Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+
Katrin Löwe, Lehrerin an der 30. Oberschule Dresden: „Alle Schulen gleich gut ausstatten“

Welttag des Lehrers am 5. Oktober Katrin Löwe, Lehrerin an der 30. Oberschule Dresden: „Alle Schulen gleich gut ausstatten“

Seit einem Jahr ist Katrin Löwe Lehrerin an der 30. Oberschule in der Inneren Neustadt. Dort gibt die 31-Jährige Deutsch und Geschichte. Die gebürtige Perlebergerin hat in Rostock studiert und ist der Liebe wegen nach Dresden gezogen, wie sie sagt.

Dresden, Unterer Kreuzweg 4 51.05974 13.74949
Google Map of 51.05974,13.74949
Dresden, Unterer Kreuzweg 4 Mehr Infos
Nächster Artikel
Frank Lotter, Leiter der 138. Oberschule Dresden: „Jeder glaubt, mitreden zu können“

Katrin Löwe unterrichtet an der 30. Oberschule.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Seit einem Jahr ist Katrin Löwe Lehrerin an der 30. Oberschule in der Inneren Neustadt. Dort gibt die 31-Jährige Deutsch und Geschichte. Die gebürtige Perlebergerin hat in Rostock studiert und ist der Liebe wegen nach Dresden gezogen, wie sie sagt.

Warum sind Sie Lehrerin geworden?

Wissen Sie, ich bin kontaktfreudig und gehe unvoreingenommen auf Leute zu. Kinder liegen mir besonders am Herzen – nicht nur meine eigenen, sondern auch die, die ich hier unterrichte. Ich habe vor einem Jahr eine 9. Klasse als Klassenlehrerin übernommen. Es hat ein gutes halbes Jahr gedauert, bis wir miteinander zurecht kamen. Man muss bedenken, dass Jugendliche nicht gleich jedem vertrauen. Erst wenn sich ein guter Draht entwickelt, fängt es an zu funktionieren. Und dann macht es auch Spaß.

Warum sind Sie Lehrerin an einer Oberschule geworden?

Ich habe eigentlich eine Gymnasiallehrerausbildung und mein Zweites Staatsexamen am Romain-Rolland-Gymnasium absolviert. Ich bin eine der wenigen Gymnasiallehrerinnen, die sich bereit erklärt haben, an einer Oberschule zu unterrichten. Obwohl ich gute bis sehr gute Noten hatte, habe ich keine Stelle an einem Dresdner Gymnasium bekommen. Wegzuziehen kam für mich auch nicht infrage. Wir haben ein Haus hier. Ich bin dann ein Jahr an der privaten Semperschule gewesen. Weil ich die Arbeitsbedingungen nicht mit meinem Familienleben vereinbaren konnte, bin ich an eine staatliche Schule gegangen. Nun habe ich das erste harte Jahr an der „30.“ hinter mir. Es ist nicht so einfach für einen Gymnasiallehrer, an einer Oberschule zu unterrichten. Der Lehrplan ist ein anderer. Hier geht es um die Vorbereitung auf das Berufsleben. Es gibt andere soziale Probleme hier. Aber ich möchte bleiben. Mir geht es gut. Ich habe hier Fuß gefasst.

In welchen Situationen haben Sie in Ihrem Beruf Glücksmomente?

Wenn ein Schüler, der nicht nur in der Schule vom rechten Weg abgekommen war, wieder zurückfindet. Oder wenn Schüler aus Projekttagen, die wirklich aufwendig vorbereitet werden müssen, etwas mitnehmen.

In welchen Momenten bereuen Sie, Lehrer geworden zu sein?

Bereut habe ich es nie. Es gibt lediglich stressige Zeiten, wo man schwimmt in Korrekturen und zu wenig Zeit hat für die Familie. Es ist ganz schwierig, einen Kompromiss zu finden zwischen Beruf und Familie. Manchmal erfährt man auch von familiären Problemen der Schüler, die man mit nach Hause nimmt und die einen nicht einschlafen lassen. Man versteht dann auch, warum die Schüler so sind, wie sie sind.

