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Kein Herr des "gemessenen Schrittes": Zum 60. Geburtstag von TU-Rektor Professor Hans Müller-Steinhagen

Kein Herr des "gemessenen Schrittes": Zum 60. Geburtstag von TU-Rektor Professor Hans Müller-Steinhagen

Fast auf den Tag genau vor vier Jahren wurde die Stelle des Rektors der TU Dresden ausgeschrieben, und fünf Monate später wurde Hans Müller-Steinhagen in dieses Amt gewählt.

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Hans Müller-Steinhagen konnte sich am 16. Juni 2010 über seine Wahl zum neuen Rektor der Technischen Universität (TU) Dresden freuen.

Quelle: Archiv/TU Dresden

Heute ist so gut wie vergessen, dass dieser Rektor "von außen" kam. An Universitäten tut man sich damit immer noch schwer: Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Haus haben den - oft vermeintlichen - Vorteil, dass man sie kennt und dass sie die Universität kennen. Externen hingegen muss man einen Vertrauensvorschuss einräumen, und der oder die Externe muss viel, sehr viel über die neue Institution und in ihr lernen. Müller-Steinhagen erwarb sich diesen Vorschuss 2010 in reichem Maß, weil er bereits bei seiner Vorstellung als Rektorkandidat zeigte, mit welcher Verve er dieses Amt angehen würde. Und die Zweifel gegenüber dem "Auswärtigen" räumte er dort ebenfalls aus. So erwiderte er auf eine skeptische Bemerkung, ihm könne die TU Dresden doch bestenfalls oberflächlich bekannt sein, lapidar: "Ich habe eine steile Lernkurve".

Hans Müller-Steinhagen war sich damals durchaus bewusst, welchen Herausforderungen er sich als Rektor würde stellen müssen. Für ihn galt es nämlich nicht nur, das bisher an der TUD Erlangte weiter zu verwalten, sondern nicht zuletzt noch einmal einen Anlauf zu nehmen, diese Universität in die Riege der deutschen Exzellenzuniversitäten zu führen. Sein Antritt war ein sehr schneller, wie er überhaupt - das sei nebenbei gesagt - kein Mann des "gemessenen Schritts" ist: wenn mittags ein Herr in Anzug und Krawatte schnellfüßig in eine dort besorgte Brezel beißend die Cafeteria der Alten Mensa verlässt, dann ist das der Rektor. - Also, der Schwung, mit dem er sich sofort nach der Wahl daran machte, im Team das bereits vorliegende "Zukunftskonzept" bis Ende August 2010 zu modifizieren und mit neuen Ideen anzureichern, war atemberaubend. Und dass er auf dem Weg zur Umsetzung dieses Konzepts niemanden verlor, ist nicht nur seinem ansteckenden Engagement, sondern auch seiner hohen wissenschaftlichen wie institutionellen Kompetenz zuzuschreiben.

Seine Führungsqualitäten hatte Müller-Steinhagen vor seiner Wahl zum Rektor der TUD über zehn Jahre als Direktor des Instituts für Technische Thermodynamik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart (2000-2010) ebenso bewiesen wie als Dekan der School of Chemical, Civil and Environmental Engineering an der University of Surrey (1997-2000). Mit solchen Aufgaben wird im akademischen Umfeld nur betraut, wer sich zuvor auch wissenschaftlich deutlich profiliert hat. Nach dem Studium des Maschinenbaus an der Universität seiner Heimatstadt Karlsruhe wurde er dort 1984 mit einer Doktorarbeit in Verfahrenstechnik promoviert. Die Faszination des Auslands - der nicht alle Ingenieure erliegen - führte ihn auf seine erste Professur nach Neuseeland, genauer: an die University of Auckland. Dort erwarb er 1994 einen weiteren Grad als Doctor of Engineering, was Müller-Steinhagens akademische Titulatur deutlich verlängerte. Schließlich dann 1999 an der Universität Erlangen die Habilitation im Fach Thermodynamik, dem Gebiet, in dem er sich international einen Namen gemacht hat. Probleme der Energieumwandlung machte Müller-Steinhagen auch zum Gegenstand der Vorlesung, mit der er sich der TUD im Juli 2010 wissenschaftlich vorstellte. Genauer: er sprach im überfüllten Audimax zu "DESERTEC: Strom aus der Wüste für eine Klima und Ressourcen schonende Energieversorgung Europas" und tat dies so mitreißend, dass nun auch die letzten Bedenken, die es gegenüber dem "Mann von draußen" noch hätte geben können, zerstreut waren.

Mitzureißen - das ist Hans Müller-Steinhagens großes Talent. Darüber verfügt aber nur, wer selbst schon mitgerissen ist und diejenigen, die es zu überzeugen und mitzunehmen gilt, tatsächlich abholt. Dass wir die internationale hochkarätige Gutachtergruppe, die im Dezember 2011 zwei Tage lang die TU Dresden besuchte, von unserem "Zukunftskonzept 'Die synergetische Universität'" überzeugten, lag an der gemeinsamen Begeisterung für die Sache, am "Dresden spirit", den der Rektor so unnachahmlich zu vermitteln wusste. Mit dem Zusammenschluss der TUD mit den in Dresden angesiedelten außeruniversitären Forschungsinstituten zum sogenannten "DRESDEN-concept" konnte Müller-Steinhagen einen weiteren einzigartigen Überzeugungserfolg verbuchen, der die TUD weit über Dresden hinaus in den Fokus der Beachtung und Bewunderung rückte.

Nicht alle Tage seit seiner Wahl zum Rektor waren glückliche Tage für Hans Müller-Steinhagen, und auch in der kommenden Zeit wird er sich Problemen stellen und möglichst im Konsens mit der gesamten Universität Lösungen finden müssen. Jenseits all dessen hat er es verstanden, ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen, das es für die TUD-Angehörigen zur selbstverständlichen Pflicht macht, den Knopf mit dem Logo ihrer Universität am Revers zu tragen. Von ganzem Herzen zu wünschen bleibt zu seinem 60. Geburtstag, dass sich Hans Müller-Steinhagen in bester Gesundheit die Begeisterung für seine TU Dresden bewahrt - und dabei nicht vergisst, hin und wieder auch mal eine Pause zu machen.

* Unsere Gastautorin Ursula Schaefer hatte seit 1999 bis zu ihrer Emeritierung 2013 die Professur für Englische Sprachwissenschaft inne. Im August 2010 wurde sie Prorektorin für Bildung und Internationales der TU Dresden und hatte dieses Amt bis 1. Oktober 2013 inne. Rektor Müller-Steinhagen hat am 22. Februar Geburtstag. Aus diesem Anlass veranstaltet die TU am Sonnabend ein Kolloquium zu "Energie im Wandel" mit anschließendem Empfang.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.02.2014

Ursula Schaefer*

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