".

Er habe das Gefühl gehabt, dass sich in Dresden keine bekannte Stimme zu Wort gemeldet hätte. Fast jeder habe ja einen gekannt, der mitlief. Und so blieb Dresden still. Das Grundproblem sei zudem das Gleiche wie rund um den 13. Februar. "Mir ist das scheißegal", fasst Bittner die Dresdner Mentalität zusammen. Sollen sie doch laufen, ich bleibe bei meinem Kaffee.

Die negativen Rückmeldungen auf seine Texte sei unterschiedlich. Ein Drittel der Leute argumentiere vernünftig und konstruktiv, ein Drittel sei "komplett verrückt", und ein Drittel knallhart Rechtsradikal. "Aber sie werden ein bisschen kleinlauter", beschreibt er seine jüngsten Zuschriften.

Dass sich etwas ändert, glaubt er nicht. Wer jetzt nicht auf die Straße gehe, der werde sich auch künftig nicht mobilisieren lassen. Seine einzige Lösung für die Dresdner: "Wir müssen sie überfordern." Nur persönliche Erfahrungen könnten helfen. Das müsse man den Dresdnern zumuten.

"Es hat sich ein Tor geöffnet" - Sabine Stenzel arbeitet in Hellerau mit Flüchtlingen

Es gab Ärger für das europäische Zentrum der Künste in Hellerau. Als sich Intendant Dieter Jaenicke 2014 entschloss, Flüchtlinge im Festspielhaus unterzubringen, kamen anonyme Drohungen, Menschen hätten gedroht, nie wieder eine Vorstellung zu besuchen, berichtet Sabine Stenzel, kaufmännische Leiterin des Hauses im Norden der Stadt. Doch in Hellerau standen alle Mitarbeiter hinter der Idee und so wohnt inzwischen eine Familie in einer Künstlerwohnung. Zehn Menschen mehr würde Hellerau gern aufnehmen, allein die Genehmigung dazu fehlt noch, ärgert sich Stenzel über langsame Bürokratie.

Ziel sei, Mut zu machen, die Menschen zusammenzubringen. Dafür wurden extra neue Formate geschaffen. Für Stenzel geht es darum, die breite Mitte der Gesellschaft zu erreichen. Anfangs habe auch sie sich machtlos und ohnmächtig gefühlt, als Pegida marschierte. "Der Fluchtinstinkt war da", gibt sie zu. Inzwischen habe sie aber wieder Hoffnung. Es habe sich "ein Tor geöffnet", beschreibt sie.

Es habe bei vielen Menschen ein Lerneffekt eingesetzt. Die Dresdner würden merken, dass die von Pegida verbreiteten Horrorgeschichten eben nicht der Wahrheit entsprechen. Es seien zwar "viele Tröpfchen auf den heißen Stein", aber sie beobachte immer wieder Dresdner, die zuhören und sich öffnen. "Wir müssen nur irgendwie durchhalten", macht sie Mut. "Das dauert unglaublich lange."

"Total absurd" - Banda Communale wird International

"Für sehr viele Menschen ist das, was hier passiert, total absurd", sagt Michal Tomaszewski. Der gebürtige Pole ist Hobbymusiker und Mitbegründer der "Banda Communale", einer Blasmusikcombo, die entstand, um Nazi-Demos mit guter Musik entgegen zu treten. In den vergangenen zwölf Monaten standen sie nicht nur rund um den 13. Februar auf der Straße, sondern oft genug auch Montagabend - beim Neujahrsputz, bei der Angsthasenprozession, bei den Postplatzkonzerten.

"Wir sind nach wie vor fassungslos", fasst Tomaszewski die Stimmung der Band zusammen. Fassungslos, dass Pegida so groß und der Protest dagegen so klein ist. Warum das so ist, darüber wurde viel gesprochen. "Aber es hilft ja nichts", ärgert sich der Musiker. "Es kommt nicht an." So ärgert er sich über Polizisten, die mit Pegida sympathisieren und über Politiker, die noch immer keine Lösungsansätze haben. Ein Teil der Band habe inzwischen überlegt, Dresden zu verlassen. Auch Tomaszewski selbst gehört dazu.

Aber: Die Band packt an. Banda Communale spielte mehrere Konzerte in Flüchtlingsunterkünften und lernte dabei mehrere Musiker unter den Asylsuchenden kennen. Inzwischen machen sie zusammen Musik. Aus Banda Communale wurde Banda Internationale. Und zu den bewährten Blasinstrumenten kamen neue Instrumente und Klänge hinzu.

"Wir wollen zeigen, wie einfach es ist, mit neuen Dresdnern in Kontakt zu kommen". Das sei das Normalste der Welt. Am Mittwoch gab die gewachsene Gruppe ihr erstes umjubeltes Konzert. Tomaszewski ist sicher: "Das ist ein Projekt mit Zukunft."

Stephan Lohse

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Medienberichte

Der gesuchte Galgen-Träger bei der jüngsten Dresdner Pegida-Demonstration ist laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung (Samstag) gefunden. Es handle sich um einen Werkzeughändler aus dem Erzgebirgskreis.

mehr
Mehr aus Lokales
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.