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Katholiken eröffnen „Monat der Weltmission“ in Dresden

Religion Katholiken eröffnen „Monat der Weltmission“ in Dresden

Was darf man auf der Flucht keinesfalls vergessen mitzunehmen? Wer bringt einen von fort? Was für Afrikaner in Bürgerkriegsländern lebensbedrohlicher Ernst ist, kann in einem Truck von „missio“, dem Internationalen Katholischen Missionswerk, am Computer durchgespielt werden.

Ausgelassene Glaubensfreude vor der Kirche der Abtei Ndanda im Süden Tansanias. Schätzungsweise ein Drittel der Menschen in Tansania gehört zu den Christen.

Quelle: missio / Hartmut Schwarzbach

Dresden. Eben noch sitzt man in einer Kapelle. Da wird der Ort, in dem man lebt, plötzlich von Soldaten in Jeeps überfallen. Halsüberkopf stürzt man nach Hause. Jetzt muss es sehr schnell gehen. Was ist das Notwendigste? Was darf man auf der Flucht keinesfalls vergessen mitzunehmen? Wer bringt einen von hier fort? Auf welchem Weg? Was für Afrikaner in Bürgerkriegsländern lebensbedrohlicher Ernst ist, kann in einem Truck von „missio“, dem Internationalen Katholischen Missionswerk, am Computer durchgespielt werden. Nicht zur Unterhaltung. Sondern dazu, sich in die Lage jener zu versetzen, die den gefährlichen Weg aus den Kriegsgebieten des Schwarzen Kontinents bis nach Europa schaffen. Jener, denen man womöglich irgendwo in dieser Stadt begegnet.

An diesem Sonnabend kann man die virtuelle Flucht von Dresden aus antreten. Der weiße missio-Truck, ein 18-Tonner, steht auf dem Theaterplatz. Eine Art Trainingsfahrzeug gegen die Gleichgültigkeit. Er gehört zum öffentlichen Auftakt des internationalen „Monats der Weltmission“. In rund hundert Ländern läuft die globale Solidaritätsaktion bis 25. Oktober, dem „Sonntag der Weltmission“. In Dresden wird sie in diesem Jahr eröffnet. „Verkündet sein Heil von Tag zu Tag“ aus Psalm 96 im Alten Testament der Bibel lautet das Leitwort.

Etwa 88 Millionen Euro haben Katholiken laut missio-Angaben 2014 weltweit gesammelt, in Deutschland 3,8 Millionen. Das Geld geht in die ärmsten Kirchen in Afrika, Asien und Ozeanien - für Ausbildung, für Sozialarbeit und Seelsorge, für den Aufbau des interreligiösen Dialoges oder die Flüchtlingsarbeit.

Wofür sie Unterstützung brauchen, darüber informieren in diesem Jahr Gäste aus Tansania. Das gehöre zwar zu den politisch relativ stabilen Ländern des Kontinents, gleichwohl habe es mit großen Problemen zu kämpfen, erläutert Prälat Klaus Krämer, der missio-Präsident. „34 Prozent der Bevölkerung leben noch immer unter der Armutsgrenze, der Gesundheitsbereich steht vor großen Herausforderungen, zum Beispiel im Umgang mit HIV-Infizierten und an AIDS Erkrankten. Die Bildungssituation ist zum Teil katastrophal.“ Mit ihrem diakonischen Einsatz für benachteiligte Menschen wolle die katholische Kirche ein attraktives Glaubenszeugnis geben, so Krämer.

50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, mit dem sich die katholische Kirche dem Dialog mit Konfessionslosen öffnete, hat sich auch ihr Verständnis von Mission gewandelt. Das will sie mit der Aktion gleichfalls demonstrieren.

