Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+
Kanzler der TU Dresden verteidigt Umgang mit technischen Problemen im Verwaltungssystem

Kanzler der TU Dresden verteidigt Umgang mit technischen Problemen im Verwaltungssystem

Seit Wochen herrscht an der TU Dresden "allerhöchste Alarmstufe", wie es ein Mitglied des Senats gegenüber DNN beschreibt. Mit der Einführung eines SAP-Verwaltungssystems sind erhebliche Probleme entstanden.

Voriger Artikel
Honigschnaps für die Jury - Die Dresdner Siedlung "An der Windmühle" wird von einer Jury begutachtet
Nächster Artikel
Ruderer starten in Dresden zum Evangelischen Kirchentag nach Hamburg

Wolf-Eckard Wormser

Quelle: TUD

Rechnungen können nicht bezahlt werden, Lehrveranstaltungen fallen aus, weil Verträge nicht abgeschlossen werden können. Der Image-Schaden für die Hochschule mit "Elite-Status" ist enorm. Bislang schwiegen Rektor Hans Müller-Steinhagen oder Kanzler Wolf-Eckhard Wormser in der Öffentlichkeit. Jetzt äußert sich Verwaltungschef Wormser erstmals in einem Interview zu den Problemen.

DNN: Wie viele unbearbeitete Rechnungen liegen bei der Uni gerade?

Wolf-Eckhard Wormser: Wir haben jetzt im zuständigen Sachgebiet 5113 offene Rechnungen von Lieferanten, 1041 Honorarabrechnungen, 1734 Ersatz für Barauslagen der Mitarbeiter und 2537 Reisekostenabrechnungen gezählt. Das ist das Pensum für etwa einen halben Monat. Es sind jedenfalls zu keinem Zeitpunkt mehrere zehntausend gewesen, wie gelegentlich berichtet wurde. Diese Zählaktion werden wir aber nicht wiederholen. Ich habe aber angewiesen, Rechnungen zu bezahlen, statt sie zu zählen.

Die Probleme sind mit der Einführung des SAP-Systems in der Verwaltung entstanden. War das schlecht vorbereitet?

Nein. Die Verwaltung der Universität muss auf ein modernes Datenverarbeitungsprogramm umgestellt werden und wir mussten von der Staatskameralistik zu kaufmännischer Buchführung übergehen. Damit konnten wir nicht mehr länger warten. Seit mehr als drei Jahren wurde das vorbereitet. Nach einer Ausschreibung haben wir uns Ende 2011 für SAP entschieden und das seitdem intensiv und unter Beteiligung vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen der Universität umgesetzt.

Warum dann die katastrophalen Problemen mit massivem, teils monatelangem Zahlungsverzug gegenüber Lieferanten und Mitarbeitern?

Eine so große Systemumstellung ist immer mit Problemen verbunden. Das weiß jeder. Wenn Sie aus Ihrer Sicht die Situation so bewerten wollen: Unsere Schwierigkeiten haben mit vielen Krisen den Umstand gemein, dass es nicht nur eine einzige Ursache gab, sondern eine Verkettung von unglücklichen Umständen zugrunde lag. Um die wichtigsten zu nennen: Wir hatten ausgerechnet zu Jahresbeginn einen erheblichen Krankenstand. Bei dem Programmteil Personalverwaltung war die Qualität der Datenübernahme aus dem alten Programm nicht gut genug, um es zum vorgesehenen Zeitpunkt produktiv zu setzen. Anstatt der geplanten Entlastung der Buchhaltung führte das dort zu Mehraufwand. Es gab einen größeren Rechnungseingang als sonst im Januar üblich. Meine Mitarbeiterinnen haben den Eindruck, dass es vor allem mehr Kleinrechnungen waren.

Warum war das so?

Da müsste man spekulieren.

Rechnungen für Honorarkräfte haben auch in der Vergangenheit schon einige Wochen dauern können. Wann kommen Sie zumindest zu früheren Zeiträumen zurück?

Wir haben zusätzliches Personal im Einsatz. Aber wir sind im öffentlichen Dienst und da kann ich mich nicht einfach schnell einer Leiharbeitsfirma bedienen. Aber zum Sommer sollten wir es geschafft haben.

Wird dann auch das Modul zum Personalmanagement im Einsatz sein?

Da bin ich vorsichtig. Im Personalbereich ist die Sicherstellung des laufenden Betriebes besonders wichtig und wir müssen nicht wie in der Buchhaltung zu einem bestimmten Termin anfangen. Wir arbeiten da noch an der Datenqualität.

Sind künftig weitere Überraschungen dieser Art zu erwarten?

Es stehen noch weitere große Aufgaben vor uns. Wir werden die Verwaltung der dezentralen Einrichtungen anschließen und dabei die Unterstützung der Steuerung der Drittmittelprojekte in das System integrieren und es wird ein zentrales Beschaffungsmodul für den Einkauf geben. Der Globalhaushalt wird uns ebenfalls beschäftigen. Das sind alles keine unproblematischen Prozesse.

Warum hat die Uni die Probleme nicht offensiv kommuniziert?

Wir haben intern intensiv kommuniziert und darauf hingewiesen, dass es das sogenannte Tal der Tränen geben wird, weil das bei so einem Projekt immer kommt. Wir hatten nicht gedacht, dass das auf solches öffentliches Interesse auch außerhalb der Universität stoßen würde. Das haben wir wohl unterschätzt.

Besonders zerknirscht wirken Sie nicht. Eine offizielle Entschuldigung der Uni-Spitze fehlt auch bislang. Wie wollen Sie den entstandenen Schaden wiedergutmachen?

Ich werde mich jetzt bei Ihnen nicht für meine positive Lebenseinstellung entschuldigen. Jeder wird den ihm zustehenden Rechnungsbetrag und gegebenenfalls Mahnkosten erhalten, da soll kein Schaden sein. Zur Anmeldung besonderer dringlicher Ansprüche haben wir für Mitarbeiter eine besondere E-Mail-Adresse eingerichtet (erp@tu-dresden.de). Wir bedauern selbstverständlich die aufgetretenen Schwierigkeiten. Sobald wir wieder klar Schiff haben, werden wir uns in der Sache von uns aus melden.

Kommenden Mittwoch gibt es eine Sondersitzung des Senats an der TU zu dem Thema. Was erwarten Sie davon?

Da kennen Sie das Datum einer nicht-öffentlichen Senatssitzung. Sie werden verstehen, dass ich das nicht kommentiere.

Interview: Ingolf Pleil

Ingolf Pleil

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.