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Journalisten kleben zu sehr an den Eliten

Kritik: Journalisten kleben zu sehr an den Eliten

Eine tiefe Vertrauenskrise zwischen Massenmedien und Menschen hat der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Krüger in einer Diskussionsveranstaltung in Dresden diagnostiziert.

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Dresden. Eine tiefe Vertrauenskrise zwischen Massenmedien und Menschen, die teils in Vorwürfen bis hin zum Propaganda-Wort „Lügenpresse“ gipfelt, hat der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Krüger in einer Diskussionsveranstaltung in der Landeszentrale für politische Bildung in Dresden diagnostiziert. Dies beruhe aber auch auf Missverständnissen und Versäumnissen auf beiden Seiten: sowohl der Journalisten, die zu abgehoben berichten, als auch vieler Zuschauer und Leser, die kaum eine Vorstellung haben, wie Presse funktioniert. „Meine Kernthese ist: Die Massenmedien sind zu eliteorientiert geworden“, sagte er.

Gemeint ist: Die Journalisten hangeln sich zu sehr an Themen entlang, die Politiker, Wirtschaftsbosse und andere gesellschaftliche Eliten als wichtig empfinden. Auch orientieren sie sich zu sehr untereinander, am publizistischen „Mainstream“ (Hauptströmung), die durch einige wenige Leitmedien immer neu geformt wird.

Vor allem am Ukraine-Konflikt und einer womöglich zu US-freundlichen und russland-feindlichen Berichterstattung in eben diesen Leitmedien von ARD bis Spiegel hat sich wohl gerade bei vielen Ostdeutschen der Unmut über „die Presse“ entzündet. Dies wurde auch in der Diskussion zwischen dem Medienforscher und dem – größtenteils betagtem – Publikum deutlich. Heftig kritisierten die Zuhörer die Medien: Teils, weil diese ihre persönlichen Probleme und Wünsche nicht berücksichtigen, teils auch, weil sie parteiisch und „zu links, zu grün, zu transatlantisch“ seien.

Verschwörungstheorien à la Weltkartell trat Krüger indes entgegen: Hinter Defiziten in der Berichterstattung stecke nicht unbedingt „böser Wille“ der Zeitungs- und Rundfunkhäuser oder gar eine alles lenkende Macht. Ein Teil der Erklärung stecke in der ähnlichen Sozialisierung vieler Journalisten, aber auch in äußeren Sachzwänge, betonte Uwe Krüger, der 2003/2004 ein Volontariat (eine Art Lehre) bei der Leipziger Volkszeitung absolviert hatte: Immer weniger Menschen lesen Zeitung, die Werbeerlöse schrumpfen, in den Redaktionen wird gekürzt und gekürzt – und dadurch wird es immer schwerer für Journalisten, aufwendige Recherchen zu realisieren. Dies wiederum stärkt nicht gerade den Rückhalt in der übrig gebliebenen Leserschaft. Und die Jüngeren erwarten wie selbstverständlich, alles kostenlos im Internet zu bekommen. „Da muss erst mal das Bewusstsein bei den Nutzern geweckt werden, dass guter Journalismus genauso etwas kostet wie ein Latte macchiato, für den ich ja auch bezahle.“

Insofern ist ein Weg, den Krüger aus der Krise vorschlägt, ein schwer finanzierbarer: Ähnlich wie einen Streifen-Polizisten plädiert er für „den Streifen-Journalisten“, der basisnah draußen unterwegs ist, und die Themen der Menschen aufgreift. „Wer das wie bezahlen soll, weiß ich allerdings auch noch nicht.“

Uwe Krüger: Mainstream – Warum wir den Medien nicht mehr trauen, München 2016, gratis in der Landeszentrale, slpb.de/buecher/

Von Heiko Weckbrodt

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