Generalvikar Andreas Kutschke, vor drei Wochen vom Domkapitel zum Diözesanadministrator des Bistums Dresden-Meißen für die Zeit ohne Bischof gewählt, sieht die Aktion im Zusammenhang mit jüngster deutscher Geschichte: „Fünfundzwanzig Jahre nach dem Geschenk der Deutschen Einheit kann damit aus dem Osten Deutschlands ein Zeichen der Solidarität mit Gemeinden, Priestern und Ordensleuten weltweit ausgehen, die auf unsere Hilfe hoffen. So wie die Menschen Afrikas uns mit ihrer Freude am Glauben oft genug mitreißen und begeistern, wäre es schön, wenn wir nun den Funken der Hoffnung für Gläubige in aller Welt weitertragen könnten, die unsere Unterstützung dringend benötigen.“

Seit 1992 unterhält die Jugendarbeit des Bistums Partnerbeziehungen zur Diözese Geita am Victoriasee im Norden Tansanias. Mehrfach sind Jugendmitarbeiter und Lehrer von dort nach Sachsen gekommen, um sich hier über Methoden der Arbeit zu informieren und über ihre Lebensverhältnisse zu berichten. Oder sächsische Katholiken sind - gemeinsam mit evangelischen Christen - nach Geita gereist, haben dort Schulen, Integrations- und Berufsschulzentren oder Waisenhäuser besucht. „Dieser Blick über den Tellerrand tut unseren Jugendlichen sehr gut“, meint Pfarrer Ralph Kochinka, der Jugendseelsorger der Diözese Dresden-Meißen. Nicht nur die Tansanier bekämen hier Anregungen. Umgekehrt ebenso: „Auch wir lernen von ihnen, wie man noch besser mit Jugendlichen arbeiten kann.“
Mit ihrem Jugendfastenopfer 2011 spendeten junge sächsische Katholiken Geld für den Aufbau einer Hühnerfarm neben einem Waisenhaus in Geita. Inzwischen steht die Farm. Es ist ein Bildungs- und Beschäftigungsprojekt für Kinder, deren Eltern an Aids gestorben sind. Nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ sollen Überschüsse aus dem Verkauf der Hühner künftig das Heim mit finanzieren.

Religionsfreiheit weltweit ist ein weiteres Thema der Aktion. Symbolisch wollen Schülerinnen und Schüler dafür am heutigen Sonnabend auf dem Schlossplatz eine „Mauer der Intoleranz“ niederreißen. In Tansania zum Beispiel sind zwischen 30 und 40 Prozent der Bevölkerung Christen, etwa ebenso viele Muslime. Die katholische Kirche will helfen, dass es friedlich zwischen ihnen bleibt. Der wirksamste Weg, um Fluchtursachen zu verhindern.

missio-Solidaritätsaktion

Sonnabend: 10.30 - 17 Uhr, Dresden, Schlossplatz, missio-Flucht-Truck (multimediale Ausstellung); Aktionen von Jugendlichen und dem Ndanda Mission Choir aus Tansania; missio-Mauer-Aktion für Religionsfreiheit als Menschenrecht; 19.30 Uhr, Dreikönigskirche, Benefizkonzert „Hear my Soul“ für Afrika mit Patricia Kelly, Judy Bailey und dem tansanischen Benediktiner-Chor aus Ndanda;

Sonntag: 10.30 Uhr, Kathedrale (ehemalige Katholische Hofkirche), Pontifikalamt mit Diözesanadministrator Andreas Kutschke, Prälat Klaus Krämer (missio-Präsident) und Gästen aus Tansania zur Eröffnung des Monats der Weltmission, Musik vom Ndanda Mission Choir;

missio: internationales Hilfswerk der katholischen Kirche für die Kirchen in Afrika, Asien und Ozeanien; entstanden 1972 aus Zusammenschluss von Franziskus-Xaverius-Verein (Aachen) und Ludwig-Missions-Verein (München); unterstützte 2014 rund 850 Projekte mit fast 49 Millionen Euro; Schwerpunkt ist Förderung von Ausbildung und Seelsorge;

Monat der Weltmission: jedes Jahr im Oktober in allen rund 2500 katholischen Diözesen weltweit; mehr als 100 Päpstliche Missionswerke, darunter missio, sammeln Geld; das fließt in Fonds für rund 1100 ärmste Kirchen.

Tomas Gärtner

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