Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 1 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Jetzt rollt der Rubel: Dresdner Händler freuen sich über tausende russische Touristen

Jetzt rollt der Rubel: Dresdner Händler freuen sich über tausende russische Touristen

Edle Stoffe, teure Marken, glänzende Technik: Tausende Menschen aus Russland landen seit gestern in Dresden. Kurz vor dem russischen Weihnachtsfest suchen sie in der sächsischen Landeshauptstadt nach Schnäppchen und Geschenken.

Edle Stoffe, teure Marken, glänzende Technik: Tausende Menschen aus Russland landen seit gestern in Dresden. Kurz vor dem russischen Weihnachtsfest suchen sie in der sächsischen Landeshauptstadt nach Schnäppchen und Geschenken. Weil die russischen Kunden als konsumfreudig und einkommensstark gelten, hat die Altmarkt Galerie Hostessen engagiert, welche die Gäste am Flughafen begrüßen. Viele russische Besucher sind jedoch weit weniger wohlhabend als ihnen nachgesagt wird.

Von Katrin Tominski

Alex aus Moskau hat sich zur Feier des Tages ein weißes Hemd angezogen. Mit erwartungsfrohem Siegerlächeln betritt er Dresdner Boden und die Ankunftshalle des Flughafens. Sein Hemd leuchtet unzerknittert, das Jacket sitzt. Alex kennt Großbritannien, Ägypten, die Slowakei und Polen. Doch in Deutschland ist er noch nie gewesen. "Mein erstes Mal in Dresden", erklärt der 19-jährige Jugendliche. Dann lacht er wieder. Neben ihm stehen Schwester Wika und Mutter Tatjana.

Alex, Wika und Tatjana gehören zu den etwa 3 000 Gästen, welche die Dresdner Einzelhändler - allen voran die Altmarkt-Galerie - in diesen Tagen sehnsüchtig erwarten. Russische Kunden gelten als wohlhabend und markenorientiert. "Wir spüren eine große Nachfrage beim Einkaufen", erklärt Nadine Strauß, Centermanagerin der Altmarkt Galerie. "Russische Touristen spielen eine immer größere Rolle." Nach den deutschen und tschechischen Besuchern gehörten die Russen mittlerweile zur drittgrößten Gruppe der Städtetouristen in der Altmarkt Galerie. Gefragt seien vor allem Mode, Uhren, Schmuck und Elektroartikel.

Weil der Centermanagerin die Ankunft der Gäste am Herzen liegt, ist sie gestern höchstpersönlich zum Flughafen gefahren. Dort warteten bereits zwei Hostessen in russischen Kostümen auf die Besucher, die in drei Maschinen direkt von Moskau nach Dresden geflogen wurden. Weiße Pelzmütze, blaues Glitteroberteil - die jungen Studentinnen Darja Ermisch (22) und Yuliya Schmidt (28) sind in Kasachstan und Weißrussland geboren und sprechen fließend russisch. Sie empfangen die Gäste in der Ankunftshalle, verteilen Infoblätter, beantworten Fragen und vermitteln in Landessprache auch sonst das Gefühl, die Gäste könnten sich in Dresden wie zu Hause fühlen.

Über 10 000 Euro hat die Altmarkt Galerie in die Marketing-Aktion investiert. Neben den Hostessen am Flughafen informieren junge Damen an Service-Ständen und führen die Gäste durch das Einkaufszentrum. Väterchen Frost und seine Enkelin Snegurotschka (Schneeflöckchen) streifen durch die Gänge, es gibt russische Hinweisschilder und Leuchtreklame, einige Händler haben für diese Zeit sogar russischsprachige Mitarbeiter eingestellt.

Alex wird mit seiner Mutter und seiner Schwester zu den Kunden gehören, die den Umsatz der Altmarkt Galerie nach oben treiben. Fest steht schon jetzt: "Wir wollen in den Apple Store." Alex will sich ein iPhone 5 kaufen, wie auch seine Schwester. Schon allein deswegen lohne sich die Fahrt. "Ein iPhone 5 kostet in Moskau etwa 2000 Euro", erklärt Tatjana. "Viele Marken sind in Moskau um ein Vielfaches teurer." In Dresden ist das iPhone ab 679 Euro zu haben. Die 41-jährige Tatjana arbeitet als Assistentin der Geschäftsführung in einem Unternehmen der Flugzeugindustrie. Für die sechstägige Reise mit ihren Kindern hat sie 5 000 Euro im Gepäck. Das muss reichen.

Den Erwartungen von Managerin Strauß zum Trotz werden jedoch nicht die kompletten 5000 Euro ihren Weg auf das Umsatz-Konto der Altmarkt Galerie finden. Alex, Mika und Tatjana reisen zunächst vom Flughafen sofort weiter nach Prag. Lediglich auf dem Rückweg gibt es einen Stopp in Dresden, vor allem wegen des Apple Stores.

"Die russischen Touristen, die hier landen, gehören nicht zu den Superreichen", erklärt Hostess Yuliya Schmidt. Die Gäste seien zwar wohlhabend, gehörten aber eher zur unteren Oberschicht. Es werde in Markenprodukte investiert, an Übernachtungen jedoch gespart. Deswegen verbinden die meisten ihre Dresden-Reise mit einem Besuch in Tschechien. Insgesamt 400 Euro kosten sieben Tage mit Flug und Übernachtungen in Prag sowie einer Exkursion nach Dresden bei den tschechischen Reiseanbietern "Amigo" und "Empire" - weniger als ein iPhone 5 in Dresden, ein Viertel eines iPhone 5 aus Moskau. Über 500 russische Gäste, die gestern in Dresden gelandet sind, übernachten in Prag und besuchen Elbflorenz für einen Tag. Doch selbst das, was die Russen dann innerhalb weniger Stunden ausgeben, lässt Händler-Herzen höher schlagen. "Wir erwarten Umsätze in einem hohen sechsstelligen Bereich", erklärt Centermanagerin Strauß.

Weihnachten wird in Russland am 7. Januar gefeiert. Weil für die Russisch-Orthodoxe Kirche noch immer der Julianische Kalender gilt, werden in Russland die christlichen Festtage mit zwei Wochen Verspätung gefeiert. Der Legende nach kommt Väterchen Frost mit seiner Enkelin Snegurotschka in einem Schlitten, der von drei Pferden gezogen wird, und bringt die Weihnachtsgeschenke. Die erhalten die russischen Kinder bereits am 31. Dezember zum Jolkafest. Jolka bedeutet im Russischen Tannenbaum.

Viele russische Gäste kommen nach Dresden, um ihre Weihnachtsgeschenke zu kaufen. "Dabei legen sie besonderen Wert auf Markenprodukte", erklärt Nadine Strauß, Centermanagerin der Altmarkt Galerie. Sie seien in Dresden günstiger als in der Heimat.Mit der Aktionswoche "Russische Weihnachten" versucht das Einkaufszentrum Kunden zu locken. "Damit haben wir auf Hinweise aus über 200 Geschäften reagiert", erklärte Strauß. Doch nicht nur die Russen, auch Amerikaner, Briten, Japaner, Schweizer und Österreicher würden für den Dresdner Einzelhandel immer wichtiger. "Das Thema Tourismus gewinnt an Bedeutung", sagte Strauß. Sie möchte den Altmarkt in Zukunft noch internationaler und mehrsprachiger aufstellen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.01.2013

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
30.04.2017 - 13:27 Uhr

Souveräner Heimerfolg der Veilchen gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf.

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.