Was ist Ihre Lebensmaxime?

Erziehung ist Beispiel und Liebe – sonst nichts. Stammt von Fröbel, einem deutschen Pädagogen.

Gibt es etwas, was Sie von Ihren Schülern lernen?

Viele Kinder an dieser Schule leben in prekären Situationen und geben nicht auf. Sie stellen sich dem Leben, kommen hierher, versuchen ihren Weg zu gehen. Nicht alle. Alle kann man nicht retten. Ich habe großen Respekt vor denen, die weiter kämpfen für sich.

Wie sind Sie als Lehrer, wie würden Sie Ihren Unterrichtsstil beschreiben?

Ich bin freundlich und aufgeschlossen. Und so soll es auch in meinem Unterricht zugehen. Ich verstelle mich nicht. Wichtig ist mir wechselseitiger Respekt. Und ich versuche, konsequent zu sein.

Im September hat die Aktive Schulen Dresden eröffnet. Dort bestimmen die Schüler, was sie wann wo lernen möchten. Was halten Sie von diesem pädagogischen Ansatz?

Der ist doch gar nicht schlecht. Die Schüler müssen selbst lernen wollen. Allerdings können sie den Stoff, der in den kommenden Monaten auf sie zukommt, gar nicht wirklich überblicken. Das können nur die Lehrer. Nur die haben den roten Faden. Heranwachsende benötigen eine gewisse Orientierung und Führung. Das kann der Lehrer bieten.

Alle wollen Gymnasiallehramt studieren, kaum einer möchte an die Oberschule. Wie erklären Sie sich das?

Da gibt es zunächst eine ganz einfache Erklärung. Alle Studenten kennen aus ihrer eigenen Schulzeit nur das Gymnasium. Zum anderen ist der Ruf der Mittelschule, wie sie damals noch hieß, seit den 1990ern systematisch ruiniert worden. Die Lehrer an den Oberschulen fühlen sich stiefmütterlich behandelt von der Politik. Sie hat den Fokus nur auf die Gymnasien gelegt, auf die Elite. Die Oberschüler sind auf der Strecke geblieben. Sie wissen, sie sind nur Oberschüler. Betrachten wir die Lehrerversorgung. Mit Seiteneinsteigern lässt sich das Ruder nicht mehr herumreißen. Sie haben keine pädagogische Ausbildung, und nicht jeder ist ein Naturtalent. Außerdem haben Oberschulen im Gegensatz zum Gymnasium keine Lobby. Dabei sind handwerkliche Berufe so wichtig. Die benötigen wir alle. Die Oberschulen sind soziale Brennpunkte mit wenig Anerkennung. Das ist das Problem.

Gesetzt den Fall, Sie wären Kultusministerin, wie würden Sie die Oberschule attraktiver machen?

Ich würde beim Studium anfangen. Ein Gymnasiallehrer sollte auch Erfahrungen an der Oberschule sammeln und Praktika machen, um auch diese Vorurteile abzubauen, die sich im Laufe der Zeit eingeschlichen haben. Man müsste das soziale Gefüge insgesamt ändern. Schüler sollten von der 1. bis mindestens zur 6. Klasse gemeinsam und auch voneinander lernen dürfen – völlig unabhängig davon, aus welchem familiären Umfeld sie kommen. Ich selbst bin in Brandenburg sechs Jahre auf die Grundschule gegangen und ab der 7. aufs Gymnasium. Ein Kind hat nach der 4. Klasse noch gar nicht die Reife zu entscheiden, bin ich für die Oberschule oder fürs Gymnasium gemacht. Ganz wichtig auch: Alle Schulen müssen gleich ausgestattet werden – materiell, finanziell und personell. Jede Oberschule benötigt einen Schulpsychologen und einen Sozialarbeiter, die täglich da sind.

Verdient der Lehrerberuf mehr Anerkennung, als ihm jetzt zuteil wird?

Ja, ich würde mir von der Politik mehr Anerkennung wünschen für die Betreuung, Unterstützung und Bildung der Kinder und Jugendlichen. Wir stehen hier an der Front.

Von Katrin Richter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Anzeige
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.