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Kalter Krieg – USA hätten Dresden im Ernstfall vorerst verschont

Dokumente veröffentlicht Kalter Krieg – USA hätten Dresden im Ernstfall vorerst verschont

Im Fall eines Atomkrieges zwischen den USA und der Sowjetunion wäre Dresden zumindest vorerst kein Ziel für die USA gewesen. Das zeigen amerikanische Geheimdienst-Akten aus den 50er-Jahren, die jetzt erstmals veröffentlicht wurden.

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Quelle: Archiv

Dresden/Washington. US-Behörden haben erstmals eine Liste öffentlich gemacht, welche Ziele in Mittel- und Osteuropa während des Kalten Krieges mit Atomwaffen angegriffen werden sollten. Allein in Ost-Berlin hatte das Strategic Air Command – die zuständige Teilstreitkraft – 91 Ziele ausgemacht. Auch Städte in Ost- und Mitteldeutschland werden aufgeführt. Dresden allerdings wäre kein vorrangiges Ziel der US-Bomber gewesen.

Die Papiere aus dem Jahr 1956 zeigen Pläne auf, wie die USA im Jahr 1959 einen Krieg gegen die Sowjetunion und die Ostblockstaaten geführt hätten. Zugänglich gemacht wurde das bislang als „Top Secret“ klassifizierte 800-Seiten-Dokument durch Forscher der George-Washington-University um den Historiker William Burr im Rahmen des US-Nationalarchivs.

Wie aus den Unterlagen hervorgeht, orientierte sich die Strategie der US-Streitkräfte an den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges. Zuerst sollte die Luftwaffe des Gegners zerstört werden: Durch Angriffe mit Atombomben auf Flughäfen und Fliegerhorste. Hochrangige militärische Ziele in Mitteldeutschland lagen unter anderem in Erfurt, Bautzen, Merseburg, Dessau und Großenhain und Altenburg.

Sekundäre Ziele: Industrie, Verkehr und Zivilisten

Industrieanlagen, Bahnhöfe und ähnliche Infrastruktur waren weitere Ziele mit niedrigerer Priorität. Als „Target category No. 275“ wird aber auch der Punkt „population“ – Bevölkerung als probates Ziel aufgeführt. Leipzig zum Beispiel galt den Amerikanern als peripheres Ziel, bedeutsam vor allem wegen seiner Industrie und als Verkehrsnotenpunkt. Burr sagte der New York Times am Dienstag, es sei verstörend, dass große Bevölkerungszentren anvisiert wurden. Ziel sei die Abschreckung des Gegners gewesen, führt Matthew McKinzie, Direktor einer amerikanischen Nichtregierungsorganisation, die sich mit Atomwaffen befasst.

Das konkrete Vorgehen des Strategic Air Command beschreibt Historiker Alex Wellerstein in der New York Times als „bomb as you go“. Im Kriegsfall wären US-Bomber die größten Städte angeflogen und hätten während des Anflugs alle auf dem Weg liegenden Ziele mit Nuklearwaffen bombardiert. Hätte ein Bomberverband Leipzig zum Ziel gehabt, dann wären beim Anflug, oder als Ausweichziel bei schlechtem Wetter, Ziele in Altenhain, Böhlen, Delitzsch, Grimma, Pegau, Wurzen und Brandis mit Atomwaffen angegriffen worden.

Bomber fliegen noch heute

1956 verfügten die Amerikaner über Atomwaffen mit einer Sprengkraft von insgesamt 20.000 Kilotonnen und überstieg das Arsenal der Sowjetunion um das Zehnfache. Zum Vergleich: Die Bombe, die Hiroshima auslöschte hatte 13 Kilotonnen. Die Angriffe wären unter anderem mit Bombern vom Typ Boeing B-52 ausgeführt worden. In einer modernisierten Version stellt dieses Flugzeug noch heute das Rückgrat der strategischen Bomberflotte der USA dar.

Historiker Burr hatte die Anfrage nach den Regierungsdokumenten bereits im Jahr 2006 gestellt. Erst neun Jahre später gab das US-Militär die Liste frei. Welche Anlagen und Einrichtungen in den jeweiligen Städten konkret angegriffen werden sollten, ist nicht bekannt. Diese Daten sind noch immer unter Verschluss.

Die Liste möglicher Ziele finden Sie auf der Seite des National Archives.

DNN/Joka

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